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Fußball | 1. FC Kaiserslautern Mit Brezeln und Investor in die Bundesliga

Sparen und Geldgeber suchen. Mit diesem Plan gehen die FCK-Verantwortlichen in das neue Jahr. Sollte das Konzept perfekt aufgehen, könnte den Pfälzern schon in zwei Jahren der Aufstieg gelingen.

Thomas Gries, Michael Klatt

Der Plan ist klar: Die FCK-Vorstände Thomas Gries (l.) und Michael Klatt suchen einen großen Investor

Wurstbrötchen gibt es im Presseraum keine mehr. Stattdessen nur noch Brezeln als sichtbares Zeichen eines rigorosen Sparprogramms. Finanzvorstand Michael Klatt dreht jeden einzelnen Euro beim 1. FC Kaiserslautern persönlich um. Auch das Vertrauen in die eigene Arbeit scheint bei ihm und FCK-Vorstandschef Thomas Gries deutlich größer zu sein, als bei ihren Vorgängern Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt.

Denn Klatt und Gries brauchen offenbar keine externen Rechts- und Wirtschaftsgutachter mehr, die den klammen Verein in den vergangenen Jahren Hunderttausende gekostet haben. Insgesamt hat der neue Vorstand die laufenden Kosten schon um rund eine Million Euro gesenkt.

FCK-Strukturen nicht "zweitligakompatibel"

Dennoch schwebt das Szenario "Regionalliga" über dem Pfälzer Traditionsverein. Spätestens seitdem die FCK-Vorstände dieses Wort selbst in den Mund genommen haben, ist es in jeder FCK-Seele schmerzhaft eingraviert. Das Problem: Die Strukturen in Kaiserslautern sind nicht zweitligakompatibel. Das Stadion verschlingt jedes Jahr durch Miete, Unterhaltung und Betrieb mindestens neun Millionen Euro. Auch das Nachwuchsleistungszentrum kostete in der Ära Kuntz fast fünf Millionen Euro pro Saison.

Alleine durch die Kosten der Lauterer WM-Arena ist der Verein auf Dauer in der 2. Bundesliga nicht mehr konkurrenzfähig. Erst recht, wenn kaum noch mehr als 20.000 Zuschauer zu den weniger attraktiven Spielen kommen und die teuren VIP-Sitze und Logen immer leerer werden. Rahmenbedingungen, die irgendwann in die Insolvenz und die Regionalliga führen.

Investorensuche hat begonnen

Der Vorstandsvorsitzende, Thomas Gries, sieht nur einen Ausweg: Einen Investor zu finden, der bereit ist, jedes Jahr zwischen zehn und zwölf Millionen Euro in den FCK zu pumpen. "Wir wollen einen seriösen Partner, nichts Flüchtiges", sagt Gries. Die weltweite Suche hat gerade erst begonnen, bis die entsprechenden Verträge eingetütet sind, dauert es mindestens noch ein Jahr. "Das ist ein Mammut-Projekt für den FCK", sagt Finanzchef Klatt, "und wenn wir nicht sicher wären, dass wir einen Investor finden, dann hätten wir hier gar nicht erst angefangen."

Das Problem: Eine traditionsverliebte Mitgliederschaft, die zu großen Teilen einen Investor und die damit verbundene Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Verein mindestens genauso scheut wie die Übernahme des Vereinswappens von Bayern München.

Was tun mit den Fananleihen?

Mitte 2019 muss der FCK rund sechs Millionen Euro Fananleihe zurückzahlen. Geld, das sich der Verein 2013 von seinen Fans geliehen hat. Geld, das mittlerweile komplett aufgebraucht ist und in der vergangen Saison das Minus von 2,6 Millionen Euro gerade noch so erträglich machte. Aus dem laufenden Etat wird die Rückzahlung nicht möglich sein, die alte mit einer neuen Fananleihe zu finanzieren wäre sicher wenig vertrauenswürdig.

Der FCK-Vorstand hat deshalb eine andere Vision: Gemeinsam mit einem Investor könnten FCK-Fans Anteile am Verein erwerben, vielleicht sogar mit dem FCK gemeinsam das Fritz-Walter-Stadion von der Stadt Kaiserslautern zurückkaufen. Und damit auch die Anleihen zurückzahlen.

Positive Entwicklung bei Sponsorengeldern

Und was passiert, wenn kein Investor Geld in den klammen Traditionsverein stecken will? "Wir haben auch einen Plan B und werden nicht den Betzenberg hinunter kullern. Wir wissen, was auf dem Spiel steht", sagt Vorstandschef Gries.

Tatsächlich gibt es auch positive Entwicklungen beim FCK. Nach Gries' Angaben habe der Verein seine Sponsorenerlöse in diesem Jahr deutlich steigern können. Der Drei-Millionen-Kredit der Firma Quattrex Sports AG ist noch nicht aufgebraucht. Der Pfälzer könnten sogar noch neue Spieler in der Winterpause verpflichten.

Drei-Jahres-Plan: konsolidieren, angreifen, aufsteigen

Aber auch Sportdirektor Uwe Stöver fährt ein konsequentes Sparprogramm. Die Zeiten, in denen beim 1. FC Kaiserslautern in der Profimannschaft und der U23 rund 60 Spieler auf der Lohnliste standen, sind vorbei. Für die nächste Saison sind bei den Profis nur 17 bis 18 Feldspieler und drei Torhüter eingeplant, dazu noch vier Talente.

"Wir wollen die Quantität verringern, aber die Qualität steigern", sagt Uwe Stöver. Mit dieser Taktik will er seinen Drei-Jahresplan umsetzen: Diese Saison sportlich konsolidieren, nächste Saison wieder oben angreifen und ein Jahr später in die Bundesliga aufsteigen.

Talente sollen mehr Geld bringen

Natürlich weiß auch der Sportchef, dass er das nur mit einer Erhöhung seines Budgets schaffen wird. Die Grundlagen dafür hat er selbst gelegt: Fast alle Profis, die er zum FCK geholt hat, bekommen nur dann Punktprämien, wenn der FCK in der Tabelle einen bestimmten Platz einnimmt. Aber noch viel wichtiger: Gute junge Spieler, die den Verein verlassen, sollen künftig mehr Geld in die leere Kasse spülen. Nicht ohne Stolz sagt Stöver: "In den meisten Fällen, in denen Spieler Ausstiegsklauseln in den Verträgen haben, bestimmen wir selbst die Ablösesumme."

Schwierige Zeiten in Kaiserslautern und trotzdem hat der neue Trainer Norbert Meier bis Saisonende 2018 unterschrieben. Die wirtschaftliche Schieflage des Traditionsvereins habe ihn davon nicht abgehalten, auch nicht die Brezeln im Presseraum, sagt Meier: "Damals als ich in Düsseldorf als Trainer anfing haben wir unsere Brötchen noch selbst geschmiert." Wo das endete ist bekannt: in der Bundesliga.