Bitte warten...

Fußball | Bundesliga Bändigt Mainz erneut die Bayern?

Sandro Schwarz hat mit dem FSV Mainz 05 gegen Leverkusen (3:1) seinen ersten Bundesliga-Dreier eingesackt. Jetzt will der Mainzer Trainer eifrig weiter Punkte sammeln, auch wenn ausgerechnet die Herkules-Aufgabe schlechthin wartet.

Thomas Tuchel, Martin Schmidt und Sandro Schwarz (von links)

Thomas Tuchel, Martin Schmidt und Sandro Schwarz (von links)

Die Rheinhessen müssen nämlich am Samstag zum Branchenriesen FC Bayern München reisen. Mainz reist als totaler Außenseiter an. Zudem ist der deutsche Rekordmeister nach der Niederlage bei 1899 Hoffenheim (0:2) angefressen. Was hat das für Auswirkungen auf das Spiel der Schwarz-Elf? 

"Ich kann mir schon vorstellen, dass sie uns ernst nehmen. Sie wissen ja, dass es gegen Mainz extrem unangenehm zu spielen ist. Sie werden sehr scharf sein aufgrund des Ergebnisses gegen Hoffenheim. Zweimal hintereinander wollen die sicher nicht verlieren in der Bundesliga", beschreibt Schwarz die Situation vor seinem ersten Spiel als Trainer gegen den Liga-Krösus. 

Die Statistik sagt: Für Mainz ist etwas drin

Per Brief müssen die Mainzer die Punkte aber nicht nach München schicken. Das beweist die Statistik. Die 05er haben schon zwei Mal in der Allianzarena gewonnen und einmal unentschieden gespielt. Etwas zählbares ist also durchaus zu holen, auch wenn auf der Gegenseite sieben Siege der Bayern zu Buche stehen. Aber das ist ja normal.

"Wir gehen davon aus, dass wir sehr viel leiden müssen. Die Bayern werden viel am Ball sein. Deshalb brauchen wir Schärfe gegen den Ball. Wir brauchen Widerstandsgeist. Wir müssen was aushalten", lautet das Rezept von Coach Schwarz: "Und dann brauchen wir Mut. Ohne uns können sie das Spiel ja nicht anpfeifen."

Tuchel nahm Anleihen in Hollywood

Aber wie geht man die große Herausforderung gegen den Rekordmeister an? Thomas Tuchel ist so was wie der Mainzer Bayernbändiger. Er siegte als 05-Coach insgesamt drei Mal gegen München und spielte einmal unentschieden. Seine allererste Partie 2009 als Trainerfrischling gewann er 2:1, allerdings daheim. Immer zu zweit wurden damals die Bayernangreifer angerannt. Extremes Forechecking war der Plan. Tuchel machte seine Jungs vor dem Spiel heiß. Er zeigte eine Szene aus dem Film "An jedem verdammten Sonntag". Ein Football-Coach, gespielt von Al Pacino, fordert von seinem Team, über sich hinauszuwachsen und den großen Favoriten zu schlagen.

"Wir kämpfen hier um jeden Zentimeter, für ein paar Zentimeter zerreißen wir uns selbst und jeden, der dazu gehört, in Stücke. Wir krallen uns mit den Fingern in die Erde für jeden Zentimeter, weil wir wissen, wenn wir die Zentimeter zusammenzählen, die wir geholt haben, ergibt das am Ende den verdammt wichtigen Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren, mehr noch zwischen Leben und Tod", machte er in dem Film sein Team heiß. Es hat funktioniert, damals 2009.

Auch Schwarz griff schon in die Trickkiste

Und - hat Schwarz nun - im Jahr 2017 - auch so was auf Lager? Für Samstag habe er kein spezielles Motivationsvideo vorbereitet, aber in der Vergangenheit durchaus schon auf solche Hilfe zurückgegriffen, sagte er. Als Trainer von Eschborn hat er vor einer wichtigen Partie Eltern, Frauen und andere Familienmitglieder der Spieler Glückwünsche in eine Kamera sprechen lassen und das Video dann in der Kabine gezeigt. Hat geholfen.

Die bisherigen Mainzer Erfolge hat Schwarz noch sehr gut in Erinnerung. Insgesamt haben die 05er schon vier Mal gegen München gewonnen und drei Mal unentschieden gespielt. Der 38-Jährige hat sich sogar einige Spiele angeguckt: "Ich hab schon mal reingeschaut. Wäre ja bescheuert wenn nicht. Wir können da definitiv was rausnehmen."

Und was hat er gesehen? "Es ist eigentlich immer der gleiche Ansatz, wenn Mainz gegen Bayern spielt. Und das ist eine sehr, sehr stabile Grundordnung", so Schwarz. Und dann braucht man noch viel Mut, eine hohe Effizienz bei der Chancenverwertung und jede Menge Glück. Also einen Sahne-Tag, aber von denen gab es ja schon einige. Punkte sind zu holen. "Freue mich darauf, wie wir uns wehren werden." Sagt Schwarz und schmunzelt.

Von Jan Ebling

Aktuell im SWR