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Fußball | Der Fall Max Kruse Medienprofi: "Kruse sollte sich zu Wort melden"

Medienberater Jürgen Knappenberger spricht im SWR-Interview über Kruses Fehler im Umgang mit der Öffentlichkeit und über das gläserne Leben eines Fußballprofis.

Wolfsburgs Max Kruse

Im Fokus der Medien - Max Kruse

Herr Knappenberger, gibt es ein normales Privatleben für Fußballprofis? Oder müssen sie damit leben, nahezu gläsern zu sein?

Sie müssen damit leben. Das mag man bedauern, aber die Fußballprofis müssen das akzeptieren.

Die Spieler stehen permanent im medialen Fokus. Sind einige Profis damit überfordert?

Ich kann nur für die Spieler sprechen, die wir mit unserer Agentur in medialen Fragen betreuen. Die haben es alle akzeptiert und lassen es sich gegebenenfalls auch von uns erklären.

Viele Spieler nutzen die sozialen Netzwerke, um Werbung in eigener Sache zu machen. Wie groß ist die Gefahr, dass Dinge geschehen, die jetzt Max Kruse passiert sind?

Sehr groß. Fotohandys, gepaart mit sozialen Netzwerken, sind für Fußballprofis und alle Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sehr unangenehm. Sie profitieren natürlich einerseits von den sozialen Netzwerken, aber es gibt natürlich auch die negative Seite. Der Vorteil der sozialen Netzwerke ist, dass man sich dort unverfälscht artikulieren und seine Meinung ohne Filter kundtun kann. Das nutzen ja auch viele Sportler im positiven Sinne. Aber es ist natürlich umso gefährlicher, wenn man sich nachts irgendwo blicken lässt und dann Fotos gemacht werden.

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Was sind Ihre konkreten Aufgaben als Medienprofi?

Wir sehen uns als Partner der Spieler. Wir sind der Filter, ohne dass der Spieler dabei an Authentizität verliert. Ein Beispiel: Ein Spieler ist irgendwo, macht ein Foto, hat eine Idee und schickt es uns zu. Er fragt uns dann, ob er das so und so posten kann, und wir schauen noch einmal drüber. Zu 99 Prozent kann man das dann auch so machen. Aber zu dem einen Prozent sagen wir dann, dass das ein bisschen zu viel ist. Auf der anderen Seite animieren wir manchmal auch Spieler, sich zu Wort zu melden. Wir steuern das ein bisschen, schauen aber auch, dass der Inhalt immer noch sehr nahe am Spieler ist.

Jürgen Knappenberger (45) betreibt seit 2007 mit seinen Geschäftspartnern Hannah Kluwe und Carsten Meyer die Agentur "spirit Kommunikation" (Schorndorf). Der ehemalige Redakteur der "Stuttgarter Nachrichten" arbeitet als Medienberater u.a. für die Fußballprofis Kevin Kuranyi (1899 Hoffenheim), Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Andreas Beck (Besiktas Istanbul), Roberto Hilbert (Bayer Leverkusen), Julian Schieber oder Marvin Plattenhardt (beide Hertha BSC Berlin).

Was ist im Fall Max Kruse aus Ihrer Sicht als Medienberater schief gelaufen?

Das ist natürlich schwer, das aus der Distanz zu bewerten. Prinzipiell aber gilt: Wenn man ohnehin schon im Fokus steht, wie es bei Max Kruse in den letzten Tagen und Wochen der Fall war, dann muss man besonders vorsichtig sein. Es spricht überhaupt nichts dagegen, seinen Geburtstag zu feiern. Aber wenn man bereits am Pranger steht, dann sollte man schauen, dass man nicht nachts in der Hauptstadt feiert. Ohne Max Kruse näher zu kennen, aber ein Sportler sollte auch selbst reflektieren können und sich was sagen lassen.


Wie sollte sich der Spieler jetzt verhalten?

Was in diesem Fall besonders auffällt: Max Kruse findet überhaupt nicht mehr statt. Er hat die Meinungsherrschaft total abgegeben. Er hat seine sozialen Netzwerke gekappt und meldet sich außer einem dürren Statement überhaupt nicht zu Wort. Das ist nicht gut. Er kann die Berichterstattung nicht schlechter machen, wenn er sich selbst zu Wort meldet. Im Gegenteil: Max kann sie nur besser machen. Ich würde an seiner Stelle gesteuert und mit Bedacht in die Offensive gehen. Nicht sauer und nicht wild um sich schlagend, aber er darf die Meinungsherrschaft nicht völlig aus der Hand geben. Es wird überall über ihn gesprochen, aber keiner spricht mit ihm und er spricht auch nicht. Das ist nicht gut.

Die Fragen stellte Lennert Brinkhoff.