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Fußball | Frauen-EM Silvia Neid auf der Suche nach Trends

Was macht eigentlich Silvia Neid? Die Ex-Bundestrainerin arbeitet jetzt hinter den Kulissen für den Erfolg des deutschen Frauenfußballs.

Silvia Neid

Silvia Neid ist nach wie vor daran beteiligt, die Nationalmannschaft weiter zu entwickeln

Silvia Neid kann es nicht lassen. Als Leiterin der neuen Scouting-Abteilung Frauen- und Mädchenfußball im Deutschen Fußball-Bund (DFB) leistet die langjährige Bundestrainerin wieder einmal Pionierarbeit. "Das bin ich ja gewohnt", sagte die 53-Jährige im Gespräch mit dem SID. Mit Begeisterung erzählt sie von ihrem neuen Job: "Ich lerne so viel Neues, es ist für mich total spannend." Neids neue Aufgabe: "Ich bin auf der Suche nach den Trends im Frauenfußball. Ich schaue, wo die Reise hingeht." Und so wird sie bei der Frauen-EM am Sonntag mit Argusaugen auf der Tribüne des Stadion Galgenwaard in Utrecht sitzen, wenn Gastgeber Niederlande sein Eröffnungsspiel gegen Vize-Europameister Norwegen bestreitet.

Silvia Neid gehört zur Nationalmannschaft

34 Jahre lang war Neid Teil der Nationalmannschaft - erst als Spielerin, dann als Assistenzcoach und von 2005 an elf Jahre lang als Bundestrainerin. Jeder deutsche Titelgewinn ist untrennbar mit ihrem Namen verbunden. Nach dem Olympiasieg in Rio übergab sie im vergangenen Sommer das Zepter an ihre Assistentin Steffi Jones. Seither arbeitet Neid hinter den Kulissen daran, dass der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister Teil der Weltspitze im Frauenfußball bleibt.

Zu viert nehmen Neid und ihr Team die komplette Endrunde unter die Lupe, die Ergebnisse werden in einem EM-Analyseheft zusammengefasst. "Wir sind vor Ort, wir wissen alles, was der Gegner macht, weil wir jedes Spiel beobachten", erklärt Neid, die einen engen Draht zu ihrer Nachfolgerin und deren Scouting-Team pflegt: "Steffi kann mich immer anrufen, wenn sie Fragen hat."

Neid sieht sich in der DFB-Scoutingabteilung, in der sie in der Zentrale in Frankfurt mit ihrem Büro integriert ist, "auch als Bindeglied zwischen Frauen- und Männerfußball. Es ist auf jeden Fall gut, dass wir von vorhandenen Strukturen profitieren". Sie analysiert auch viel Männerfußball und prüft: "Was kann man übernehmen? Was sollte man übernehmen?"

Neids Favoriten: Frankreich, Spanien, Deutschland

Bei der EM erwartet Neid nach ihren bisherigen Eindrücken den Trend zur Dreierkette, viel Gegenpressing und die Entwicklung zu mehr Ballbesitzspiel. Frankreich sieht sie neben der DFB-Auswahl als Topfavoriten. Im März hat sie beim Algarve Cup gescoutet - und schwärmt seither von Turniersieger Spanien: "Die haben mich sehr beeindruckt. Das hat mir auch taktisch gut gefallen, mit einem sehr guten Angriffspressing und gutem Spielaufbau. Ich traue ihnen bei der EM eine Überraschung zu."

Aber auch ihrer Nachfolgerin traut sie beim ersten großen Turnier gleich den Titel zu - es wäre Nummer neun für Deutschland und der siebte in Serie. "Ich bin guter Dinge und denke, dass sie das gut meistern werden." Größte Herausforderung werde es sein, Stützen wie das nach Rio zurückgetretene Trio Saskia Bartusiak, Annike Krahn und Melanie Behringer zu ersetzen. Neid, das sieht man ihr deutlich an, ist rundum zufrieden mit ihrer neuen Rolle als Beobachterin. "Ich vermisse gar nichts", betont sie - schließt eine Rückkehr auf die Trainerbank bei einer interessanten Perspektive aber auch nicht aus: "Bei einem Wahnsinnsangebot würde ich überlegen, was mich mehr reizt."