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Fußball | Bundesliga Eine Frau an die Macht bei Mainz 05?

Am Sonntag wird bei Mainz 05 schon wieder ein Vorstandsvorsitzender gewählt. Der erst im Mai 2017 gekürte Johannes Kaluza hatte den Posten vor ein paar Wochen aufgegeben. Jetzt könnte Eva-Maria Federhenn seine Nachfolgerin werden. Sie wäre die erste Frau als Chefin eines Bundesligaklubs.

Eva-Maria Federhenn auf der Tribüne von Mainz 05

Eva-Maria Federhenn bewirbt sich um den Vereinsvorsitz beim FSV Mainz 05

Eva-Maria Federhenn hat bereits Erfahrung mit Ehrenämtern im Sport. Sie leitete bei Mainz 05 die Handball-Abteilung, war Hallensprecherin und früher auch aktive Spielerin. Jetzt strebt sie an die Spitze des Klubs, der vor allem durch seine Bundesliga-Mannschaft im Fußball bekannt ist.

Wenige Tage vor der Wahl am kommenden Sonntag spürt Federhenn deutlich das gestiegene Medieninteresse an ihrer Person. Das liegt zum einen am gewohnten Hype um alles, was mit der Fußball-Bundesliga zu tun hat. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass sie als erste Frau die Nummer eins sein könnte bei einem Verein in der ersten Liga. "Warum auch nicht. Ich wundere mich schon darüber, dass das in der heutigen Zeit immer noch so ein großes Thema ist", sagt Federhenn selbst zu diesem Thema.

Kritik an Wechsel vom Aufsichtstrat zum Vorstand

Das Geschlecht wird ihr bei der Wahl wohl kaum ein Nachteil sein, eher schon, dass sie für manche Kritiker als die Wunschkandidatin des machtbewussten Aufsichtsratschefs Detlev Höhne gilt. Momentan sitzt sie selbst in diesem Kontrollgremium. Ihre Gegner befürchten, dass sie als verlängerter Arm des Aufsichtsrats in die Position der Vorstandschefin geschoben werden soll. Böse Zungen sprechen sogar von einer "Marionette" des Aufsichtsrats. Doch das Argument will Federhenn nicht gelten lassen: "Sollte ich gewählt werden, werde ich meine Rolle ändern, werde dann Vereinsvorsitzende und habe dann eine andere Aufgabe, als meine Kollegen im Aufsichtsrat."

Teamplayerin und Friedensstifterin

Die gelernte Bankkauffrau und studierte Juristin, die aktuell bei einer großen Versicherung in Wiesbaden arbeitet, sieht sich als Brückenbauerin. Ein konkretes Wahlprogramm hat sie nicht, stattdessen beschreibt sie ihre Ziele recht allgemein: Sie möchte den Verein wieder "in ruhiges Fahrwasser" führen, "Identifikation stärken, d.h. Fans und Sponsoren an den Verein binden", außerdem die "Marke und die Werte von Mainz 05 wiederentdecken." Wer würde das nicht unterschreiben? Sie möchte es allen recht machen, niemanden vor den Kopf stoßen.

7:05 min

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Interview: Michael Spindler

Eva-Maria Federhenn ist Kandidatin für den Vorsitz bei Mainz 05. Wenn sie am Sonntag gewählt werden sollte, wäre sie die erste Frau, die dieses Amt in der Bundesliga inne hat.

Ein großer Pluspunkt von Eva-Maria Federhenn ist ihre gute Vernetzung im Verein, dem sie seit 23 Jahren angehört. Auch zu den Ultras der Mainzer Fan-Szene hat sie einen guten Draht, einige von ihnen unterstützen auch die Handballerinnen. Bei der Wahl von Johannes Kaluza waren die Ultras das Zünglein an der Waage. Federhenn braucht auch ihre Stimmen.

Zugeständnisse an diese Fangruppe, etwa in Sachen Pyrotechnik, vermeidet sie aber: "Pyrotechnik ist gefährlich und verboten. Aber ich möchte trotzdem mit den Ultras wieder ins Gespräch kommen und Gemeinsamkeiten herausstellen." Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass sie die Fehler ihres unbedarft agierenden Vorgängers Johannes Kaluza vermeiden will, der die Ultras vor der Wahl mehr oder weniger hofiert hat. Gleiches gilt auch bei der Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt, die sie so akzeptieren möchte, wie sie inzwischen in der Satzung festgeschrieben ist.

Keine Wahlprognose

Drei Mitbewerber sind neben Eva-Maria Federhenn noch im Rennen und stellen sich am Sonntag den Mitgliedern zur Wahl. Prognosen über den Wahlausgang vermeidet Federhenn. Eines lässt sich aber ganz sicher vorhersagen: Sollte sie tatsächlich die Wahl gewinnen, wird das Interesse an ihrer Person noch deutlich steigen.