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ARCHIV - Fans des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC gehen am 09.04.2017 in Stuttgart in Richtung Stadion. Im Vordergrund Thomas Strobl

Fußball | Fan-Gewalt "Stadion-Allianzen" für mehr Sicherheit

Bessere Kommunikation - das ist für Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) das beste Rezept für mehr Sicherheit im Stadion. Sein Instrument: "lokale Stadion-Allianzen".

Polizei, Ordnungsdienst, Vereine und Fan-Betreuer beider Mannschaften sollen künftig bei jedem Fußball-Spiel ein Sicherheits-Gremium bilden, das befugt und in der Lage ist, sofort Entscheidungen zu treffen, wenn Fans in den Stadien randalieren. Das ist das Ergebnis des Sicherheitsgipfels, der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montag in Stuttgart einberufen hat. Für Strobl ein Erfolg: "Wir haben eine neue Form der Zusammenarbeit begründet - vertrauensvoll, verbindlich und stressresistent."

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Am Tisch saßen Vertreter der Vereine, der Fans, der Polizei, des Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Deutschen Fußball-Liga (DFL), aus Kommunalverbänden und der Deutschen Bahn. Sie alle diskutierten, wie wieder mehr Sicherheit in den baden-württembergischen Fußball-Stadien garantiert werden könne. Auslöser waren die Krawalle von einigen KSC-Fans beim Baden-Württemberg-Derby gegen den VfB Stuttgart im April 2017. Doch die komplette Saison wurde immer wieder mit rabiaten Aktionen einiger Fans überschattet.

Lob von den Verein, Kritik von den Fans

Die Vertreter des Drittligisten Karlsruher SC waren mit dem Sicherheitsgipfel zufrieden. KSC-Geschäftsführer Helmut Sandrock, hat den Fußball-Gipfel in Stuttgart als einen "guten ersten Schritt" für mehr Sicherheit bezeichnet. "Ich denke, dass derartige Gespräche immer Sinn machen", sagte Sandrock am Montag. Auch KSC-Präsident Ingo Wellenreuther zog ein positives Fazit: "Natürlich kann man nicht erwarten, dass heute alle Probleme gelöst wurden und der Stein der Weisen gefunden wurde. Aber die Ansätze sind richtig."

Kritiker, allen voran die Fans, halten die Ergebnisse für zu vage. Zumal vieles von dem, was am Montag in Stuttgart beschlossen wurde, bereits umgesetzt wird.

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Noch nicht geklärt, wer zahlt

Die Debatte, wer die Kosten für die Polizei-Einsätze übernimmt, wollte Strobl an diesem Montag noch nicht führen: "Das ist nicht mein erster Ansatz. Wir wollen an die Ursache gehen. Ich möchte gar nicht haben, dass es diese Gewalt, dass es diese Ausschreitungen bei Fußballspielen gibt. Ich möchte, dass es im Fußball friedlich zugeht und dass wir mit einem überschaubaren minimalen Polizeieinsatz dann solche Fußballspiele begleiten."

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im baden-württembergischen Landtag, Sascha Binder, hatte vorgeschlagen, den Fußballvereinen bei Hochrisiko-Spielen Gebühren für Polizeieinsätze in Rechnung zu stellen. Dem SWR sagte Binder, man dürfe bei Ausschreitungen in Fußballstadien nicht blind sein. Der Staat müsse handlungsfähig bleiben. Dazu gehören für den SPD-Politiker auch konsequente Stadionverbote und die Möglichkeit, Spiele zu verlegen, um sie nicht mehr am Abend stattfinden zu lassen.

Fanforscher ist skeptisch

Der Fanforscher Harald Lange bewertet das Gipfeltreffen skeptisch: "In 40 Jahren haben solche Konferenzen nie zur Eindämmung von Gewalt im Fußball geführt", sagte der Leiter des Instituts für Sportwissenschaft in Würzburg der Deutschen Presse-Agentur. "Man kann solche Probleme nicht am Reißbrett lösen."

Erfolgschancen hätten nur Fanprojekte, sagt der Wissenschaftler: "Dort gehen geschulte Sozialarbeiter auf die Gruppen zu und nehmen ihre Sorgen ernst." Für solche Projekte müsste die DFL viel mehr Geld ausgeben, betont Lange: "Gemessen an der Gesamtsumme des Geldes, die im Fußball kursiert, sind die Mittel dafür banal gering."