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Fußball | Karlsruher SC Wird das Stadion-Fass nochmal aufgemacht?

Das neue Stadion soll kommen, egal in welcher Liga der Karlsruher SC spielen wird. Aber kann der KSC sich die neue Heimat überhaupt leisten? Ein kommunalpolitischer Aufreger.

Das neue Wildpark-Stadion des Karlsruher SC wird erst 2020 fertig gestellt

Das neue Wildpark-Stadion soll erst 2020 fertig gestellt werden

Der Karlsruher SC war einmal sehr erfolgreich, könnte es auch irgendwann einmal wieder werden. Leider ist er aber momentan akut vom Abstieg in die dritte Liga bedroht. Trotzdem hätte der Verein gerne ein neues Stadion. Aber er hat kein Geld, schuldet der Stadt Karlsruhe sogar über 2,5 Millionen Euro. Auch die Stadt hat kein Geld. Dafür aber schon einige Großprojekte am Bein, wie die neue Messe oder die U-Bahn. Beide haben bereits ein großes Minus in den Etat gerissen.

Ungeachtet dessen möchte die Stadt Karlsruhe ihrem KSC bauen. "Die Erfahrungen der letzten Jahre haben es deutlich gezeigt: Mit dem vorhandenen Stadion kann sich der KSC keine langfristig funktionierende wirtschaftliche Basis aufbauen." Mit dieser Begründung beschloss der Gemeinderat bereits vergangenes Jahr einen Neubau. Kostenpunkt: Über 113 Millionen Euro, komplett vorfinanziert aus kommunalen Mitteln. Sprich, die Steuerzahler kommen allein für die Kosten auf, der KSC zahlt erst einmal nichts.

Stadt gibt dem KSC freie Fahrt in die 3. Liga

Das Geld will sich Oberbürgermeister Frank Mentrup im Laufe der kommenden 20 Jahre über einen Pachtvertrag mit dem Verein zurückholen. Es ist alles durchgerechnet, sogar diverse Abstiege haben die Planer mit einkalkuliert, wie Mentrup dem SWR bereits im März in einem Interview erklärte: "Wir halten an den Verträgen fest und das Stadion kommt natürlich. Sobald das neue Stadion fertig ist und der neue Pachtvertrag gilt, darf der KSC halt nur einmal in zehn Jahren in die dritte Liga gehen, sonst bricht unsere Berechnung zusammen. Aber bis dahin hat er sozusagen freie Bahn."

Zumindest aus städtischer Sicht also freie Fahrt in die 3. Liga, und im Moment sieht es so aus, als müsse der KSC auf diesen Zug aufspringen. Und damit beginnen die Probleme: Sobald das neue Stadion fertig ist, tritt der Pachtvertrag in Kraft - also in etwa drei Jahren. Sollte der KSC am Ende dieser Saison also wirklich absteigen, haben die Karlsruher quasi vier Jahre Zeit, um wieder aufzusteigen. Denn ein Jahr 3. Liga ist, wie gesagt, einkalkuliert. Danach wird es immer schwieriger, die festgelegten Raten an die Stadt zu leisten. Während der Bauzeit kann sich der KSC immerhin über eine Mietminderung freuen.

Neues Stadion - höhere Pacht

Wenn das Stadion fertig ist, werden die neuen Raten fällig - gestaffelt nach Liga:

  • 400.000 Euro pro Jahr in der 3. Liga und in der Regionalliga
  • 1,5 Millionen Euro pro Jahr in der 2. Bundesliga
  • 3,5 Millionen Euro in der Bundesliga
Opel Arena

Die Mainzer Arena ist Vorbild für das geplante KSC-Stadion

Aber an Bundesliga denkt in Karlsruhe zurzeit wohl niemand. Das Problem dabei: Bei einem Abstieg in die 3. Liga würden dem KSC allein schon an Fernsehgeldern etwa zehn Millionen Euro fehlen; welche Auswirkungen das geringere mediale Interesse auf die Einnahmen durch Sponsoren hätte, ist nicht abzuschätzen.

