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Fußball | 1899 Hoffenheim Nadiem Amiri - der Straßenkicker

"Jugend forsch" heißt es nicht erst seit dieser Saison bei 1899 Hoffenheim. Mit Niklas Süle, Jeremy Toljan, Nadiem Amiri, Philipp Ochs und Baris Atik standen zeitweise gleich fünf Eigengewächse im Bundesligateam. Dabei hat sich vor allem Nadiem Amiri prächtig entwickelt.

Nadiem Amiri mit seinen Brüdern und André Schürrle in Fußballklamotten vor einer Umkleide

Nadiem Amiri (vorne) gemeinsam mit André Schürrle (re.) beim Ludwigshafener SC

Ein kleiner Bolzplatz im Ludwigshafener Stadtteil Mundenheim. Hier hat alles begonnen. Hier auf dem Steinboden trickste und übte der kleine Nadiem Amiri tagtäglich für seine Fußballkarriere. "Ich wollte schon damals immer der Beste sein und habe es gehasst zu verlieren", sagt der heute 20-jährige gebürtige Ludwigshafener, dessen Eltern aus Afghanistan stammen, "ich bin immer mit dem Ziel hingegangen, auch zu gewinnen".

Zwischen seinen älteren Brüdern und deren Fußballkumpels war er oft der Kleinste. Das hat geholfen, sich durchzusetzen. Zunächst bei seinem ersten Verein, beim Ludwigshafener SC, wo er auch den späteren Weltmeister Andre Schürrle kennenlernte, der mit Nadiems Bruder Nauwid in einer Jugendmannschaft spielte.

1:50 min

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Fußball | 1899 Hoffenheim

Auf den Spuren von Nadiem Amiri

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Nadiem Amiri hat sich bei 1899 Hoffenheim ins Rampenlicht gespielt. Sein erster Mentor war Nauwid Amiri. Der Landesliga-Fußballer spricht über das Talent seine berühmten Bruders.

Von Alexander Rosen auf dem Waldhof entdeckt

Der unbedingte Siegeswille ist geblieben. Auch im Trikot des 1.FC Kaiserslautern und des SV Waldhof. Den beiden Zwischenstationen, ehe Nadiem Amiri 2012 vom damaligen Hoffenheimer Jugendkoordinator Alexander Rosen bei einem Spiel der Mannheimer begutachtet und sofort in den Kraichgau geholt wurde. Der damals 15-Jährige hatte auch viele andere Anfragen, von Hoffenheim aber war er "am meisten beeindruckt, vor allem von den Trainingsmöglichkeiten". Keine schlechte Entscheidung, für beide Seiten. Nadiem Amiri entwickelte sich vor allem unter dem damaligen 1899-Jugendtrainer Julian Nagelsmann in gewaltigen Schritten, wurde Jugendnationalspieler für Deutschland und Deutscher Meister mit den Hoffenheimer A-Junioren.

"Ich bin ein Straßenfußballer"

 Nadiem Amiri von der TSG 1899 Hoffenheim jubelt nach einem Treffer

Amiri hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt: Eines Tages in der Bundesliga spielen

Seit 2014 ist Nadiem Amiri Profi und inzwischen aus der Bundesligamannschaft von 1899 nicht mehr wegzudenken. "Mein Kindheitstraum ist wahr geworden", sagt der ebenso dynamische wie technisch starke Mittelfeldspieler, "als ich klein war, habe ich jeden Tag im Fernsehen Bundesliga geguckt, alle Spiele, alle Wiederholungen." Inzwischen stand der aktuelle U-21-Nationalspieler in 47 Bundesligaspielen selbst auf dem Rasen. Am liebsten "auf der Zehn", so Amiri, "da kann ich die freien Räume suchen und da reingehen". Auch Julian Nagelsmann, der ihm letztes Jahr als Trainer in die Bundesliga folgte, ist voll des Lobs über sein Mittelfeld-Juwel: "Manchmal will er zwar noch zu viel", die Balance zwischen seinen Emotionen und der taktischen Ruhe und Disziplin werde aber immer besser. "Ich versuche Straßenfußball zu spielen wie früher, ich habe Herz", sagt Nadiem Amiri über sich selbst.

Von der Konkurrenz heiß begehrt

Noch wohnt Nadiem Amiri bei seinen Eltern in Ludwigshafen. Sie sind vor knapp 30 Jahren vor dem Krieg aus Afghanistan geflüchtet und haben sich in Deutschland bestens integriert. Amiris überragendes Talent hat längst aber auch die Bundesliga-Konkurrenz aufmerksam gemacht. Letzten Sommer wollte RB Leipzig den Temperamentsbolzen aus seinem bis 2018 laufenden Vertrag mit den Hoffenheimern heraus kaufen. Ohne Erfolg. Klar, dass 1899 vielmehr den Kontrakt mit ihm vorzeitig verlängern möchte. Gespräche sind bereits angelaufen.

In jedem Fall hat Nadiem Amiri sein einstiges Ludwigshafener Idol wiedergetroffen, in der Bundesliga. Sein Jugendfreund Andre Schürrle spielt nach Stationen in Mainz, Chelsea und Wolfsburg inzwischen für Borussia Dortmund: "Dass wir uns mal in der Bundesliga gegenüberstehen, hätte ich auch nie gedacht..."