Boris Schommers, Trainer des 1. FC Kaiserslautern (Foto: Imago, Werner Schmitt)

Fußball | 3. Liga Boris Schommers: "Wollen den Betzenberg wieder zum Beben bringen"

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Drei Siege in den letzten drei Ligaspielen: Nach der sportlichen Talfahrt scheint sich der 1. FC Kaiserslautern zuletzt stabilisiert zu haben. Ein Verdienst auch von Trainer Boris Schommers. Der seit Ende September amtierende Coach gewährte zuletzt einen seltenen Einblick in sein Innenleben.

Auf der Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern wurden die Weichen für die Zukunft des Klubs gestellt. Dass das Sportliche an diesem Tag nur ein Randaspekt war, lag hauptsächlich an der schwierigen wirtschaftlichen Situation des FCK, an den lange währenden Streitigkeiten in den Gremien des Vereins und dem Kompetenzgerangel hinter den Kulissen. Es lag aber auch daran, dass dem 1. FC Kaiserslautern zuletzt drei Liga-Siege in Folge gelungen waren und die Mannschaft sich ein Polster zu den Abstiegsrängen erspielen konnte. Trainer Boris Schommers scheint nach einer schwierigen Anfangsphase mit seiner Mannschaft wieder in die Spur gefunden zu haben.

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Dementsprechend erleichtert zeigte sich der 40-Jährige auf der JHV. Der FCK-Coach gewährte in einer emotionalen Rede Einblicke in sein Innerstes. Einblicke, wie sie im Profifußball äußerst selten sind.

Schommers startete mit drei Zielen

"Als ich hier angefangen habe, hatte ich mir drei Ziele gesetzt", so Schommers, der seit 19. September im Amt ist: "Das erste Ziel war die kurzfristige Stabilisierung einer Mannschaft, die sportlich am Boden lag. Das zweite Ziel war mittelfristig, eine Struktur und eine Handschrift in das Team zu bekommen, die uns die Möglichkeit geben, wieder besseren und erfolgreicheren Fußball zu spielen. Drittens wollen wir nämlich wieder den Fußball spielen, den dieser Verein verdient hat."

Diese Ziele unterzog Schommers nun einer Prüfung. "Die kurzfristig umsetzbaren Zielen haben länger gedauert, als gedacht. Aber mittlerweile sind wir auf einem guten Weg - auch mittel- und langfristig."

"Vier-Säulen-Modell" von Boris Schommers

Gleichzeitig erklärte er, dass seine Arbeit einem "Vier-Säulen-Modell" zugrunde liegt: "Meine erste Säule ist Ehrlichkeit und Respekt. Das ist immer einfach gesagt, aber in der täglichen Arbeit und in den Kleinigkeiten wird es schon schwieriger. Die zweite Säule ist individuelle Qualität. Unsere einzelne Qualität ist besser, als der Tabellenplatz, auf dem wir stehen - aber funktionieren kann es trotzdem nur im Team. Deshalb ist die dritte Säule das Team und der Zusammenhalt: Wenn irgendjemand meint, er kann es alleine richten, dann ist er hier fehl am Platze. Jeder muss seine egoistischen Züge hintenanstellen und ehrliche Arbeit liefern. Und die vierte Säule sind Gier und Leidenschaft." Jeder Spieler, so Schommers weiter, werde anhand dieses "Vier-Säulen-Modells" bewertet.

Gedrückte Stimmung bei Schommers Amtsantritt

Seine Beweggründe, die Aufgabe 1. FC Kaiserlautern übernommen zu haben, erläuterte der Trainer der Roten Teufel ebenfalls. "Das ist ein absoluter Traditionsklub. Als ich hier am 19. September angefangen habe und zum Betzenberg hochgefahren bin, hatte ich Gänsehaut. Doch als ich die Geschäftsstelle kam, waren die Köpfen unten. Ebenso in der Kabine. Auch in der Stadt war eine komische Stimmung", so Schommers: "Da habe ich zu meinem Co-Trainer Kevin McKenna gesagt: 'Was machen wir hier eigentlich?'"

"Haben uns fürs Anpacken entschieden"

Seine Reaktion auf diese Stimmungslage war aber auch eindeutig: "Wir hatten zwei Optionen. Aufgeben oder Anpacken. Wir haben uns fürs Anpacken entschieden. Wenn man die Stimmung jetzt sieht, bei den Fans, aber auch in der Mannschaft - es hat sich gelohnt hierzubleiben."

Die drei Liga-Siege in Folge seien ein guter Anfang, sagte Schommers weiter: "Wir wollten die Fans zurückgewinnen. Da sind wir auf einem guten Weg, den wir weiter gehen wollen." Sein Ziel war und ist es, "den Betzenberg wieder zum Beben zu bringen".

Einen Wunsch äußerte Schommers auch noch: "Ich möchte, dass die neugewählten Gremien, die Geschätfsführung, die Geschäftsstelle und natürlich auch die Mannschaft - das wir alle in einem respektvollem und akribischen Miteinander dafür arbeiten, dass der 1. FC Kaiserslautern in eine erfolgreiche Zukunft geht. Das ist mein Wunsch für die letzten Wochen dieses Jahres und für die Zukunft."

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