Frank Schmidt (Foto: Imago, Frank Scheuring)

2. Bundesliga | 1. FC Heidenheim Schmidt und Heidenheim - eine feste Beziehung

Trainer Frank Schmidt steht beim 1. FC Heidenheim für Bodenständigkeit und Kontinuität im schnelllebigen Fußball-Geschäft. Der 44-Jährige ist seit 2007 für das Team verantwortlich. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Der Trainerlehrgang 2011 an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef hatte es in sich. Trainer mit klangvollen Namen saßen da während der Unterrichtseinheiten zusammen. Viele von ihnen schafften schnell den Sprung in die Bundesliga, die Königsklasse des deutschen Profifußballs: Markus Gisdol, Tayfun Korkut, Sascha Lewandowski, Roger Schmidt, Thomas Schneider, Michael Wiesinger oder Markus Weinzierl. Und dann war da noch Frank Schmidt. Der damalige DFB-Ausbilder Frank Wormuth hat mal erzählt, dass Frank Schmidt immer in der ersten Reihe gesessen sei. Kein Streber. Aber ein Wissbegieriger.

Dienstältester Coach im Profifußball

Während seine sieben Kollegen schon bald einen Fußball-Bundesligisten trainierten, war Frank Schmidt verantwortlich für den 1. FC Heidenheim. Heidenheim spielte damals in der 3. Liga. Mittlerweile hat der 44-Jährige sein Team fest in der 2. Bundesliga etabliert. Während sich seine Lehrgangskollegen von einst teilweise die Vereinsklinke in die Hand gaben und gegenseitig ablösten (Roger Schmidt wurde Nachfolger von Sascha Lewandowski bei Bayer Leverkusen, erst kürzlich übernahm Markus Weinzierl das Traineramt beim VfB Stuttgart von Tayfun Korkut), macht einer nicht mit bei diesen irren Karussellfahrten: Frank Schmidt. Seit 2007 ist er Trainer in Heidenheim, erst kürzlich hat er seinen Vertrag verlängert - bis 2023. Mindestens. Das sind Ewigkeiten im Fußballgeschäft. Damit ist Schmidt dienstältester Coach im deutschen Profifußball. Mit Abstand.

Aber in Heidenheim zu bleiben, heißt nicht automatisch, zweitklassig zu bleiben. Die Modalitäten seines neuen Vertrags (gilt nur für die 1. und 2. Liga) beinhalten ausdrücklich auch die Option Erstklassigkeit. "Warum sollten wir nicht mal nah rankommen an den Erstliga-Aufstieg oder ihn sogar schaffen? Es gibt dafür Beispiele kleinerer Vereine. Wir verwalten hier nicht, wir wollen immer etwas erreichen", sagte er kürzlich der "Augsburger Allgemeinen".

Volle Rückendeckung

Schmidt ist die Leitfigur des 1. FC Heidenheim. Er führte den Verein aus der Oberliga in die Zweite Liga. So wie viele junge Menschen nur ein Deutschland mit der Kanzlerin Merkel kennen, kennen viele junge Fans in Heidenheim nur den Trainer Frank Schmidt. Doch auch ein Denkmal kann wackeln. Als der Club in der vergangenen Saison bis zum letzten Spieltag um den Klassenverbleib zittern musste, wurde auch der Trainer hinterfragt. Allerdings nur vom Umfeld, nie vom Verein selbst. Volle Rückendeckung gab es von Vereinsboss Holger Sanwald. Wenn es zum Abstieg gekommen wäre, "wäre es das Ziel, mit Frank Schmidt eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die das Zeug hat, gleich wieder aufzusteigen", hatte Sanwald gesagt. In Heidenheim, so scheint es, ticken sie ganz ähnlich wie beim SC Freiburg.

Hier gibt es keinen blinden Aktionismus. Das ist auch nicht das Ding des langjährigen Trainers. Frank Schmidt lebt im Landkreis Dillingen. Das ist nur einen Steinwurf entfernt von Heidenheim. Die Töchter Julia (19) und Lara (16) ziehen demnächst aus dem Reihenaus aus. Sie wollen eine Schwestern-WG in Heidenheim gründen. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, bleibt etwas mehr Raum für Ausflüge mit seiner Frau. So wie am vergangenen Wochenende zum Wandern in den Bergen.

"Gehe nicht als Trainer in Rente"

Mittlerweile hat es der Mann etwas besser gelernt, vom Fußball-Alltag abzuschalten. Nachdem er vor gut einem Jahr wegen einer gefährlichen Thrombose in die Klinik musste, achtet Schmitt nun genauer auf die Signale des Körpers. Seine Frau muss ihren Mann, den häufig so Rastlosen, nun nicht mehr ganz so häufig "Teilchenbeschleuniger" rufen.

Auch beim Thema Zukunft gibt sich Schmidt betont gelassen. Vielleicht wolle er "irgendwann, ohne einen Zeitpunkt zu definieren, noch mal was Anderes machen", sagte er kürzlich dem "Tagblatt". "Ich werde nicht als Fußballtrainer in Rente gehen.

