Voith-Arena in Heidenheim (Foto: Imago, imago/Dennis Hetzschold)

2. Bundesliga | 1. FC Heidenheim Der kleine 1.FC Heidenheim muckt auf

Im DFB-Pokal steht Heidenheim im Viertelfinale, in der 2. Liga ist der Tabellenvierte punktgleich mit dem Dritten Union Berlin. Das heißt übersetzt: Heidenheim spielt um den Aufstieg mit. Ausgerechnet Heidenheim...

Vom Albtraum zum Spitzengegner

Als der Hamburger SV jahrelang gegen den Abstieg kämpfte, war für nicht wenige Fans der Inbegriff des 2. Liga-Horrors Reisen nach Sandhausen oder, genau, Heidenheim. "Käffer", irgendwo im weit entfernten süddeutschen Nirgendwo. Inzwischen ist der Hamburger SV amtlicher Zweitligist, und nicht nur an der Elbe staunen sie darüber, dass sie mit der Reise nach Heidenheim zu einem Spitzenspiel der 2. Liga unterwegs sind. Der Tabellenführer gegen den Tabellenvierten. Gerade mal sechs Punkte trennen die Beiden. Und trotzdem liegen Welten zwischen den Klubs. Hier der HSV, in dessen 50.000-Zuschauer-Stadion ganz Heidenheim rein passen würde, ohne dass es ausverkauft wäre. Der HSV, für den nichts als der Wiederaufstieg zählt. Auf der anderen Seite dieses Heidenheim, dessen erklärtes Saisonziel der Klassenerhalt ist und bleibt.

"Aufstieg ist nicht unser Ziel"

Träumer passen nicht ins bodenständige Heidenheim. Das kriegt jeder zu hören, der am Rande der Schwäbischen Alb nachfragt. "Wir sind gerade im Dunstkreis der Aufstiegsaspiranten, aber trotzdem ist es nicht unser Ziel", umschrieb Defensivmann Norman Theuerkauf im SWR-Fernsehen die Ansprüche. Theuerkauf spielt seit 2015 in Heidenheim, dort wo jeder Punkt ein Punkt gegen den Abstieg bleibt. Zu eng war es gerade in der letzten Saison. "Wir sind schlecht gestartet, hatten wenig Punkte und haben es noch mit Ach und Krach geschafft", erinnert sich Theuerkauf.

Der 1. FCH hat aus der schwierigen Saison 2017/18 gelernt, spielt jetzt beeindruckend konstant und stabil, hat in Sachen Teamgeist maximal zugelegt und die so simplen Worte von Trainer Frank Schmidt verinnerlicht: "Von Anfang an punkten, damit es uns nachher nicht auf die Füße fällt". Ein Beispiel: die neuformierte Doppelspitze Denis Thomalla und Robert Glatzel harmoniert bestens, was auch dafür sorgt, dass Spielmacher Nikola Dovedan endlich Anspielstationen hat. Damit hat Heidenheim die viertbeste Offensive der Liga. Aber die Zurückhaltung bleibt. Heidenheim, ein Spitzenteam? "So wird es gerade wahrgenommen, aber es ist eine Momentaufnahme. Wir bleiben auf dem Boden", sagt der erfahrene Ex-Braunschweiger Theuerkauf. Zu oft war die Stabilität nicht über die Dauer einer Saison zu halten. Dass Heidenheim aber gefestigt ist, sollte spätestens nach dem Achtelfinal-Pokal-Triumph über Leverkusen in den Köpfen sein.

Ungeschlagen in der Allianz-Arena: gutes DFB-Pokal-Omen?

Die nicht aufstiegsambitionierten Heidenheimer haben kaum Zeit zum Nachdenken. Das ist wahrscheinlich ganz gut so, denn sonst hätte die DFB-Pokalauslosung mit dem Traumlos FC Bayern München für weiche Knie gesorgt. "Es ist das Viertelfinale im DFB-Pokal, wir sind dabei und deshalb freuen wir uns auf dieses Spiel", sagte stattdessen Trainer Frank Schmidt. Seit 2007 ist er der Verantwortliche in Heidenheim. Als Spieler war er Teil der Sensations-Mannschaft von Vestenbergsgreuth, die 1994 den FC Bayern aus dem Pokal geworfen hatte. Das kann und wird er seinen Spielern wieder und wieder erzählen. Dazu kommt die Bilanz der Heidenheimer in der Allianz-Arena. Dreimal hat der 1. FCH dort gespielt, dreimal nicht verloren. Ok, der Gegner hieß jeweils 1860 München...

Übrigens: Wenn die Heidenheimer so weiter machen, bekommt der nächste Traditionsklub die Flatter: der VfB Stuttgart. Denn in der Landeshauptstadt schwant den Fans schon Übles: ein mögliches Relegationsspiel gegen die Mannschaft aus dem Brenztal. Denn in diesem Fall, da sind sich viele Fußball-Experten einig, würde der VfB wieder absteigen. Ausgerechnet gegen Heidenheim, den Klub aus der "schwäbischen Provinz".

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