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FSV Mainz 05 | Kommentar Wir sind doch kein Karnevalsverein!

Beim FSV Mainz 05 herrscht weiter Unruhe: Der neue Präsident Johannes Kaluza steht vor dem Abflug - er will nach Kritik an seiner Person und seiner Amtsführung den Weg für Neuwahlen freimachen. Eine richtige Entscheidung, findet SWR-Sportredakteur Stephan Mai.

Johannes Kaluza steht beim FSV Mainz 05 im Kreuzfeuer der Kritik

Johannes Kaluza steht beim FSV Mainz 05 im Kreuzfeuer der Kritik

Er ist ein optisch auffälliger Mensch: Johannes Kaluza, der Vorstandsvorsitzende des FSV Mainz 05, Nachfolger des demontierten Dauerpräsidenten Harald Strutz. Mit seiner leuchtend roten Hose und der Brille mit dem dicken schwarzen Rahmen sticht der Unternehmer am Spielfeldrand schnell heraus.

Präsident der 05er wurde Kaluza, weil er die Stimmung gegen Strutz, den viele im Verein plötzlich - nach 28 jähriger Präsidentschaft - als "Abzocker" abstempelten, zu seinen Gunsten nutzte. Blumig und emotional erklärte Kaluza damals, dass er das Amt ehrenamtlich ausführen wolle. Und es gelang ihm, die im Verein plötzlich erstarkten Ultras reihenweise hinter sich zu scharen. Sätze gegen die Retorten-Klubs 1899 Hoffenheim und RB Leipzig und gegen den kommerziellen Fußball im Allgemeinen taten ein übriges, um die Stimmung vollends auf seine Seite zu drehen. Dass Mainz 05 in dieser kommerziellen Fußballwelt erfolgreich mit schwimmt? Was soll's?

Ein Präsident im Selfie-Rausch

Eine von Kaluzas ersten Amtshandlungen: Er besuchte seine Idole mit den Stollen am Fuß im Trainingslager. Die mitgereisten Fans rieben sich verwundert die Augen, als er sich auf dem Trainingsplatz - Arm im Arm mit René Adler - selbst ablichtete. Ein Präsident im Selfie-Rausch mit seinen Idolen. Nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass viele im Verein verwundert waren.

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Auch bei den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle verlor der neue Präsident schnell sein Standing. Ambivalente Äußerungen - die Zukunft, die Professionalität und die Konkurrenz betreffend - sorgten für schlechte Stimmung. Im Verein ist man ebenfalls wenig begeistert von Kaluzas Rolle rückwärts - mit seiner plötzlichen Forderung nach einer "Bezahlung" seines Ehrenamtes in Form von Verdienstausfall, Spesen und Dienstwagen. Nach vier Monaten als Präsident hat Kaluza offensichtlich festgestellt, dass das Ehrenamt mit all den Reisen und der vielen Zeit, die man im Vereinsnamen unterwegs sein muss, teuer ist.

Vorstand und Geschäftsführung platzte nun wohl der Kragen

Berechtigt oder nicht, es war vom Boss der 05er wieder ungeschickt eingefädelt: Laut und vor allem öffentlich. Vorstand und Geschäftsführung platzte nun wohl der Kragen. Eine Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich. Am Donnerstag hat man ihn nun zum Rücktritt aufgefordert. Sein Verhalten sei vereinsschädigend, wirft man ihm hinter vorgehaltener Hand vor. Nun endlich reagiert Kaluza wie ein Profi: Neuwahlen will er nicht im Wege stehen.