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Fußball | Bayern München Sven Ulreich - mehr als ein Neuer-Ersatz

Seit 2015 ist Sven Ulreich Ersatztorwart beim FC Bayern München. Weil Nationaltorhüter Manuel Neuer seit Monaten verletzt ist, steht der ehemalige VfB-Keeper im Tor und im Fokus.


Das Trainingsgelände des deutschen Rekordmeisters an der Säbener Straße. Sven Ulreich springt über vier auf dem Boden liegende Stangen, dann hebt er ab und versucht, einen strammen Schuss des Torwarttrainers zu entschärfen. Ulreich springt sofort wieder auf. Denn schon kommt der nächste Ball auf sein Tor zugerast. Drei Mal geht das so - dann darf der 29-Jährige kurz durchschnaufen. Trainingsalltag für den Schwaben.

Beleidigungen nach Wechsel

Wir treffen Ulreich nach dem Training im Medienzentrum der Bayern. Er ist gut gelaunt und freut sich über den Besuch aus der schwäbischen Heimat. Schnell kommt die Rede auf seinen Wechsel im Sommer 2015 vom VfB Stuttgart zu den Bayern. Nach der Bekanntgabe hatten sich viele VfB-Fans in den sozialen Netzwerken aufgeregt. Als "Bankdrücker" oder "Verpisser" wurde Ulreich beleidigt.

Das Vertrauen fehlte

Ulreich war verwundert über die Reaktionen. Lange Jahre habe er alles gegeben für den VfB, sagt er im SWR-Gespräch. Seine Mannschaft hätte bis zum letzten Spieltag noch um den Klassenerhalt gekämpft. Aber im Nachhinein zeigt er auch Verständnis für die Fans: Sie wüssten nicht, was hinter den Kulissen abginge, wie die Gespräche mit den Spielern abliefen. Was für die Fans merkwürdig erscheine, sei für ihn ein logischer Schritt gewesen. Denn das Vertrauen der VfB-Verantwortlichen habe gefehlt.

Zwei Jahre FC Bayern - was hat's gebracht?

Es war für ihn als ehemalige Stammtorhüter eine schwierige Situation, sich über ein Jahr auf die Bank zu setzen. Als er bei den Bayern wenig Einsatzzeiten bekam, kamen ihm Gedanken, ob der Schritt zu den Bayern tatsächlich der richtige Weg gewesen sei. Jetzt aber, da er zeigen kann, was er drauf hat, genießt er die Zeit, bis Manuel Neuer nach seiner Verletzungspause wieder zurückkehren wird.

Ulreich scheint mit sich im Reinen. Für ihn überwiegen am Ende die Vorteile des Torwarttrainings in München auf höchstem Niveau. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit Manuel Neuer, dem weltbesten Torhüter. Das ersetze schon fast den regelmäßigen Wettkampf, sagt der gebürtige Schorndorfer.

Freundschaft mit Neuer

Schon das Angebot von Bayern im Jahr 2015 hatte ihn geehrt, aber jetzt freut er sich umso mehr, zeigen zu können, dass er auf hohem Niveau mithalten kann. Wie zuletzt beim Champions League-Spiel bei Celtic Glasgow, als er sogar ein Tor vorbereitete. Bei den Bayern hat Ulreich in allen Bereichen Fortschritte gemacht. Dennoch sieht er immer noch Entwicklungspotenzial bei sich.

Manuel Neuer und Ulrich sind nicht nur Arbeitskollegen; sie verbindet sogar eine Freundschaft. Wenn Ulreich über Neuer redet, gerät er regelrecht ins Schwärmen: "Manu hat einfach eine Gabe, die brutal ist. Er antizipiert die Bälle extrem früh. Manu ist auf einer anderen Ebene, als alle anderen Torhüter auf der Welt."

Alte Liebe VfB

Trotzdem wandert sein Blick immer wieder zurück in seine schwäbische Heimat. Der VfB Stuttgart werde immer sein Herzensverein bleiben, weil er einen großen Stellenwert in seinem Leben hat, betont Ulreich. Er verbachte seine ganze Kindheit dort und seine Anfangsjahre als Profi. Die Spiele der Stuttgarter verfolgt er immer noch regelmäßig und drückt aus der Ferne die Daumen.

Und wenn Neuer zurückkommt?

Den Gedanken an Neuers Rückkehr schiebt er ein bisschen von sich weg. Er genieße jetzt erst einmal die Spiele, die er vor sich hat. Eine Rückkehr auf die Bank stellt er sich aber auch schwierig vor, bekennt er. Sein Vertrag bei den Bayern läuft im Juni 2018 aus. Was dann passiert? Ulreich hat auf jeden Fall Blut geleckt. Der Kick zwischen den Pfosten ist bei Spielen eben doch intensiver als beim Training.