Begehrtes Objekt: Der Kaiserslauterer Betzenberg  (Foto: Imago, Imago)

Fußball | 3. Liga 1. FC Kaiserslautern: Wirtschaftskrimi um den Betzenberg

AUTOR/IN

Die Entscheidung naht: Bekommt der FCK das Geld zusammen und damit seine Lizenz für die kommende Saison? Oder ist der Traditionsverein in ein paar Wochen am Ende und insolvent? Die Entscheidung darüber hat der FCK nicht mehr alleine in der Hand.

Der Verein hängt längst am Tropf von Bau- und Finanzspekulanten. Er ist zum Spielball der Politik geworden.

Die Fakten: An diesem Dienstag findet ein Gespräch zwischen dem FCK-Kreditgeber Quattrex und den regionalen Investoren, Hans Sachs und Klaus Dienes, statt. Es steckt mal wieder ein Ultimatum dahinter in diesen chaotischen Tagen beim FCK. Bis zum Dienstagabend will Quattrex ein Konzept haben, wie der 1. FC Kaiserslautern mittelfristig überleben will. Schaffen es die regionalen Investoren, die bisher drei Millionen Euro in den FCK investieren wollen, Quattrex zu überzeugen? Wenn nicht, will das Stuttgarter Unternehmen gemeinsam mit anderen Finanzpartnern kein weiteres Geld mehr in den FCK pumpen. Mit einem Schlag würden nach gemeinsamen Recherchen von Kicker und SWR Sport wieder drei bis vier Millionen Euro für die Lizenz fehlen.

Dauer

Geht es wirklich noch um den 1. FC Kaiserslautern?

Geht es nur noch um die Lizenz eines Drittligisten? Geht es noch um Fußball in der Heimatstadt der fünf Weltmeister von 1954 um Fritz Walter? Nein! Es geht um Grundstücke, es geht um Bauprojekte, es geht um dreistellige Millionen-Investitionen.

Kein Zufall, dass der Luxemburger Investor Flavio Becca ausgerechnet am Montag bei Kaiserslauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) erschienen ist. Offenbar hat Becca Bedenken, dass die regionalen Investoren ihm das lange avisierte Geschäft noch wegschnappen. Der Baulöwe, dem sehr enge Verbindungen zu der "Sozialistischen Arbeiterpartei" in Luxemburg nachgesagt werden, hat schon seit Jahren ein Auge auf das rund 15 Hektar große Gelände rund um das Fritz-Walter-Stadion geworfen. Noch viel mehr interessiert ihn aber das ehemalige Gelände des Nähmaschinenherstellers Pfaff in Kaiserslautern. Dieses Gelände ist ein Filetstück, direkt neben der Technischen Universität Kaiserslautern.

Das Pikante an dem Becca-Besuch beim Oberbürgermeister: Der darf überhaupt nicht offiziell mit ihm verhandeln. Denn Klaus Weichel hat mit dem Schweizer Unternehmen "Arena Development", das seinen Sitz in Liechtenstein hat, eine Ausschließlichkeitserklärung unterschrieben, die den Schweizern den Erstzugriff auf das Gelände und das Fritz-Walter-Stadion sichert. Ob die Schweizer Investoren tatsächlich noch im Rennen sind, ist ungewiss.

Was wollen die regionalen Investoren?

Noch gibt es keine einzige offizielle Aussage dazu. Aber in Kaiserslautern ist es ein offenes Geheimnis, dass auch diese Gruppe das hochwertige Gelände der Stadt im Auge hat. Hans Sachs etwa hat in seiner Heimatstadt schon mehrere Großprojekte im Immobilienbereich realisiert. Und jetzt kommt die Politik ins Spiel: Die Investorengruppe um den FCK-Aufsichtsratsvorsitzenden und Kaiserslauterer CDU-Spitzenkandidaten Michael Littig steht offenbar seiner Partei näher. Ist also mitten im Kommunalwahlkampf ein Wettrennen von Investoren aus verschiedenen politischen Lagern ausgebrochen? Vieles spricht dafür.

Flavio Becca ist nach gemeinsamen Recherchen von Kicker und SWR in Luxemburg nicht mehr so gut im Geschäft wie früher. Offenbar gibt es bei den Koalitionspartnern der Luxemburger "Sozialistischen Arbeiterpartei" große Vorbehalte gegen ihn. Deshalb sucht der Immobilienmogul europaweit nach Projekten. Vorzugsweise solche, bei denen er Geschäftspartner, die in einer schwierigen Situation sind, unter Druck setzen kann, den Preis stark drücken kann. Dies trifft sowohl auf die Stadt als auch den FCK zu.

Becca will auch das Stadion kaufen, will aber nicht die von der Stadt ausgerufene Kaufsumme von rund 45 Millionen Euro zahlen, den Preis angeblich auf 20 Millionen Euro drücken. Eine Summe, die nach SWR Informationen auch der potenzielle Schweizer Investor aufgerufen hat. Das Problem beim Stadionverkauf: Der 1. FC Kaiserslautern hat noch auf Jahre hinaus ein Vorkaufsrecht. Das heißt konkret: Ohne Zustimmung des FCK ist der Deal nicht zu machen. Und jetzt schließt sich der Kreis. Nur deshalb soll offenbar in diesem Wirtschaftskrimi von verschiedenen Investoren auch noch Geld in den FCK gesteckt werden.

Der FCK als Schnäppchen?

Aber es gibt noch eine andere Variante: Eine Insolvenz des 1. FC Kaiserslautern würde die geplanten Immobiliengeschäfte rasant beschleunigen. Dann wären alle Verträge zwischen der städtischen Fritz-Walter-Stadion-GmbH und dem FCK sofort aufgehoben, das Stadion könnte sofort verkauft werden, die ganzen Immobiliengeschäfte könnten spontan gemacht werden. Und als Regionalligist wäre der Verein für alle Investoren dann tatsächlich ein Schnäppchen.

Die Frage in Kaiserslautern scheint nur noch zu sein: Welcher Investor hat den Mut, den FCK für seine Geschäfte zu opfern ?

AUTOR/IN
STAND