Torwarttalk-Runde (Foto: SWR)

3. Liga | 1. FC Kaiserslautern Von unhaltbaren Frauen und schwedisch Tanzen - der FCK-Torwart-Talk

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Drei Torwart-Legenden und einer, der es noch werden kann - beim Torwart-Talk im FCK Museum nahmen Ronnie Hellström, Sepp Stabel, Gerry Ehrmann und Lennart Grill auf dem Podium Platz.

"Das Towartdasein im Wandel der Zeit", das Motto der Veranstaltung auf dem Betzenberg. Schon vor Beginn des Torwart-Talks sind die vier FCK-Keeper Ronnie Hellström, Sepp Stabel, Gerry Ehrmann und Lennart Grill schwer gefragt. Im Akkord werden Trikots, Bücher, oder Plakate unterschrieben und in dutzende Kameras gelächelt. Spätestens bei der Vorstellung der Podiumsgäste wird klar, wer die meisten Fans mitgebracht hat: "Ronnie, Ronnie, Ronnie" - gemeint ist Ronnie Hellström. Aber auch bei Gerry Ehrmann und Sepp Stabel wird es laut.

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Schon nach der ersten Frage wird klar: Das wird eine lustige Runde. SWR-Moderator Sebastian Zobel möchte wissen, ob es unhaltbare Bälle gibt. "Frauen sind unhaltbar", scherzt Gerry Ehrmann - immer einen guten Spruch auf den Lippen. Strobels Tipp an den jungen Lennart Grill: "Alle die reingehen sind unhaltbar."

Wie hat sich das Torwartspiel verändert?

Wollten Stabel und Hellström den Ball mit aller Kraft am besten ganz weit über die Mittellinie bringen und bloß niemanden im Defensivbereich anspielen, muss ein Torwart heute auch fußballerische Qualitäten mitbringen, am besten beidfüßig. "Es hat sich ansonsten nicht viel geändert", erklärt Ehrmann und fährt fort: "Ein Torwart muss bekloppt sein. Du verdienst am wenigsten, hast aber die meiste Verantwortung." Außerdem müsse er kompromisslos, konsequent und entschlossen sein und keine Angst haben. "Du musst mit den gemachten Fehlern leben können", ergänzt Ehrmann. Bei einer Sache sind sich aber alle einig: Die Hauptaufgabe eines Torwarts ist es, Tore zu verhindern.

Hatten Stabel und Hellström noch keinen Torwarttrainer, ist Grill froh, eine starke Persönlichkeit wie Gerry Ehrmann hinter sich zu haben. Eine Person, die er zu jeder Zeit anrufen kann: "Es tut immer gut, wenn jemand hinten dran steht, mit dem du reden kannst", nicht nur über Fehler im Spiel, sondern auch privat."

"Wenn ich früher einen Fehler gemacht habe, bin ich drei Tage keine Brötchen holen gegangen. Das war mir peinlich."

Gerry Ehrmann, Torwart-Legende und -trainer des 1. FC Kaiserslautern

In Sachen Equipment unterscheiden sich die Torhüter-Generationen ebenfalls. "Meine ersten Handschuhe habe ich mir selbst gekauft. Die waren aus Baumwolle, und das Schusstraining haben wir in der Sandgrube gemacht, ohne Handschuhe", erzählt Sepp Stabel. "Für mich ist das heutzutage natürlich unvorstellbar", kennt Lennart Grill das Torwart-Dasein nur mit Handschuhen. Das Kommentar von Ehrmann dazu: "Die Handschuhe halten die Bälle nicht."

Das außergewöhnliche Tiger-Trikot von Gerry Ehrmann ist nichts für Lennart Grill

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Das Thema Druck spielt in der Talkrunde ebenso eine große Rolle. "Ein Torwart hat immer Druck“, stellt Hellström fest. Stabel ergänzt: "Man ist allein da hinten. Keiner ist da, der etwas ausbessert." Auch der Druck, den die Torhüter im Verein unter sich haben, ist stets präsent. "Sepp war immer hinter meinem Rücken. Ich wusste, ich darf kein schlechtes Training machen, weil ich wusste, Sepp ist da", sagt Hellström. Lennart Grill sieht das ähnlich: "Konkurrenzkampf trägt einen und hilft einem, sich weiterzuentwickeln."

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Torhüter haben keine Angst vor dem Elfmeter

Wenn vier Torhüter auf dem Podium sitzen, darf ein Thema natürlich nicht fehlen: der Elfmeter. Laut Stabel könne man als Torwart beim Elfmeter nur gewinnen: "Wenn du den hälst, bist du ein Held, wenn nicht, ist dir auch keiner böse." Ronnie Hellström erzählt von seinen kleinen psychischen Tricks, um den Gegner zu beeinflussen; Lennart Grill setzt auf die Fans im Rücken: "Wir können uns auf die Fans immer verlassen, egal, ob auswärts oder zuhause."

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Zum Schluss bringt Hellström mit zwei Anekdoten aus seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern zusammen mit Sepp Stabel die rund 200 anwesenden FCK-Fans herzahft zum Lachen und erzählt zum Beispiel, dass "schwedisch Tanzen", also enges, sinnliches Tanzen mit einer Frau, ganz schnell gefährlich werden kann. Wie für Sepp Stabel, der beim schwedisch Tanzen mit einer Dame plötzlich von deren Mann bedroht wird. "So schnell war Sepp selbst nicht mal auf dem Platz, wie er wieder im Hotelzimmer war", erzählt Hellström. "Bis wir im Flieger die Schotten dicht gemacht hatten, hatten Ronnie und ich Angst, dass dieser Mann uns verfolgt. Wir haben uns hundertmal umgedreht", ergänzt Stabel.

Fan-Anleihe und Aufsichtsrat - klare Meinung von Gerry Ehrmann

Die aktuellen und brisanten Themen Aufsichtsrat und Fan-Anleihe sind ebenfalls Thema der Runde. Stabel wünscht sich jemanden, der "endlich in den FCK investiert", es müsse doch jemanden geben. Gerry Ehrmann ist direkt und sagt, die "Grabenkämpfe im Aufsichtsrat müssen endlich aufhören".

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