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Als Frank Schmidt 2007 Trainer beim 1.FC Heidenheim wurde, spielte der Hamburger SV noch im Europapokal. Schmidt ist immer noch da, der HSV hat seitdem über 15 Trainer verschlissen. Und Heidenheim steht in der Tabelle vor Hamburg.

Neulich hat Holger Sanwald seinem Trainer Frank Schmidt mal wieder einen Vertrag auf Lebenszeit angeboten. "Der kann sich in Heidenheim nur selbst entlassen", sagte der Klubchef im SWR Fußball-Podcast "Steil!". Frank Schmidt, der Dauerbrenner in Heidenheim. Geboren, na klar, in Heidenheim, ein paar hundert Meter vom Stadion entfernt. Seit fast 13 Jahren ist er dort Trainer, nachdem er davor in seiner Heimatstadt die Spielerkarriere beendet hatte. "Es gibt einen Grund, warum der Frank so lange Trainer bei uns ist", schiebt Sanwald hinter: "Weil er immer Erfolg produziert hat!". Und so Heidenheim von der Verbandsliga als Mannschaftskapitän und ab der Oberliga als Cheftrainer, in die 2. Bundesliga geführt hat.

Ein großes, regionales Gemeinschaftsprojekt

Mit Weitblick ist Holger Sanwald von Anfang an dabei gewesen. "Wir haben uns nicht nur auf Heidenheim konzentriert, sondern auf die Region." Dabei profitiert Heidenheim auch davon, dass die früheren Erfolgsklubs der Region, SSV Ulm und VfR Aalen, nur noch in unteren Ligen kämpfen. Die Finanzkraft der Region ist geblieben. Wirtschaftsstarke und regionale Sponsoren investieren in Heidenheim: zwei großen Unternehmen, dazu ein Pool von 500 weiteren Unterstützern, mittelständische Betriebe sind genauso dabei wie Privatpersonen aus der Umgebung. Im Interview mit SWR Sport unterstreicht der Klubchef die Grundlagen für den Erfolg: "Es geht nur gemeinsam! Heidenheim alleine wäre vermutlich zu klein, aber die ganze Region gibt das her!"

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Bundesliga? "Alles machbar, aber erstmal Bielefeld!"

Inzwischen gehört Heidenheim mit einem Etat von rund 35 Millionen Euro zum vorderen Mittelfeld der 2. Bundesliga. 14,5 Millionen Euro erhält der Verein von den TV-Einnahmen. Das würde sich in der Bundesliga deutlich steigern. Alles weitere, wie beispielsweise höhere Ausgaben für Transfers, ist vor dem schweren und wichtigen Spiel in Bielfeld noch nicht Sanwalds Thema. "Das ist alles machbar und lösbar. Das Wichtige ist jetzt aber erst das Sportliche. Und das müssen wir erstmal abwarten." So haben sie es in Heidenheim bei allen Aufstiegen gemacht. Und immer erfolgreich geschafft.

Kein Bundesliga-Stadion, aber bereit!

Der Fußball- Ausflug nach Heidenheim hat etwas von Urlaub. Die Schwäbische Alb – Sektion Ostalb – strahlt mit den grünen Wiesen, ihren Hügeln und kleinen Dörfern Ruhe aus. Eine Region mit großem Freizeitwert. Das Heidenheimer Stadion ist mit 555 Metern über dem Meeresspiegel das höchstgelegenste Stadion im deutschen Profifußball. 15.000 Zuschauer passen aktuell rein. "Das ist schon für die 2. Liga oftmals zu klein", sagt Sanwald. Auch das zeigt die Stellung, die sich Heidenheim in der Region inzwischen erarbeitet hat. Schon vor dem aktuellen sportlichen Höhenflug sind deswegen Umbaupläne konkret in Angriff genommen worden. Ein Grund dafür, dass die DFL Heidenheim auch mit noch kleinem Stadion und ohne die erforderliche Anzahl an Sitzplätzen die Bundesliga-Lizenz erteilt hat. Jetzt müssen die Ausbaupläne mit aller Ernsthaftigkeit verfolgt werden. Der Gemeinderat muss im Herbst den Antrag zur Bebauungsplanänderung noch genehmigen. Unter anderem muss die Infrastruktur rund ums Stadion verändert werden. Aus Eigeninteresse und ligaunabhängig läuft das Ausbau-Projekt.

"Wir haben unsere Nische gefunden!"

Sanwald selbst steckt seit inzwischen 26 Jahren sein Herzblut in den Verein. Das Heidenheimer Miteinander begeistert auch die Beobachter. Markus Babbel, Europameister von 1996 und selbst Trainer, hat mal ein paar Fortbildungsstunden auf der Ostalb absolviert. Ein Satz von Klubchef Sanwald ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: "Bevor ich den Frank entlasse, entlasse ich 10 Spieler." Genau damit ist Heidenheim dort hingekommen, wo es ist. "Wir haben unsere Nische gefunden." Mit Zusammenhalt, mit Kontinuität und dem Glauben, dass wenn man zusammenhält, einen nicht so schnell etwas auseinander dividiert. Als es mal nicht so gut lief, blieb Schmidt. Wenn Heidenheim Platz drei nicht verteidigen kann, wird Frank Schmidt auch bleiben. Natürlich. "Hoffentlich geht er hier mal in Rente", hat Holger Sanwald schon mehrfach gesagt. "Damit wir den Weg möglichst lange gemeinsam gehen können!". Ligaunabhängig. Immer ambitioniert. Und dabei noch sympathisch.

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