Schon in der laufenden Saison hatte der KSC im Durchschnitt nicht einmal 15.000 Zuschauer pro Spiel. Und das in der zweiten Liga. Das neue Stadion ist für 35.000 Menschen ausgelegt, selbst das Mainzer Bundesliga-Stadion war in dieser Saison nur zweimal ausverkauft. Sicher ist nur: Die finanzielle Situation des KSC würde sich definitiv weiter verschlechtern. Mit jedem Jahr 3. Liga geriete der 20-Jahre-Plan für die Refinanzierung mehr in Gefahr, dann würde die Stadt auf den Kosten sitzen bleiben. Oberbürgermeister Mentrup ist sich dieses Risikos jedoch bewusst.


Ist der KSC kreditwürdig?

Tatsächlich gilt der KSC schon jetzt bei einigen Mitgliedern des Gemeinderates als eher unverlässlicher Vertragspartner. Gemeinderatsmitglied Nico Fostiropoulos (Die Linke) zum Beispiel meint, der KSC solle erst einmal Erfolge bringen, dann könne man über ein neues Stadion sprechen. Aber vor allem müsse der Verein als kommerzieller Betrieb einen Großteil der Kosten selbst tragen, doch genau in der Kreditwürdigkeit des KSC sieht Fostiropoulos die Probleme: "In den letzten zehn Jahren konnte er die Pacht auch nicht tragen. Ständig wurde die Pacht reduziert, trotzdem wurde immer wieder Geld zur Unterstützung dazugegeben. Der KSC schuldet der Stadt Karlsruhe über 2,5 Millionen Euro, die er nicht zurückzahlen kann und war bisher nicht verlässlich", sagte Fostiropoulos am Dienstag dem SWR.

Auch Lüppo Cramer (KULT), einst selbst im KSC-Verwaltungsrat und jetzt Mitglied des Gemeinderates, sieht im Stadion-Neubau nur ein weiteres Geld-Grab für die Stadt: "Der Pachtvertrag ist unter der Voraussetzung geschrieben worden, dass wir zweite und erste Liga spielen - größtenteils aber in der ersten Liga und vielleicht einmal in der dritten Liga. Ich befürchte, dass diese Grundlagen nicht mehr gegeben sind. Denn ich sehe den KSC mittlerweile als eine Fahrstuhl-Mannschaft zwischen zweiter und dritter Liga und das wird sich dann einfach nicht mehr rechnen. Der KSC wird die Mieten, die festgeschrieben sind, nicht bezahlen können und letztendlich liegt dann alles am Stadtsäckel selber." Allerdings haben die beiden Oppositionspolitiker keine Mehrheit im Gemeinderat.

Bedenkenträger gegen hoffende Investoren

Auf der einen Seite stehen also , die der Meinung sind, ein komplett vorfinanziertes Stadion wäre wieder einmal zu viel guter Wille für den angeschlagenen KSC seitens der Stadt. Auf der anderen Seite stehen die hoffenden Investoren, die dem KSC langfristig mehr zutrauen als die 3. Liga. Allen voran der KSC-Präsident Ingo Wellenreuther selbst, der zwar noch auf das Klassenerhalt-Wunder im Wildpark hofft, das Stadion-Projekt aber auch schon auf den Abstieg vorbereitet hat.


Er hält es für unvernünftig, an den Plänen zu rütteln und "alles wieder auf Null zu stellen". Wellenreuther braucht das neue Stadion, er sieht darin die einzige Möglichkeit, seinen Verein zukunftsfähig zu halten.


Auch wenn er die Sorgen und Ängste der Karlsruher Steuerzahler verstehen kann, spielt für ihn der momentane und zukünftige Liga-Platz keine Rolle, ebenso wenig wie für den Oberbürgermeister. Der momentane Tabellenplatz und die finanzielle Situation des Vereins wirft auf jeden Fall Fragen auf: Braucht es tatsächlich das neue Stadion, um den KSC zu päppeln und Sanierungskosten für das Alte zu vermeiden? Wird der Finanz-Plan so funktionieren, wie sich Mentrup und Wellenreuther das vorstellen? Oder bleibt die Stadt, wie befürchtet, auf den Kosten sitzen? Aber egal ob im neuen oder im alten Stadion, eines kann sich der KSC auf keinen Fall leisten: dauerhaft schlecht zu spielen.

Von Thorsten Hinck