Die treuesten Trainer der Bundesliga und der 2. Bundesliga

Volker Finke stand beim SC Freiburg von 1991 bis 2007 an der Seitenlinie. Mit insgesamt 16 Jahren im Trainer-Amt ist Finke der Coach, der in der Bundesliga-Geschichte am längsten durchgängig bei einem Verein als Trainer tätig war.  (Foto: Imago, imago)
Volker Finke stand beim SC Freiburg von 1991 bis 2007 an der Seitenlinie. Mit insgesamt 16 Jahren im Trainer-Amt ist Finke der Coach, der in der Bundesliga-Geschichte am längsten Trainer bei einem Verein war. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Otto Rehhagel gehört zu den erfolgreichsten Trainern der Welt. Den SV Werder Bremen trainierte er über 14 Jahre (5.203 Tage) und gewann unter anderem je zweimal die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. An der Weser genießt der mittlerweile 80-Jährige Legendenstatus. Anschließend wurde er 1998 mit dem 1. FC Kaiserslautern erneut Deutscher Meister und holte 2004 mit Griechenland den EM-Titel. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Fast genauso lang trug Thomas Schaaf die grüne Raute auf der Brust. Insgesamt 5.119 Tage - also ebenfalls über 14 Jahre - trainierte Schaaf den SV Werder Bremen und kehrte nach seiner Entlassung 2013 mittlerweile als Technischer Direktor an die Weser zurück. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
KSC-Kultfigur Winfried Schäfer erlebte in Karlsruhe zwölf erfolgreiche Trainer-Jahre. Unvergessen bleibt das "Wunder vom Wildpark", als der KSC am 2. November 1993 den FC Valencia sensationell mit 7:0 besiegte und damit ins Achtelfinale des UEFA-Pokals einzog. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Frank Schmidt übernahm den 1. FC Heidenheim im Sommer 2007. Seitdem ist der 44-Jährige beim Zweitligisten nicht mehr wegzudenken. Seit 4.049 Tagen gibt der Taktik-Fuchs in seiner Heimatstadt den Ton an und ist damit der aktuell dienstälteste Chef-Coach in den obersten deutschen Ligen. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Hans "Hennes" Weisweiler formte Borussia Mönchengladbach zwischen 1964 und 1975 vom Regionalligisten zum europäischen Spitzenteam. Mit den Fohlen gewann er 1970, 1971 und 1975 die Deutsche Meisterschaft, 1973 den DFB-Pokal und 1975 den UEFA-Cup. Er zählte in den 1970er Jahren zu den besten Vereinstrainern der Welt. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Heinz Krügel war insgesamt 3.652 Tage Cheftrainer beim 1.FC Magdeburg. Nach seinem Tod 2009 wurde vor dem Magdeburger Stadion ein Denkmal zu seinen Ehren errichtet. Auch der Platz vor dem Stadion trägt Krügels Namen, der mit den Magdeburgern 1974 den Europapokal der Pokalsieger gewann. Imago imago sportfotodienst; Bild in Detailansicht öffnen
Bis heute war kein Dynamo-Trainer länger im Amt als Walter Fritzsch. Der gebürtige Planitzer war von 1969 bis 1978 - also insgesamt 3.259 Tage - Trainer von Dynamo Dresden. In dieser Zeit feierte er mit den Sachsen fünf Mal den DDR-Meistertitel und zwei DDR-Pokalsiege. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Der gebürtige Ungar Imre Farkasinszky (r.) war von 1966 bis 1975 Trainer des VfL Wolfsburg. "Farka" führte den VfL zur Vizemeisterschaft in der Regionalliga Nord - die damals zweithöchste Spielklasse. Insgesamt leitete Farkasinszky 3.121 Tage lang die Geschicke bei den Wölfen. Imago imago sportfotodienst; Bild in Detailansicht öffnen
Von 1999 bis 2007 war Gerd Schädlich als Cheftrainer von Erzgebirge Aue tätig. 2003 wurde er mit den Veilchen Meister in der Regionallige Nord, was den Aufstieg in die 2. Bundesliga bedeutete. Am 17. Dezember 2007 trat er nach einer 0:5 Niederlage gegen TSV 1860 München von seinem Trainerposten zurück. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Gleich zweimal trainierte Jupp Heynckes, FIFA-Trainer des Jahres 2013, Borussia Mönchengladbach - bei seiner ersten Station von 1979 bis 1987. Der damals 34-jährige Heynckes war der bis dahin jüngste Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte. Titel konnte er in dieser Zeit zwar keine gewinnen. Trotzdem schaffte es der Kult-Trainer, die Fohlen dauerhaft im oberen Tabellendrittel zu etablieren. 2006 kehrte Heynckes noch einmal für ein Jahr an seine alte Wirkungsstätte zurück. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Klaus "Schlappi" Schlappner feierte mit dem SV Waldhof Mannheim 1983 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und etablierte sein Team in den folgenden Jahren im deutschen Oberhaus. Mit Schlappner erlebte der Waldhof seine erfolgreichsten Jahre. 1987 gab der mittlerweile 78-Jährige sein Trainer-Amt in Mannheim nach 2.555 Tagen auf. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Christian Streich ist mit 2.477 Tagen im Amt der aktuell dienstälteste Trainer der Bundesliga. 2011 beerbte der Badener den erfolglosen Marcus Sorg als Cheftrainer der Breisgauer. Sogar nach dem Abstieg aus der Bundesliga in der Saison 2014/2015 hielt der SC Freiburg an Streich fest, was mit dem direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga belohnt wurde. Imago Jan Huebner; Bild in Detailansicht öffnen
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