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Seit fast 13 Jahren ist Frank Schmidt Trainer beim 1. FC Heidenheim. Dass der FCH nun von der Bundesliga träumen darf, hat besondere Gründe - das liegt nicht nur am charismatischen Trainer.

"Beim 1. FC Heidenheim hat die heutige Finanzchefin früher noch die Brötchen geschmiert." Wenn Sportreporter, die den 1. FC Heidenheim schon lange Jahre begleiten, erzählen, geht dem Fußballromantiker das Herz auf. Der Ausflug nach Heidenheim hat etwas von Urlaub. Die Schwäbische Alb strahlt mit den kleinen Dörfern, grünen Wiesen und Hügeln Ruhe aus.

Und der 1. FC Heidenheim ist für viele ein Verein, den sie erst mal googeln müssen. Heidenheim an der Brenz liegt im Osten Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern. Das Albstadion, die Heimstätte des Vereins mit 15.000 Plätzen, steht auf dem Schlossberg - auf 555 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit das höchstgelegene Stadion im deutschen Profifußball. Der FCH ist ein Verein mit familiärem Charakter, hier kann sich jeder auf jeden verlassen. Ob Mannschaft, Geschäftsstelle, Platzwartteam, Reinigungskräfte oder Catering - in Heidenheim geben alle 100 Prozent.

Frank Schmidt, der Heidenheimer Erfolgstrainer seit 13 Jahren

Mindestens 100 Prozent gibt auch der Trainer: Frank Schmidt rennt an der Seitenlinie hin und her, brüllt den Spielern Anweisungen zu und ist immer am Gestikulieren. Fußball und der 1. FC Heidenheim sind dem 46-Jährigen quasi in die Wiege gelegt worden: Nur ein paar Bäume und Häuser liegen zwischen dem Albstadion und dem Krankenhaus, in dem Frank Schmidt im Januar 1974 geboren wurde.

Als junger Kicker machte Schmidt unter anderen Station beim 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth und dem Wiener SC. Bis er dann 1998 zu Alemannia Aachen kam. Eine Zeit, die ihn nicht nur durch den Aufstieg in die zweite Liga sehr prägte. Mit 24 heiratete er seine Jugendliebe, und bekam zwei Töchter. Nach insgesamt 76 Zweitligaeinsätzen für Alemannia Aachen und den SV Waldhof Mannheim wollte Schmidt seine Karriere eigentlich im Amateurbereich beim damals noch Heidenheimer SB ausklingen lassen und endlich freitags den Rasen für seine Frau mähen. Doch dann kam alles anders.

Frank Schmidt beim Fototermin von Alemannia Aachen im Juli 2002 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/ Roland Weihrauch; )
Frank Schmidt beim Fototermin von Alemannia Aachen im Juli 2002 dpa/ Roland Weihrauch;

Von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga, und noch mehr?

Wenige Wochen nach Saisonstart hatte sich der Verein vom damaligen Trainer Dieter Märkle getrennt - und dann stand im September 2007 plötzlich Frank Schmidt als Interimscoach an der Seitenlinie der Heidenheimer. Der erste Gegner: der 1. FC Normannia Gmünd mit damaligem Trainer Alexander Zorniger. "Ich war tierisch nervös", erzählt Frank Schmidt im SWR Sport Fußballpocast Steil!.

"Ich bin am Anfang Trainer geworden und wollte es ja eigentlich gar nicht so. Damals hat Holger (Sanwald, Anm. d. Red.) gesagt, 'so, mach das mal für zwei Spiele'". Aus zwei Spielen sind fast 13 Jahre geworden. Und es soll noch weiter gehen. "Frank bekommt von mir auch einen Vertrag auf Lebenszeit. Den kann er dann selbst kündigen", erzählt Klubchef Holger Sanwald bei SWR Sport.

Unter Schmidt ging es für den 1. FC Heidenheim stets nach oben. Aufstiege in die Regionalliga, dann in die dritte Liga bis hin zur 2. Bundesliga. Und jetzt bald Bundesliga? Wird Frank Schmidt darauf angesprochen, ist ein Funkeln in seinen Augen zu erkennen. Der 1. FC Heidenheim hat vor dem Saisonfinale (Sonntag, 15:30 Uhr) bei Spitzenreiter Arminia Bielefeld als Tabellendritter der 2. Bundesliga gute Chancen auf die Relegation gegen Fortuna Düsseldorf oder Werder Bremen. Der FCH liegt mit 55 Punkten einen Zähler vor dem Tabellenvierten Hamburger SV, der Sandhausen empfängt. Der FCH hat den Relegationsplatz also nur mit einem Sieg gegen die Arminia definitiv sicher.

Frank Schmidt zu Angeboten anderer Vereine: "Ich hau nicht einfach so ab"

Der Erfolg von Frank Schmidt blieb in der Fußballwelt natürlich nicht unbeobachtet. Seine Trainerausbildung beendete er im Jahr 2011. Unter den Absolventen waren auch Markus Gisdol, Thomas Schneider, Michael Wiesinger, Roger Schmidt und Schmidts Freund, der jetzige Sportdirektor des VfB Stuttgart, Sven Mislintat.

"Natürlich kamen in den letzten Jahren Angebote von anderen Vereinen. Aber wer mich kennt, der weiß, ich haue nicht einfach so ab, auch nicht für den schnellen Karrieresprung", so Schmidt. Sein Vertrag läuft noch bis 2023, was danach kommt "weiß ich nicht."

Bei Freund und Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald hört sich das jedoch ganz anders an: "Er ist der beste Trainer, den wir uns vorstellen können für diesen Verein. Und da wird sich auch nie was ändern." Und fügt hinzu: "Hoffentlich geht er hier irgendwann in die Rente und wird möglichst alt, dass wir den Weg so lange wie möglich gemeinsam gehen können."

Was ist das Erfolgsrezept in Heidenheim?

Wer nach dem Erfolgsrezept in Heidenheim fragt, bekommt fast immer dieselbe Antwort: Das Miteinander. "Das ist ja keine One-Man-Show. Natürlich bin ich der Entscheider, aber ich möchte Verantwortung auch übergeben an die Spieler. Deswegen beziehe ich sie mit ein und lasse sie mitarbeiten."

Verändert habe er sich in der Zeit im Profifußball nur ein bisschen. "Es ist ja alles viel größer geworden, man kann jetzt nicht jedem Fan Rede und Antwort stehen. Das geht nicht. Da ist dieser schmale Grat, dass man als arrogant gilt, natürlich sehr schmal". Und fügt hinzu: "Ich glaube es geht mit einer Authentizität, sich weiter zu entwickeln aber auch mit einer klaren Ansprache im Profifußball, Erfolg zu haben. Das ist mein Weg, aber verändern möchte ich mich wegen dem Profifußball nicht."

Frank Schmidt ist mit Abstand der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball. Zum Ende seines Vertrags im Jahr 2023 ist er 49 Jahre alt - das beste Traineralter. "Ich bin jeden Tag gern hierher gefahren und habe noch keinen Tag gehabt, wo ich gesagt habe, heute habe ich keine Lust. Ich hoffe meinen Spielern geht es auch noch lange so."

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