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Erst positiv, dann mehrfach negativ. So erging es in der vergangenen Woche gleich fünf Spielern und einem Betreuer des 1. FC Heidenheim. Wie konnte es zu diesen Testergebnissen kommen?

"Leicht-positiv" - dieses Testergebnis erhielt Heidenheims Profi Maximilian Thiel am vergangenen Mittwoch. Eine erneute PCR-Testung am Donnerstag brachte ein negatives Ergebnis, während vier seiner Mitspieler bei diesem Testdurchlauf plötzlich "positiv" waren. Die Heidenheimer entschlossen sich daraufhin, die Mannschaft am Freitag abermals zu testen, jetzt allerdings am Heidenheimer Klinikum. Die Ergebnisse dieser PCR-Testungen waren allesamt negativ, wie auch der erneute Testdurchgang am Samstag. Der FCH konnte somit am Sonntag mit allen Akteuren gegen Osnabrück antreten. Allerdings waren Trainingsablauf und die Vorbereitung auf das Spiel beeinträchtigt. Der Verein prüft daher rechtliche Schritte gegen das Labor, wie der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald erklärte.

Bei den Würzburger Kickers, Türkgücü München oder auch den Basketballern aus Bonn hatte es am Wochenende ähnliche Fälle gegeben. Einem positiven Corona-Test waren mehrere negative gefolgt. Besonders bitter traf es die Münchner - das Drittliga-Spiel in Zwickau wurde abgesagt.

Dr. Hendrik Borucki: "Schnellschlüsse sind leicht, aber nicht gut"

Doch wie konnte es zu diesen unterschiedlichen Befunden kommen? "Ursachen dafür kann es viele geben", sagt Dr. Hendrik Borucki, Sprecher des Labors Bioscientia, dessen Zentrale in Ingelheim liegt, zu SWR Sport. Mögliche Fehlerquellen könnten im Labor, beim Abstrich oder beim Transport liegen. Wo in Heidenheim der Fehler lag, ist weiter unklar.

Auch Bioscientia wertet Corona-Tests aus, bei ihnen sei es bislang nicht zu solchen Fällen gekommen. Firmensprecher Borucki warnt vor voreiligen Verurteilungen: "Schnellschlüsse sind besonders leicht, aber nicht gut". Dass von Seiten der Vereine von möglichen "rechtlichen Konsequenzen" gesprochen wird, sieht er sehr kritisch. Als die Saison wieder gestartet wurde, sei die Partnerschaft zwischen den Laboren und den Vereinen sehr gut gewesen. "Inzwischen hat der Druck auf die Testlabore durch die Entwicklung der Pandemie stark zugenommen." Borucki wünscht sich, "dass es beim Fairplay bleibt und man sich nicht bedroht."

"Falsch-positive" Testergebnisse

In den letzten Tagen war im Netz vermehrt die Rede von "falsch-positiven" PCR-Tests. Diese seien laut Borucki zwar möglich, aber sehr selten. Die Fehlerwahrscheinlichkeit liege weit unter einem Prozent. Bei Berufssportlern steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven Tests, da sie öfter getestet werden als die durchschnittliche Bevölkerung. Trotzdem bleibt es extrem unwahrscheinlich. Doch weshalb kam es am Wochenende im Profisport in so großer Zahl zu diesen falschen Ergebnissen?

Es sei definitiv nicht gesagt, dass die Testergebnisse alle falsch-positiv seien, spekulieren will Dr. Hendrik Borucki jedoch nicht. Für konkrete Erklärungen sei bisher noch zu wenig bekannt. Er begrüßt die Bestrebungen der Deutschen Fußball Liga (DFL), der Ursache auf den Grund zu gehen. Er sei optimistisch, dass die Fälle so "aufgearbeitet und wahrscheinlich bald fast komplett aufgeklärt werden können."

PCR-Test und Antigen-Schnelltest

Sowohl die Polymerase-Kettenreaktion (kurz: PCR) als auch Antigentests werden eingesetzt, um eine akute Infektion mit COVID-19 nachzuweisen. Doch wo liegen die Unterschiede?

Der PCR-Test ist sehr zeitintensiv. Es kann einige Tage dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Dafür ist er aber sehr zuverlässig. Bei dem Testverfahren wird das genetische Material der Probe im Labor in mehreren Zyklen vermehrt und auf verschiedene Gene untersucht, die typisch für den Erreger sind. Je mehr verschiedene Gene untersucht werden, desto genauer ist das Testergebnis. Da das genetische Material vervielfältigt wird, reichen auch geringere Ausgangsmengen aus, um am Ende zu einem zuverlässigen Ergebnis zu kommen.

Der Antigentest liefert hingegen bereits nach rund 20 Minuten ein Ergebnis. Hier findet allerdings keine Vervielfältigung statt. Die Virenlast in der Probe muss also relativ hoch sein, damit sie überhaupt nachgewiesen werden kann.

"Leicht-positiv" - infiziert oder nicht?

In verschiedenen Laboren werden unterschiedliche PCR-Tests durchgeführt, die sich in der Anzahl der Zyklen und der untersuchten Gene unterscheiden. Immer wieder taucht hierbei das Ergebnis „leicht positiv“ auf. Doch was bedeutet das? Dazu ein Beispiel: Angenommen, zwei Proben würden anhand zweier Gene auf SARS-CoV-2 untersucht werden. In der ersten Probe werden nach zwölf Vervielfältigungs-Zyklen beide Gene nachgewiesen. Fazit: Eindeutig positiv. In der zweiten Probe benötigt es hingegen 36 Zyklen, bis eines der Gene nachgewiesen werden kann, das andere nicht. Diese Probe würde nun als „leicht-positiv“ bezeichnet werden.

In diesem Fall stellt sich die Frage, weshalb die Virenlast in der Probe derart gering ist. Mögliche Erklärungen wären, dass sich der Betroffene erst vor Kurzem mit dem Virus infiziert hat und dieser deshalb noch nicht nachgewiesen werden kann. Möglich wäre es auch, dass der Abstrich nicht ganz fachgerecht war oder der Patient die Krankheit schon fast überstanden hat. In beiden Fällen wäre die Virenlast relativ gering und auch erst nachweisbar, wenn eine bestimmte Anzahl an Vervielfältigungszyklen erreicht ist. In seltenen Fällen könnte der Patient zudem an einem anderen Corona-Virus erkrankt sein. Bei einem „leicht-positiven“ Testergebnis können im Zweifel weitere Tests für Aufschluss sorgen.  

So auch in Heidenheim. Doch warum die Ergebnisse zuerst positiv und dann mehrfach negativ waren, bleibt weiter ein Rätsel. Vielleicht kann die Taskforce der DFL Licht ins Test-Chaos bringen.

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