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Fußball | Regionalliga Südwest Astoria Walldorf will weiter gegen China spielen

Dem Streit um die chinesische U20-Nationalmannschaft in der Regionalliga Südwest hat sich Chinas Olympia-Auswahl vorerst entzogen. Doch Astoria-Walldorf-Chef Wilhelm Kempf will trotzdem weiterspielen.

Chinas U20 ist weg, abgereist. Nach nur einem einzigen Spiel. Um der chinesischen Olympia-Auswahl die Freundschaftsspiel-Reise durch Deutschlands Regionalliga Südwest zu vermiesen brauchte es nicht viel. Genauer gesagt, brauchte es nur sechs Menschen, die mit Tibet-Fahnen gegen das Verhalten der chinesischen Zentral-Regierung in der 1950 annektierten Region protestieren wollten.

Bei ihrem Spiel in Mainz hat das Team noch weitergespielt, nachdem die Aktivisten ihre Tibet-Fahnen abgenommen hatten. Weil sich der Deutsche und der Chinesische Fußball-Bund (CFA) nicht einigen konnten- der DFB pochte auf die Meinungsfreiheit, der CFA sah darin eine veritable Beleidigung -, hat der Verband seine U20 zurückbeordert und alle Spiele abgesagt - erstmal bis zur Winterpause.

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Wilhelm Kempf will gegen China spielen

Ob und wie es danach weitergeht, ist noch nicht entschieden. Für Wilhelm Kempf wäre es ein herber Verlust. Der Präsident des FC-Astoria Walldorf hatte sich auf das für den 17. Februar geplante Freundschaftsspiel gegen die chinesische U20-Auswahl gefreut: "Wir hätten wirklich gerne gegen die Chinesen gespielt und wollen es noch immer", sagte er am Montag im Gespräch mit dem SWR. er selbst reise schon seit 1984 nach China und habe nur positive Erfahrungen gemacht. Darum könne er auch nicht verstehen, dass sich viele Fans so vehement gegen das Projekt gewehrt haben.

Vereine fühlen sich vom DFB im Stich gelassen

Teamfoto der chinesischen U20

Die chinesische U20 wird bis zur Winterpause keine Freundschaftsspiele mehr austragen

Dennoch glaubt auch Kempf, dass die chinesischen Fußballer es aushalten müssen, wenn in Deutschland gegen die Tibet-Politik ihrer Regierung protestiert wird. Den Schwarzen Peter will er jedoch dem DFB zuschieben: "Der DFB hat die Chinesen nicht ausreichend auf diese Situation vorbereitet. Die sind da meiner Meinung nach etwas naiv an die Sache herangegangen, mit der Folge, dass die Chinesen beim ersten Spiel in Mainz ziemlich unvorbereitet in die Sache hineingeraten sind." Auch die Vereine fühlen sich vom DFB im Stich gelassen: "Wir wurden kurz informiert und konnten dann 'Ja' oder 'Nein' sagen. Aber wie das im Detail organisiert werden soll, damit wurden wir allein gelassen."

Dennoch hofft Kempf, dass sich der DFB zum neuen Jahr noch mit dem chinesischen Verband einigt, damit die Testspiel-Serie ab Januar fortgeführt werden kann. Denn sportlich mache das Projekt für den FC-Astoria Walldorf durchaus Sinn: "Unser Trainer ist immer auf der Suche nach Testspiel-Gegnern, damit die Mannschaft an ihrem spielfreien Wochenende nicht aus dem Rhythmus kommt. Und so wäre das Problem recht schnell gelöst." Zudem sei der Kultur-Austausch mit den Chinesen auch für seine Spieler bereichernd.

FC-Astoria peilt China-Reise an

Und die Tibet-Proteste, die viele Ultra-Gruppen für ihren Widerstand gegen den DFB instrumentalisieren wollten, wären für Kempf dann kein Problem mehr: "Die Mannschaft wäre vorbereitet und wüsste, was sie erwartet. Und dann, denke ich, können die Chinesen auch besser damit umgehen." Falls das Projekt endgültig scheitert, hat Kempf jedoch schon einen Plan B: "Wir waren im Frühjahr schon mit der Jugend-Mannschaft in China. Und wir werden in den kommenden Monaten sicherlich auch mit der Herren-Mannschaft dorthin fahren."