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Fußball-Ikone Silvia Neid (geb. 1964)

Unter der Spielführerin aus Walldürn gewinnt Deutschland erstmals bei einer Fußball-Europameisterschaft der Frauen. Als Spielerin und später als Trainerin ist sie an allen sieben weiteren EM-Titeln der deutschen Frauen direkt beteiligt.

Silvia Neid 2015

Silvia Neid 2015

Spiel gegen Vorurteile

Schon als fünfjähriges Mädchen spielt Silvia Neid Fußball, beginnt also ihre damals nicht absehbare Karriere in einer Zeit, als Frauenfußball noch verboten ist. Denn seit 1955 verbietet der DFB seinen angeschlossenen Vereinen, die entstehenden Frauenfußball-Abteilungen zu unterstützen und ihnen Sportstätten zur Verfügung zu stellen. Begründung: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand." Erst 1970 wird den Herren des DFB klar, dass dieses Verbot nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Drohten doch fußballbegeisterte Frauen damit, einen eigenen Verband zu gründen. Silvia Neid hat im Laufe ihrer Karriere miterlebt, wie sich die Fußballerinnen allmählich gegen solche Vorurteile durchsetzen: seit 1981 gibt es den DFB-Pokal für Frauen, 1982 findet das erste offizielle Länderspiel statt und 1989 führt der DFB offiziell die Bundesliga für Frauen ein. Silvia Neid ist bei allen Wettbewerben als Spielerin erfolgreich.

Silvia Neid (l.) im Zweikampf mit einer Japanerin bei der zweiten Fußballweltmeisterschaft der Frauen 1995

Rekord-Nationalspielerin Silvia Neid (l.) im Zweikampf mit einer Japanerin bei der zweiten Fußballweltmeisterschaft der Frauen 1995.

Die Titelsammlerin

Mit ihren Vereinen SSG 09 Bergisch Gladbach und dem TSV Siegen gewinnt sie sieben Mal die Deutsche Meisterschaft und sechs Mal den DFB Pokal. Mit der Nationalmannschaft wird sie zunächst als Spielerin drei Mal Europameisterin und einmal Vize-Weltmeisterin. Sie zählt damit zu den erfolgreichsten Spielerinnen in der deutschen Frauenfußball-Geschichte und ist der erste "Medienstar" im Frauenfußball. Auch als sie ins Trainerfach wechselt und erst Co-, dann Cheftrainerin der Nationalmannschaft wird, sammelt sie weiter Titel: Fünf Europameisterschafts- und zwei Weltmeisterschaftsiege hat sie (mit-) verantwortet und den Frauenfußball geprägt wie keine andere. Ende August 2016 übernimmt Silvia Neid die Leitung der neugeschaffenen Scouting-Abteilung des DFB. Ihre Nachfolge als Bundestrainerin tritt Steffi Jones an.


Ein Kaffeeservice als Prämie

Die Trainerin der deutschen Damen-Fußball-Nationalmannschaft, Silvia Neid, auf dem Fußballfeld

Silvia Neid als Trainerin bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2005 in Kanada

Was heute undenkbar wäre: Für ihre erste gewonnene Europameisterschaft 1989 erhielten Silvia Neid und ihre Mitspielerinnen vom DFB als Prämie ein Kaffeeservice. Heute sind bei Titeln fünfstellige Beträge die Belohnung, wenngleich dies noch immer wesentlich weniger ist als bei den Männern. Und während Silvia Neid während ihrer Zeit als Spielerin noch nebenher Blumen ausfahren musste, können heute viele Spielerinnen ihren Lebensunterhalt als Profi verdienen.