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FSV Mainz 05 | Kommentar Mainz 05 und Martin Schmidt – Trennung auf Augenhöhe

Der FSV Mainz 05 und Trainer Martin Schmidt gehen ab sofort getrennte Wege. Nach einer schwachen Saison, aus der die Rheinhessen mit einem blauen Auge herauskamen, ist das Ende der über zweijährigen Zusammenarbeit der richtige Schritt, meint SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.

Martin Schmidt (li.) und Rouven Schröder

Martin Schmidt (li.) und Rouven Schröder

Jetzt den Schlussstrich zu ziehen ist richtig. Schmidts Verhältnis zur Mannschaft scheint abgenutzt. Zudem fehlte dem Schweizer offensichtlich der oft zitierte "Plan B" neben dem schnellen Umschaltfußball. Wenn Mainz 05 das Spiel machen musste, lief in den allermeisten Fällen offensiv nicht viel zusammen und es wirkte, als ob der Mannschaft dafür die Mechanismen fehlen.

Respektable Bilanz

Trotzdem weist der Schweizer eine respektable Bilanz auf. Schmidt übernahm das Traineramt bei den Rheinhessen im Februar 2015. Er führte den damals abstiegsgefährdeten Klub souverän zum Klassenerhalt und in der Folgesaison sogar nach Europa. Als Resultat seiner dritten Spielzeit steht erneut die Rettung – trotz der Doppelbelastung durch die Europa League. Und obwohl er Leistungsträger wie Loris Karius (zum FC Liverpool im vergangenen Sommer) und Yunus Malli (in der Winterpause zum VfL Wolfsburg) ziehen lassen musste und die Mainzer Verantwortlichen bei der Wahl der Neuzugänge keinen adäquaten Ersatz für die Schlüsselspieler finden konnten.

Schmidt geht also unbeschädigt und hat auf dem Trainer-Markt dadurch immer noch einen guten Namen. Dass er bei Klubs wie Bayer Leverkusen gehandelt wird, ist kein Zufall.

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Trainersuche bei Mainz 05

Martin Schmidt ist weg - wer macht´s?

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Der bisherige U-23-Trainer Sandro Schwarz wäre die interne Lösung. Er gab bereits bekannt, dass er die U23 nicht mehr trainieren wird. Ein Gespräch mit Sportvorstand Rouven Schröder steht derweil noch aus.

Der bisherige U-23-Trainer Sandro Schwarz wäre die interne Lösung. Er gab bereits bekannt, dass er die U23 nicht mehr trainieren wird. Ein Gespräch mit Sportvorstand Rouven Schröder steht derweil noch aus.

Ein weiterer Kandidat wäre Frank Kramer. Rouven Schröder (Sportvorstand Mainz 05) kennt ihn noch aus gemeinsamen Zeiten bei Greuther Fürth. Kramers Arbeitspapier als U-19-Trainer der DFB-Junioren läuft am 30.06.2017 aus.

Eine gemeinsame Vergangenheit hat Schröder auch mit Viktor Skripnik. Zwei Jahre lang war der Ukrainer Trainer der Profis von Werder Bremen. Direktor für den Profifußball war in dieser Zeit Rouven Schröder. Ob Skripnik nach Mainz passt, ist allerdings eine andere Frage.

Dirk Schuster ist derzeit ohne Job. Zumindest in Darmstadt zeigte er, dass er auch mit relativ kleinem Etat Großes erreichen konnte. Wieso also nicht mit einem größeren Etat in Mainz?

Aktuell Huddersfield Town. Bald schon in Mainz? Eine weitere Option für die Trainerposition ist David Wagner. Der gebürtige Hesse spielt eine gute Saison mit dem englischen Zweitligisten. Allerdings hätte Wagner in Mainz quasi ein Heimspiel - früher lief er für die Rheinhessen auf.

Unter Andre Schubert spielte Gladbach international. Dies könnte er mit Mainz ebenfalls in Angriff nehmen. Mit dem ambitionierten Schubert könnte man Europa möglicherweise realisieren.

Lucien Favre liebäugelt mit einem erneuten Wechsel in die Bundesliga. Der Coach von Nizza kennt sich in der Bundesliga bestens aus. Ob der FSV Mainz 05 den Ansprüchen des Schweizers genügen würde, kann er wohl nur selbst beantworten.

Er kann Mainz. Thomas Tuchel wird wohl in der kommenden Saison nicht mehr auf dem Trainerstuhl in Dortmund sitzen. Ist Mainz eine Option? Wohl eher nicht. Der Erfolgscoach will international spielen. Zudem lief sein Abgang 2014 nicht geräuschlos ab.

Falls es mit Liverpool nicht für die Champions League reichen sollte: Jürgen Klopp ist in Mainz immer willkommen. Doch das ist wohl eher eine Wunschvorstellung eines jeden Mainzer Fans.

Der "Mainzer Weg" erweist sich als richtig

Doch auch Mainz 05 gibt ein gutes Bild ab. Die Verantwortlichen um Sportdirektor Rouven Schröder ehrt es, dass sie den vielbeschworenen "Mainzer Weg" beibehalten und sich selbst in der tiefen sportlichen Krise nicht vom Coach getrennt haben, wie es wohl die allermeisten Bundesligisten in einer vergleichbaren Lage getan hätten. Der Erfolg gibt Schröder und Co. letztlich recht und zeigt einmal mehr, dass die Uhren bei Mainz 05 tatsächlich noch ein wenig anders ticken.

Für Mainz 05 gilt es jetzt, den Rückenwind aus dem Saisonfinale, als Stadt und Region hinter dem Klub standen, mit in die neue Saison zu nehmen. Und einen neuen Trainer zu finden, der zusätzlich für Schwung sorgt. Vielleicht werden die Rheinhessen ja erneut im eigenen Haus fündig. Mit Sandro Schwarz, dem bisherigen Coach der U23, stünde ein vielversprechender  Nachfolger bereit.

Autor: Johann Schicklinski