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Hinter dem 1. FC Heidenheim liegt eine aufregende Saison. Auf den verpassten Aufstieg folgt der große Umbruch. Viele Leistungsträger haben den Verein verlassen, junge talentierte Spieler kamen neu dazu.

So lief die vergangene Saison

Die Heidenheimer starteten mäßig in die vergangene Saison. Heimniederlagen gegen den SV Sandhausen (0:2) und den VfL Bochum (2:3) schmerzten zu Beginn der Runde besonders. Dennoch war Heidenheim nach der Hinrunde mit dem vierten Tabellenplatz in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen.

In der Rückrunde zunächst dasselbe Bild: Beim Derby in Stuttgart gab es eine herbe 0:3-Packung gegen den VfB. Heidenheim steigerte sich, gewann unter anderem in Sandhausen und reservierte auch nach der Corona-Zwangspause Platz vier stets für sich. Dies änderte sich erst am 33. Spieltag, als die Schmidt-Elf den Hamburger SV zum Entscheidungsspiel zu Gast hatte. In der dramatischen Schlussphase gelang dem 1. FCH spät der Ausgleich, ehe Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer mit seinem Flachschuss in der 95. Minute zum Helden avancierte und die Tür zur Bundesliga vorerst öffnete.

Richtig dramatisch wurde es dann in der Relegation: Das torlose Hinspiel im Bremer Weserstadion überstanden die Heidenheimer schadlos. Die Zukunft des Vereins entschied sich erst in der heimischen Arena: Zwei Spiele, zweimal Unentschieden. Der Heidenheimer Toptorschütze Tim Kleindienst (14 Treffer) traf zwar doppelt, doch Bremen setzte sich dank der Auswärtstorregel beim 2:2 knapp durch. Der Heidenheimer Bundesliga-Traum war geplatzt.

Wer kommt, wer geht?

Abgänge:

Die erfolgreiche Doppelsechs um Niklas Dorsch und Sebastian Griesbeck gehört der Vergangenheit an. Auch Toptorjäger Tim Kleindienst spielt nicht mehr auf der Alb. Während Griesbeck ablösefrei in die 1. Bundesliga zum 1. FC Union Berlin wechselte, zog es Niklas Dorsch und Kleindienst für jeweils 3,5 Millionen Euro nach Belgien zum dortigen Spitzenklub KAA Gent. Hinzu kam der Abgang von Linksverteidiger Arne Feick, der sich den Würzburger Kickers anschloss. Der 33-jährige Robert Strauß beendete seine Karriere. Für Timo Beermann und Maurice Multhaup ging es zum Liga-Konkurrenten VfL Osnabrück. Andrew Owusu und Jonas Brändle zog es zur SG Sonnenhof Großaspach. Owusu wechselte fest nach Großaspach, Brändle wurde zunächst nur ausgeliehen.

Zugänge:

Für 500.000 Euro wechselte der 22-jährige Dzenis Burnic nach Heidenheim. Der Mittelfeldstratege kam aus Dortmund und soll die Abgänge von Niklas Dorsch und Sebastian Griesbeck kompensieren. Bei dieser schwierigen Aufgabe wird er von dem etwas erfahreneren Andreas Geipl unterstützt. Er kam ablösefrei vom Liga-Rivalen SSV Jahn Regensburg. Auch Jan Schöpper soll das zentrale Mittelfeld verstärken. Der 21-Jährige wechselte ebenfalls ablösefrei von Drittliga-Aufsteiger SC Verl auf die Ostalb. Ablösefrei konnte der 1. FCH auch den 21-jährigen Marvin Rittmüller verpflichten. Der Rechtsverteidiger kam vom Regionalligisten 1. FC Köln II.

Für die Offensive wurden Florian Pick und Christian Kühlwetter vom Drittligisten 1. FC Kaiserslautern verpflichtet. Sie zählten dort in der vergangenen Saison zu den Leistungsträgern und sollen nun eine Liga höher den Abgang von Tim Kleindienst vergessen machen. Unterstützung erhalten sie dabei auch von Offensiv-Talent David Otto. Er wurde erneut für eine Saison von der TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen.

Der Kader wird komplettiert von den Leih-Rückkehrern Patrick Schmidt (Dynamo Dresden), Merveille Biankadi (Eintracht Braunschweig) und Oliver Steurer (Preußen Münster), sowie den Nachwuchsakteuren Gianni Mollo, Melvin Ramusovic und Julian Stark.

Der Trainer

Frank Schmidt und Heidenheim: Das passt einfach. Der Trainer genießt seit Jahren das Vertrauen im Verein. Gleichzeitig fühlt sich der Coach, der noch Vertrag bis 2023 hat, pudelwohl. Seit 2007 steht der Giengener an der Seitenlinie beim 1. FCH und geht damit in seine 14. Saison in Serie. Neben dem Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald gilt Schmidt als einer der Heidenheimer Erfolgsväter. So wird Schmidts Expertise in dieser Saison mehr denn je gefragt sein. Viele Leistungsträger haben den Verein verlassen. Aus den jungen, hungrigen und talentierten Spielern muss Frank Schmidt jetzt die neuen Leistungsträger formen.

Erwartungen an die Saison

Trotz der grandiosen Saison setzt man sich in Heidenheim keine utopischen Ziele: "Wenn wir das nächste Jahr wirtschaftlich gesund überstehen und Zehnter sind, dann bin ich glücklich. Wirklich", sagte der Vorstandstandsvorsitzende Holger Sanwald der Heidenheimer Zeitung. Trainer Frank Schmidt geht hierbei in eine ähnliche Richtung: Ziel für die neue Spielzeit sei der komfortable Klassenerhalt. Vieles wird davon abhängen, wie schnell sich die Neuzugänge im Team einfinden. Die Vorbereitung mit vier Siegen aus fünf Spielen macht allerdings Hoffnung, dass der Umbruch auch in dieser Saison bewältigt werden kann. Mit Urgestein Marc Schnatterer oder auch Norman Theuerkauf haben die Ostälbler weiterhin erfahrene Spieler in der Mannschaft. Wenn es Frank Schmidt wieder gelingen sollte, aus den Heidenheimern eine eingespielte Truppe zu formen, sollte eine gute Platzierung auch in dieser Saison möglich sein.

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