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Fußball | Nationalmannschaft Sandro Wagner: Vom Stinkstiefel zum Fanliebling

Hoffenheims Stürmer Sandro Wagner macht zur Zeit eine Wandlung durch. Dabei hat sich 29-Jährige nicht verändert. Er wird nur anders wahrgenommen, seit er auch im DFB-Trikot aufläuft.


Pfiffe im Stadion. Beleidigungen wie "Großkotz" oder "arroganter Typ" im Internet. Das alles kennt Sandro Wagner als Spieler von 1899 Hoffenheim. Und das alles juckt ihn nicht wirklich. "Ich übe ja einen Beruf aus, der in der Öffentlichkeit steht und da muss ich damit klar kommen. Wenn ich das nicht wollen würde, dann müsste ich aufhören mit dem Fußballspielen", sagt der Angreifer. Und weiter: "Das möchte ich aber nicht. Von dem her gehört das in unserer Welt anscheinend dazu."

Wagner mag seine Rolle als Unsympath

Wagner, der erst im Herbst seiner Karriere so richtig aufblühte, hat sich ein dickes Fell zugelegt. "Mir ist es wirklich egal, was andere Leute über mich denken. Meine Ambition ist einfach: Dass ich meinen Beruf zu 100 Prozent gut ausübe und dafür - das ist nicht böse gemeint - brauche ich nicht die Sympathie der Leute", sagt er. Wagner mag seine Rolle als Unsympath im "Showgeschäft Fußball".

Von Trainern geschätzt

Sein Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann mag besonders dessen unangenehme Art und Weise auf dem Platz: "Er bringt die nötige Emotion rein, hat nicht nur brave Elemente im Spiel. Er beschäftigt die Innenverteidiger, beschäftigt die Zuschauer. Und das ist auch etwas, das dazugehört im Profifußball. Wenn er dann noch Tore macht, dann macht er vieles richtig."

Um zu dieser Wertschätzung zu kommen, hat es lange gedauert für Wagner. In diesem Sommer feiert der 29-Jährige ein Jubiläum: Zehn Jahre spielt er schon in der Bundesliga. Und ab diesem Jahr wird der Stinkstiefel jetzt also im Nationaltrikot von den Fans gemocht. Was dem Offensivmann, bei aller Abneigung die ihm sonst entgegen schwappt, natürlich gefällt. "Das ist ein Supergefühl. Ich hab mich riesig gefreut. Ich wollte unbedingt ein Tor machen. Schön, dass es so geklappt hat", so Wagner euphorisch nach seinem Pflichtspieldebüt im DFB-Trikot. Gegen San Marino klappte es für ihn gleich mit drei Toren.

Mehr als nur Tore

Der beste deutsche Stürmer, wie sich Wagner ganz bescheiden selbst beschreibt, ist nun anscheinend auch eine neue Sturmvariante für  Bundestrainer Joachim Löw. "Diese Wucht, mit der er in die Kopfbälle geht und bei Flanken präsent ist, ist schon gut. Da können wir dann auch mal mit diesen Bällen operieren", sagte der DFB-Coach.

Allerdings nur als Knipser abgestempelt zu werden, das wäre Wagner zu wenig: "Mein Spiel definiert sich nicht nur über Tore. Ich versuche auch defensiv sehr, sehr viel zu arbeiten. Da geht auch immer sehr viel Kraft drauf. Ich ruhe mich nicht nur vorne aus, will immer auch noch Mannschaftsspieler sein. Das ist mein oberstes Credo."

Mit all seiner Erfahrung sortiert sich Mittelstürmer auch im DFB-Team ein. Übernimmt trotzdem Verantwortung und weiß durchaus, was er wert ist: "Ich könnte vielleicht ein kleines Puzzleteil sein oder ein anderer Spielertyp, den wir nicht so haben, um unserer Nationalmannschaft zu helfen." Er will helfen. Er will Tore schießen. Er will Erfolg haben. Wagner will einfach nur spielen. Und das kommt aktuell einfach besser an.