Martin Bader, Michael Klatt und Patrick Banf arbeiten an der Zukunft des 1.FC Kaiserslautern (Foto: Imago, Imago)

Fußball | 3. Liga FCK-Lizenz: Zocken um die Zukunft

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Sportlich hat der 1.FC Kaiserslautern den angestrebten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga verpasst - jetzt kämpft der Klub sogar um die Drittligalizenz.

Nach Informationen des SWR-Sportmagazins Flutlicht fehlen dem 1. FC Kaiserslautern noch mindestens fünf Millionen Euro, um die Bedingungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Erteilung einer neuen Drittliga-Lizenz zu erfüllen. Der kaufmännische Geschäftsführer des FCK, Michael Klatt, wollte auf Anfrage keine konkrete Summe nennen, dementierte aber, dass das Finanzloch so groß sei. Hinter den Kulissen wird im Verein fieberhaft gearbeitet. Mögliche Geldgeber und Investoren warten auf den richtigen Moment zum Einstieg. Das Zocken um die Zukunft ist bei den Roten Teufeln in vollem Gange.

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Problem: die Fananleihen  

Die Auflagen und Bedingungen des DFB sind happig: Noch sechs Wochen hat der FCK Zeit, einen Liquiditätsnachweis zu hinterlegen. Deadline: 28. Mai, 23 Uhr 59. Eine Fristverlängerung ist ausgeschlossen. Dem Verein fehlt - Stand heute – im Prinzip in etwa jene Summe, die er im August 2019 den Anlegern seiner "Betze-Anleihe" zurückzahlen muss. Und die Hoffnung, dass viele Anleger noch einmal um drei Jahre verlängern, hat sich bisher nicht im erwarteten Maße erfüllt. Von den angestrebten zwei Millionen Euro ist der Verein noch weit entfernt. Nur etwas mehr als eine Million Euro sind bisher zusammengekommen. "1,5 Millionen Euro werden aber noch zusätzlich durch den Umtausch alter Fananleihen generiert", sagte Michael Klatt gegenüber SWR Sport. Dadurch sinkt dann die Summe des Neukredits.

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Zwischenfinanzierung: noch nichts unterschrieben

Die Vereinsführung setzt bekanntlich auf eine sogenannte Zwischenfinanzierung. Heißt konkret, sie will weitere Schulden machen. Das Problem: Es ist noch nichts unterschrieben. Zur Begründung sagte Michael Klatt, dass man erst abwarten wolle, wie viel Geld durch die Fananleihe und regionale Investoren zusammenkommt, bevor man neue Kredite unterschreibe. Um bei einer ganz normalen Bank einen Millionen-Kredit aufzunehmen, fehlen dem 1. FC Kaiserslautern die Sicherheiten. Also müssen andere Wege beschritten werden, was über sogenannte Schuldscheindarlehen, auch bei Pensionsfonds, geschehen soll.

Eine weitere Möglichkeit sind regionale Investoren. Sechs Unternehmer aus der Region haben mittlerweile für rund 700.000 Euro Aktien und damit Anteile an der FCK-AG gekauft. Es sind die "üblichen Verdächtigen". Unternehmen, die schon seit Jahrzehnten traditionell mit dem Verein als Sponsoren verbunden sind. Die Hoffnung ist, dass andere nachziehen und noch weitere Aktienpakete für 100.000 Euro zeichnen. Ex-FCK-Aufsichtsratschef Dieter Buchholz, der zu diesen regionalen Investoren gehört, hat gegenüber dem SWR angekündigt, dass er und vier weitere Unternehmer eventuell bereit seien, ihr Engagement um eine weitere Million Euro aufzustocken.

Großinvestor? Mit Becca wird verhandelt

Große Hoffnung gibt es beim 1. FC Kaiserslautern, dass die Verhandlungen mit dem Luxemburger Geschäftsmann Flavio Becca zu einem positiven Ergebnis führen. Becca, ein Immobilienfachmann, geht es nicht nur um den FCK. Er hat auch Interesse am Stadion, insbesondere aber an den Grundstücken drumherum sowie an den städtebaulichen "Filetstücken" auf dem ehemaligen Pfaff-Gelände in Kaiserslautern. Sein erster Ansprechpartner ist also zunächst Oberbürgermeister Klaus Weichel. Und Becca ist nicht bereit, den fiktiv von der FCK-Führung festgelegten Vereinswert von 120 Millionen Euro zu akzeptieren. Nach SWR-Informationen will er - Stand heute - nur mit einer sehr niedrigen einstelligen Millionensumme beim FCK einsteigen. Geschäftsführer Michael Klatt dagegen sagt, es werde mit Becca um eine "größere Millionensumme" verhandelt. Auch sei der Luxemburger nicht der einzige potenzielle Ankerinvestor, mit dem Gespräche geführt würden.

Frist bis zum 28. Mai - die Zeit drängt!

Die Zeit wird knapp und der Druck auf die Verantwortlichen des FCK wächst. Und es hat den Anschein, als werde um die Zukunft des Traditionsklubs mittlerweile ziemlich brutal gezockt. Mögliche Investoren wollen FCK-Anteile natürlich möglichst günstig kaufen, warten ab, ob die Vereinsführung den Wert von 120 Millionen Euro doch noch senkt. Auf der anderen Seite stehen die FCK-Geldgeber, auf die der Druck auch steigen wird. Etwa Quattrex Sports, ein Stuttgarter Unternehmen, das dem FCK ja schon einen Acht-Millionen-Kredit gewährt hat. Hinzu kommen noch einige Großanleger der alten Fananleihe. Weder diese Anleger noch Quattrex wollen ihr Geld verlieren. Sollte es ganz eng werden, dann ist vorstellbar, dass Quattrex dann noch weitere Millionen besorgt und die Großanleger ihre Fananleihe doch nochmal verlängern, um eine Insolvenz des FCK zu verhindern und damit ihr Geld vorerst zu retten. Es wird eine Nervenschlacht werden, es droht ein Krimi bis zur letzten Sekunde. Der Vorteil: Letztendlich gibt es zu viele Geldgeber, die ein Interesse daran haben, dass der FCK überlebt.

Kaderplanung: Stillstand

Das Problem: Solange die Lizenz nicht völlig gesichert ist, herrscht in der Kaderplanung bei Neuverpflichtungen Stillstand. Der Vorteil, schon früh gewusst zu haben, dass es mit der Rückkehr in die 2. Liga nicht klappt, ist wirkungslos verpufft. Und: Der Geschäftsführer Sport, Martin Bader, kann die höher dotierten auslaufenden Verträge kaum verlängern. Was bei einigen Akteuren aber das geringere Problem ist. Denn bei Mads Albaek stimmt das Preis-
Leistungs-Verhältnis nicht, Jan Löhmannsröben hat die Erwartungen nicht erfüllt, genauso wie Florian Dick, dem aus gesundheitlichen Gründen das Karriereende droht.

Lizenz! Und dann?

Sollte der FCK tatsächlich seine Lizenz bekommen, wird ihm das alleine auf Dauer nicht weiterhelfen. Der Verein bräuchte dringend noch weitere Millionen, um die Mannschaft gezielt zu verstärken und um nächste Saison sicher aufzusteigen. Denn der Schuldenberg wächst weiter und ohne Aufstieg könnte die Situation im nächsten Jahr noch bedrohlicher werden.

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