Daniel Weimar (Insolvenzexperte Uni Duisburg) (Foto: SWR, SWR)

3. Liga | 1. FC Kaiserslautern Hitzige Diskussion um die finanzielle Zukunft des FCK

Der 1. FC Kaiserslautern steht am Scheideweg. Die Frage ist: Wie will der FCK seine finanzielle Zukunft sichern und gleichzeitig für sportlichen Erfolg garantieren? Es entbrannte eine hitzige Diskussion.

Fans und Verantwortliche des 1. FC Kaiserslautern haben Angst um die Zukunft des FCK. Die Roten Teufel brauchen etwa zwölf Millionen Euro, um allein die Lizenz für die kommende Saison zu bekommen. Langfristig braucht der FCK jedoch noch viel mehr Geld, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Es geht also ums Ganze beim FCK. Und wenn es beim 1. FC Kaiserslautern ums Ganze geht, kochen die Emotionen hoch.

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Entsprechend hitzig war die Diskussion beim SWR4 Klartext "Millionen oder Pleite - was passiert am Betze?" am Dienstagabend, bei der auch Differenzen sichtbar wurden. FCK-Aufsichtsratschef Patrick Banf hat ein Vier-Säulen-Modell ausgelobt: Fan-Beteiligung, regionale Sponsoren, stille Teilhaber und ein Anker-Investor. Das Problem ist: Aktuell sind alle vier Säulen leer.

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FCK streitet um die Zwischen-Finanzierung

Darum, wie dieses Problem zu lösen ist, tobt seit Wochen ein heftiger Streit beim FCK. Banf will sofort mit Krediten und einer weiteren Fan-Anleihe zwischenfinanzieren und dann mit der Lizenz für kommende Saison einen Anker-Investor suchen.

Aufsichtsrat Michael Littig will lieber gleich einen oder mehrere Investoren an den FCK binden, um die teure Zwischenfinanzierung zu umgehen. Eine Fan-Anleihe ist für Daniel Weimar, Insolvenzexperte der Universität Duisburg, jedoch problematisch.

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Der FCK ist noch immer auf der Suche nach einem Anker-Investor

Doch selbst wenn dieses kurzfristige Problem gelöst werden kann, einen Anker-Investor für die Langfrist-Planung hat der FCK dann immer noch nicht. Zuletzt waren mit Flavio Becca und Michail Ponomarew zwei Unternehmer im Gespräch, die bereits dem luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen (Becca) und dem Drittligisten KFC Uerdingen (Ponomarew) wieder auf die Beine geholfen haben.

Thomas Hilmes vom FCK-Fanforum "Der Betze brennt" sieht beide Kandidaten kritisch: Brause-Unternehmer Becca habe in Düdelingen als erstes die Trikot-Farben geändert, um den Klub farbig an seinen Energy-Drink anzupassen. Zudem drohte er sein Geld wieder abzuziehen, weil die Stadt sich weigerte, dem Verein ein neues Stadion zu spendieren. Auch Ponomarew drohte im Sommer 2018 seinerseits mit Ausstieg beim KFC Uerdingen, als die Drittliga-Lizenz nach einem Verfahrensfehler fraglich war. Ein solcher Investor, so zumindest Hilmes' Befürchtung, würde Fans und Verein in zwei Lage spalten - wie es beispielsweise im Sommer 2017 bei 1860 München passiert ist.

Banf bittet um Geduld bei der Investorensuche

Auch darum bittet FCK-Aufsichtsratschef Banf um Geduld: "Fast alle Vereine in der ersten und zweiten Liga suchen derzeit einen Anker-Investor." Hertha BSC habe etwa acht Jahre gesucht, bis sie einen Investor, die US-amerikanische Private-Equity-Firma KKR, gefunden hat. Die Geduld der Fans scheint jedoch weitgehend aufgebraucht.

Insolvenzexperte Weimar warf die Frage auf, ob der FCK überhaupt auf einen Investor setzen oder sich lieber auf seine Fans verlassen sollte. Er brachte eine Fan-Genossenschaft ins Spiel; ein Vorschlag, der bei vielen Fans im Publikum Anklang fand. Die FCK-Fans könnten Anteile kaufen und dann über den Weg des Klubs mitbestimmen. Rot-Weiß Erfurt versucht aktuell, diesen Weg zu gehen. Doch Banf erwiderte: "Das haben wir auch geprüft. Doch unsere Fan-Gemeinschaft ist immer noch wesentlich kleiner als die jeder Genossenschaftsbank. Und wir müssten eine Gesellschaft gründen, die muss verwaltet werden, und das kostet Geld. Dementsprechend müsste jeder Fan, auch wenn er nur wenige Anteile kauft, monatlich draufzahlen. Und wir haben alle gelernt, dass es beim FCK keine schnelle Rendite gibt. Damit wäre jeder Fan schlechter gestellt, als ein regionaler Investor oder ein Anker-Investor - und das wollten wir nicht."

Kein Neustart in der Regionalliga

Dem Szenario, "einfach" Insolvenz anzumelden und in der Regionalliga Südwest einen Neustart zu wagen, erteilte Littig eine klare Absage: "In der Regionalliga sind wir nie in der Lage, das Stadion zu finanzieren."

Das große FCK-Dilemma

Allerdings steckt der FCK in einem Dilemma: Denn was nützt das potenzielle Geld, wenn der FCK nicht aufsteigt? Schließlich hängt das Wohl und Wehe des Vereins am sportlichen Erfolg. Dann, schätzt SWR-Sportreporter Bernd Schmitt, lösen sich die meisten wirtschaftlichen Probleme von ganz allein. Für ihn ist der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga in der kommenden Saison Pflicht.

Banf ist optimistisch: "Wir haben viele junge Spieler in der Mannschaft. Die sind gereift. Wenn wir dazu noch den einen oder anderen erfahrenen Spieler verpflichten können, haben wir eine schlagkräftige Mannschaft." Ein Versprechen für die kommende Saison, dem an diesen Abend auch nicht jeder Fan glauben wollte. Denn wie gesagt: Es geht ums Ganze beim FCK. Und wenn es beim 1. FC Kaiserslautern ums Ganze geht, kochen die Emotionen hoch.

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