Michael Frontzeck (Foto: Imago, imago/Werner Schmitt)

1. FC Kaiserslautern | Meinung Mittelmaß statt Aufstiegskampf = Trainer weg

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Der 1. FC Kaiserslautern hat sich von Trainer Michael Frontzeck getrennt. Nur konsequent, meint SWR-Sportreporter Stefan Kersthold. Doch wichtige Fragen bleiben offen.

Nun also Michael Frontzeck – ich habe in den jetzt fast 30 Jahren als Sportjournalist aufgehört zu zählen, kann mich aber gut noch an "meinen" ersten Coach auf dem Betzenberg erinnern. Gerd Roggensack hatte zur Saison 1989/90 das Traineramt auf dem Betzenberg übernommen, nach knapp acht Monaten, nach einem 0:4 beim SV Waldhof Mannheim - wohlgemerkt in der Bundesliga - wurde die Zusammenarbeit beendet. Es kam Karl-Heinz Feldkamp und mit ihm der Erfolg. Pokalsieg 1990 und Meisterschaft 1991, der 1. FC Kaiserslautern schien tatsächlich zu den Toppklubs aufgeschlossen zu haben.

Doch wie heißt es immer so schön: Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Es folgten die Herren Zobel, Rausch und Krautzun, mit letzterem stieg der Traditionsklub 1996 erstmals in die 2. Bundesliga ab. Dabei half es Eckart Krautzun auch nicht, dass er (gegen den Karlsruher SC) noch den DFB-Pokal gewann, nach nur vier Monaten wurde er entlassen.

Triumph mit König Otto – danach regiert der Größenwahn

Mit Otto Rehhagel kehrte dann nicht nur der Erfolg zurück auf den Betzenberg (Wiederaufstieg und gleich Deutscher Meister), sondern auch eine für FCK-Verhältnisse beeindruckende Konstanz. "König" Otto blieb über vier Jahre Trainer der Roten Teufel, bis Oktober 2000. Sechs Cheftrainer in elf Jahren - eine lobenswerte Quote.

Danach aber wurde es, auch für uns Journalisten, unübersichtlich. Beim Versuch, alle Fußballlehrer - inklusive der Interimstrainer - aufzulisten, bin ich, um bei Michael Frontzeck zu landen, auf die Zahl 23 gekommen. Macht zusammen 34 Trainer, die ich beim 1. FC Kaiserslautern erlebt habe - ganz schön viele.

Frontzeck nicht alleine gescheitert

Dass Michael Frontzeck jetzt gehen muss, hatte sich über Wochen abgezeichnet. Als Nachfolger des erkrankten Luxemburgers Jeff Strasser war der 54-Jährige am 1. Februar angetreten, konnte aber den Abstieg in die dritte Liga nicht verhindern. Das große Problem danach war, dass der Klub - als Absteiger durchaus verständlich und auch logisch - den direkten Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben hatte. Dass eine neue Liga mit einer neuformierten Mannschaft Zeit erfordert, auch das ist verständlich. Dass Frontzeck aber bei der Pressekonferenz vor der Partie in Unterhaching immer noch seinen oft gehörten Lieblingssatz vom "Mannschaftsaufbau mit 18 neuen Spielern, der seine Zeit braucht" anbrachte, verwirrte mich zu diesem Zeitpunkt schon sehr.

Die Saison hatte im Juli, die Vorbereitung bereits am 10. Juni begonnen. Und mit Verlaub: Nach fast einem halben Jahr sollten neue Systeme greifen und neue Spieler integriert sein. Es sei denn, man hat die falschen Spieler geholt. Hier muss man dann zwar vor allem die sportliche Führung um Martin Bader in die Pflicht nehmen. Doch dass es bei ausbleibendem Erfolg in aller Regel die Trainer trifft, ist im Geschäft Fußball auch keine neue Erkenntnis. Insofern ist die Trennung von Frontzeck nur konsequent.

Ich bin jetzt jedenfalls, vor allem auch im Hinblick auf die angespannte finanzielle Lage, sehr gespannt, wen der 1. FC Kaiserslautern als "meinen" Trainer Nummer 35 präsentiert. 

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