Willi Orban (Foto: Imago, Eibner)

Fußball | Personalie Willi Orban steht vor dem Debüt für Ungarns Nationalelf

Willi Orban kommt aus Kaiserslautern. Obwohl in der Pfalz geboren, wird der Abwehrspieler von RB Leipzig nun erstmals für Ungarn auflaufen. Eine Nationalmannschaftskarriere auf Umwegen.

Willi Orban träumte vergeblich von der deutschen Nationalmannschaft. Immerhin ist er Kapitän von Erstligist RB Leipzig - und dennoch steht er jetzt erst vor seinem ersten Länderspiel für Ungarn, in der neugeschaffenen Nations League.

"Ein schönes Abenteuer für mich"

"Es wird ein schönes Abenteuer für mich", sagt Orban. Im Fokus des ungarischen Verbandes steht der kantige Innenverteidiger schon länger. Seine Stärken im Stellungsspiel, Zweikampfverhalten und Spielaufbau sind gefragt - in Budapest wie in Leipzig.

Der Anruf von Löw kam nicht

Joachim Löw war dagegen nie ausreichend überzeugt. Auf einen Anruf des Bundestrainers hoffte der gebürtige Lauterer Orban vergeblich. "Die deutsche Nationalelf wäre sicher meine erste Option", hatte er noch im Vorjahr gesagt. Zwei Länderspiele bestritt Orban für die deutsche U-21-Auswahl. Ein A-Länderspiel wird nicht hinzukommen. Orban hat genug gewartet. Der Sohn eines Ungarn und einer Polin beschloss, stattdessen für das Land seines Vaters aufzulaufen.

Orban hat lange überlegt

"Es war keine einfache Entscheidung. Ich habe lange dafür gebraucht", sagte Orban auf einer Pressekonferenz des ungarischen Verbandes zu seiner jetzigen Wahl. Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung war auch Kollege Peter Gulacsi. Wie Orban zählt der ungarische Torhüter bei RB Leipzig zu den Führungsspielern und Leistungsträgern. Diese Eingespieltheit soll nun auch dem zweimaligen WM-Finalisten zugute kommen, zunächst gegen Griechenland, dann drei Tage später in Estland.

"Ich habe einige wichtige internationale Spiele hinter mir. Diese Erfahrung hoffe ich einbringen zu können, ich bin bereit. Für die Nationalmannschaft zu spielen, ist etwas anderes als im Verein. Es ist sehr emotional, ich bin sehr motiviert", so Orban. Bleibt das Problem der Sprachbarriere. Sein Ungarisch sei "nicht perfekt. Ich habe als Kind ganz gut gesprochen, habe aber einiges verlernt", gestand Orban. Allzu schwer dürfte ihm die Akklimatisierung letztlich nicht fallen. Wegen Gulacsi. Und Nationaltrainer Marco Rossi. "Das Gute ist, dass wir einen italienischen Trainer haben und die Ansprachen auf Englisch sind", so Orban.

Kaiserslauterer Schule

Orban begann 1997 mit gerade mal fünf Jahren beim 1.FC Kaiserslautern mit dem Fußball spielen. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften des FCK. Zur Saison 2011/2012 erhielt er bei den Roten Teufeln dann seinen Lizenzspielervertrag bei den Profis.

Am vierten Spieltag gegen den FC Bayern München gab er sein Bundesligadebüt. Ab 2015 war Willi Orban sogar Mannschaftskapitän der Pfälzer. Nach 68 Spielen wechselte er mit 23 Jahren zum damaligen Zweitligisten RB Leipzig. Sein Abgang 2015 sorgte bei den FCK-Anhängern damals für Entsetzen.

Plötzlich Feindbild

Orban wurde innerhalb kürzester Zeit vom hoffnungsvollen Nachwuchsspieler und Publikumsliebling zum Feindbild der Fans. Zum einen weil er den kriselnden Heimatklub als Kapitän verließ, zum anderen weil er zum wenig geliebten „Dosenklub“ wechselte, der damals noch in der 2.Liga kickte. Statt dem FCK zu helfen, warfen die Fans ihm Raffgier vor. Willi Orban wurde in Kaiserslautern zum Sinnbild des "geldgeilen" Fusßballprofis.

Rückblickend war der Wechsel sicherlich die absolut richtige Entscheidung. Denn ob Willi Orban beim mittlerweile Drittligisten zum ungarischen Nationalspieler geworden wäre, erscheint mehr als fraglich.

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