STAND
AUTOR/IN

Das Überraschungsteam der 2. Bundesliga, das in der vergangenen Saison nur knapp am Aufstieg scheiterte, gibt es nicht mehr. Zahlreiche Stammspieler haben den 1.FC Heidenheim verlassen. Wie geht es jetzt weiter?

Die Liste der Spieler, die künftig nicht mehr das rot-weiße Heidenheimer Trikot tragen, wird immer länger, fast schon beängstigend lang: Mittelfeld-Motor Sebastian Griesbeck wechselt zu Union Berlin, Innenverteidiger Timo Beermann zum VfL Osnabrück, Spielmacher Niklas Dorsch spielt nächste Saison ebenso wie Torjäger Tim Kleindienst (14 Treffer) beim belgischen Vizemeister Gent. Vier Leistungsträger, die den Verein aus dem Brenztal verlassen haben.
Das tut den Heidenheimer Fußball-Fans in der Seele weh. Und manch einer stellt sich die Frage: Ist das der Ausverkauf? "Als Ausverkauf würde ich es nicht bezeichnen", entgegnet Heidenheims Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald im SWR-Interview den bangen Vorahnungen, "denn das würde ja bedeuten, wir hätten keine gute Mannschaft für nächstes Jahr".

Sanwald: "War klar, dass Angebote für die tollen Spieler kommen"

Dass die Heidenheimer in diesem Sommer vor einer schwierigen Transfer-Phase stehen werden, das war Sanwald "schon eine Minute nach dem Abpfiff gegen Bremen klar". Der Überraschungs-Dritte der 2. Bundesliga hatte "auf sich aufmerksam gemacht und gezeigt, dass wir tolle Spieler und eine tolle Mannschaft haben", so Sanwald. Das entgehe auch anderen Vereinen nicht, "und auch, dass wir nicht der größte und finanzstärkste Klub sind", sagt Holger Sanwald gegenüber dem SWR, "und dass dann die Angebote kommen, bei denen die Jungs nur schwer nein sagen und dem nicht widerstehen können, das muss man verstehen und gehört zum Profigeschäft dazu. Ich bin da keinem böse".

Schon letzten Sommer gab es Aderlass beim 1.FC Heidenheim

Dazu muss man wissen, dass schon vor der letzten Saison eine ganze Reihe Top-Spieler den FCH verlassen hatten: Robert Andrich zu Union Berlin, Robert Glatzel nach Cardiff, Nikola Dovedan nach Nürnberg. Talentierte Spieler gingen, weil sie den nächsten Schritt gehen wollten, sportlich und finanziell, Millionen-Erlöse kamen: So ist auch in Heidenheim das Geschäftsmodell auf dem Transfermarkt, das bestens funktioniert. "Für uns ist das auch Teil unseres Konzeptes", bestätigt der Heidenheimer Vorstandsvorsitzende: "Wir suchen junge, hungrige und entwicklungsfähige Spieler, die dann den Sprung schaffen und sich weiterentwickeln können. Und wir versuchen möglichst hohe Einnahmen zu generieren, um wieder neue junge Spieler zu holen".

Millionen-Einnahmen für Dorsch und Kleindienst

Und auch in diesem Sommer spülen die Abgänge wieder Millionen in die - im Vergleich zur namhaften Konkurrenz - schmale Heidenheimer Kasse. Während Griesbeck und Beermann wegen der ausgelaufenen Verträge ablösefrei wechseln, werden die Ablösen für Dorsch und Kleindienst auf jeweils rund drei Millionen Euro geschätzt. Geld, das der FCH gerade auch in der Corona-Krise gut gebrauchen kann.

Kleindienst ersetzte Glatzel als Torjäger bestens

Und schließlich hat die vergangene Saison, die beste in der Heidenheimer Historie, gezeigt: Sportlich muss der Weggang wichtiger Spieler im Endeffekt nicht immer ein Nachteil sein. Dann füllen eben andere Spieler die Lücken und schießen sich in den Vordergrund. Wie beispielsweise Tim Kleindienst, der nach seiner Rückkehr aus Freiburg den Glatzel-Weggang perfekt kompensierte und letztlich sogar mehr Tore erzielte als sein erfolgreicher Vorgänger auf der Mittelstürmerposition.

Sanwald blickt optimistisch nach vorne

Und so geht auch im Sommer 2020 der Heidenheimer Blick nach vorne: Es werden auch zahlreiche gute und sehr gute Spieler beim 1. FCH bleiben und mit den 'Neuen' ein ordentliches Gerüst bilden. Die Erwartungshaltung aber dürfe nicht zu hoch sein, warnt Vorstands-Boss Sanwald, "denn das ist schon eine Art Neuaufbau. Aber ich bin optimistisch, dass wir wieder eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekommen". Und so brauche in Heidenheim trotz der namhaften Abgänge "niemandem bange zu sein, dass jetzt alles zerfällt. Das wäre eine Hysterie, die wir nicht brauchen und nicht notwendig ist", so Holger Sanwald.

Schließlich gibt es beim 1. FCH seit 13 Jahren einen Baumeister, der alles Kommen und Gehen wieder ins Lot bring. Er heißt Frank Schmidt und ist Cheftrainer.

STAND
AUTOR/IN