Triathletin Laura Philipp gewinnt den Ironman in KlagenfurtÖsterreich. (Foto: IMAGO, IMAGO / GEPA pictures)

Zwei Weltmeisterschaften im Blick

Triathletin Laura Philipp - die "Ironwoman" und ihr besonderes Training

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REDAKTEUR/IN
Kira Rutkowski

Laura Philipp aus Heidelberg ist Ironman-Europameisterin. 2022 stehen für sie mit den Rennen in den USA und auf Hawaii gleich zwei Weltmeisterschaften an. Dabei ist sie eine der wenigen Sportlerinnen, die zyklusbasiert trainieren.

Ein Ironman verlangt von den Sportlern und Sportlerinnen eigentlich Unglaubliches: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und danach noch einen Marathon mit mehr als 42 Kilometern. Die Belastungen sind enorm hoch. Laura Philipp weiß, dass der Leistungssport ihren Körper stresst. In der Vorbereitung auf den legendären Ironman auf Hawaii 2019, bei dem sie als Vierte das Podium nur knapp verfehlte, merkte sie das ganz konkret: Ihr Menstruationszyklus wurde unregelmäßig.

Training an Zyklusphasen angepasst

Laura Philipp entschied deshalb, ihr Training umzustellen. Sie gehört nun zu den wenigen Spitzen-Sportlerinnen, die zyklusbasiert trainieren. Heißt: Sie hat den Trainingsplan an ihren Menstruationszyklus angepasst. "Insgesamt hat das auch dazu geführt, dass ich meinen Körper weniger stresse. Ich weiß mittlerweile genau, in der ersten Zyklushälfte kann ich richtig trommeln und Gas geben, und in der zweiten gehe ich einfach ein bisschen achtsamer mit meinem Körper um."

Frauen-Gesundheit im Leistungssport

Das Problem: Viele Spitzen-Sportlerinnen haben durch die hohen Belastungen einen unregelmäßigen oder gar keinen Zyklus mehr, berichtet die 34-Jährige. "Was ich einfach traurig finde, ist, dass es tatsächlich nach wie vor ein Tabuthema ist, dass Menschen oder vor allem Frauen selbst auch so ein Problem haben, darüber zu sprechen und Männer sich häufig gar nicht dafür interessieren." Gerade im Sport, wo Sportlerinnen häufig von Trainern und nicht von Trainerinnen betreut werden, sei das einfach total schwierig. "Was mich ärgert ist, dass wir Frauen generell einfach so wenig Informationen zu unserem Körper und eben auch zu unserem Zyklus bekommen." Was neben der Information und Aufklärung für die Sportlerinnen noch fehle, seien Trainer und Trainerinnen, die sich diesem Thema annehmen, damit Mädchen und junge Frauen nicht wie Jungs oder junge Männer trainiert würden.

Zyklus als "Gesundheitszeichen"

Mit ganz viel eigener Recherche hat sich die ausgebildete Physiotherapeutin in das Thema zyklusbasiertes Training eingearbeitet und mittlerweile sei der regelmäßige Zyklus ein "Gesundheitszeugnis" für sie. Aber genau das, der Zyklus als Zeichen von Gesundheit, werde im Leistungssport zu wenig beachtet, sagt sie: "Ich hoffe, dass ich diese Message eben auch an andere Frauen weitergeben kann, dass es lohnenswert ist, sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen und dann eben mit ihm zu arbeiten statt ständig gegen ihn."

Mittlerweile sei sie in der Lage, erzählt sie, in jeder Phase Top-Leistungen abzurufen: "Also diese krassen Schwankungen, die ich anfangs mal hatte, die habe ich nicht mehr." Und Laura Philipp unterstützt ihren Körper je nach Zyklusphase gezielt über die Ernährung, über viel trinken, Magnesium oder Omega-3-Fettsäuren. "Wenn ich merke, dass sich eine Einheit einfach gerade überhaupt nicht gut anfühlt, dann habe ich mittlerweile auch das Selbstvertrauen und die Stärke zu sagen 'Okay, hier gehe ich jetzt einen Schritt zurück'. Ich erzwinge nichts und weiß einfach, dass die eine Einheit auch nicht ausschlaggebend sein wird für das große Endergebnis."

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Die Trainerperspektive: Mehr Aufwand

Philipp Seipp, Laura Philipps Trainer und Ehemann, betreut neben ihr noch neun weitere Profis - darunter auch weitere Athletinnen. Zum zyklusbasierten Training kam er durch Laura Philipp. Und selbst wenn die Studienlage in Deutschland noch sehr rar ist, zählen für ihn seine Erfahrungswerte: "Ich weiß, dass Athleten sich besser entwickeln, je gesünder sie sind. Das trifft übrigens auch auf Männer zu, also das trifft auf jeden zu." Eine "schonungslos, offene Kommunikation" zwischen Trainer und Athletin sei das Allerwichtigste. Natürlich sei das für ihn als Trainer auch aufwendig, weil es immer um sehr individuelle Wege gehe. "Das Training sieht bei Laura anders aus als zum Beispiel bei einer Mountainbikerin, die bei mir trainiert. Im Endeffekt bahnen wir individuelle Wege zu mehr Gesundheit, und bisher war es in jedem Fall so, dass auch mehr Leistung hinten herauskam."

Teil der Leistungsentwicklung

Seitdem Laura Philipp zyklusbasiert trainiert, hat sie auch größeres Vertrauen in den eigenen Körper und mehr innere Stärke bekommen. Für sie ist es auch Teil ihres Erfolgs, weil es ein Teil ihrer Gesundheit ist. "Einen gesund funktionierenden natürlichen Zyklus zu haben, ist einfach so wichtig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit, vor allem für die Knochengesundheit." Sie hofft, dass sich mehr Frauen und auch Männer mit dem Thema beschäftigen. Sie sieht die Sportwelt am Beginn von einer spannenden Zeit, die vielleicht auch mehr Leistungsentwicklung bringen wird.

Schafft sie es auf Hawaii unter die ersten Drei?

2021 war für Laura Philipp mit dem Gewinn der Europameisterschaft und einem überlegenen Sieg beim Ironman in Österreich nur fünf Wochen später ein sehr erfolgreiches Jahr. 2022 will sie ihre Stärke erneut unter Beweis stellen: Weil der Ironman-Hawaii 2021 coronabedingt nicht stattfand, gibt es in diesem Jahr gleich zwei Weltmeisterschaften und Laura Philipp freut sich, dass sie zweimal die Chance hat, sich mit den Besten zu messen. Das vergangene Jahr habe ihr neues Selbstvertrauen auf der Langdistanz gegeben, erzählt sie. Und wenn sie dort gesund an die Startlinie geht, würde sie natürlich sehr gerne den vierten Platz von 2019 verbessern und den Sprung auf das Podium schaffen.

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