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Frauen-Bundesliga | Laura Benkarth Vom Maracana ins Möslestadion

In Rio gewann Torfrau Laura Benkarth vor 75.000 Fußballfans im legendären Maracana-Stadion Olympia-Gold. Jetzt hat sie der Liga-Alltag wieder.

Laura Benkarth im Tor

Laura Benkarth ist die Nummer eins im Tor des SC Freiburg

Nun hält die Nationalspielerin des SC Freiburg ihren Kasten wieder vor deutlich kleinerer Kulisse sauber. Im SWR-Interview spricht Laura Benkarth über die Erinnerungen an Rio, den Saisonstart in der Frauen-Bundesliga und ihre Verbundenheit zur Stadt Freiburg.

SWR Sport: Laura Benkarth, vor fast fünf Wochen sind Sie in Rio Olympiasiegerin geworden. Welchen Platz haben Sie für ihre Goldmedaille gefunden?
Laura Benkarth: Ich habe ein kleines Schränkchen mit Glasscheibe zuhause. Da sind meine Medaillen drin. Und dort befindet sich auch meine Goldmedaille aus Rio. Gut aufbewahrt.

Wie häufig denken Sie noch an die Zeit in Rio zurück?
Es ist ja noch nicht so lange her, darum redet man ab und zu auch noch darüber. Dann werden die Erinnerungen wieder präsent.

Das Finalspiel fand im legendären Maracana-Stadion vor 75.000 Zuschauern statt. Wie schwer fällt da die Umstellung auf den normalen Bundesligabetrieb?
Klar ist es eine Umstellung, weil wir viel weniger Zuschauer in der Bundesliga haben (In der Saison 2015/16 sahen im Schnitt 914 Zuschauer die Heimspiele des SC Freiburg/d.R.). Aber das kann man auch nicht ganz vergleichen. Bei einem Turnier ist es natürlich immer etwas anderes als in der Saison. Aber man spielt trotzdem Fußball und freut sich darauf, dass die Saison wieder losgeht. Deswegen war das jetzt nicht die wahnsinnige Umstellung.

Laura Benkarth wurde 1992 in Freiburg geboren und spielt seit 2008 für den SC Freiburg. Sie ist die Nummer eins im Tor und Kapitänin der Mannschaft. 2008 debütierte sie für die U-16-Nationalmannschaft. Nach dem EM-Titel 2013 feierte sie den bisher größten Erfolg ihrer Karriere am 20. August 2016 mit dem 2:1-Sieg gegen Schweden im olympischen Fußballfinale in Rio.

Nach dem Erfolg bei den Olympischen Spielen hatten Sie einen sehr guten Start in der Bundesliga. Der SC Freiburg steht nach dem 3. Spieltag auf Tabellenplatz zwei hinter Turbine Potsdam. Welche Erklärung haben Sie für den guten Saisonstart?
Ein sicherlich wichtiger Faktor ist, dass die Mannschaft größtenteils zusammen geblieben ist. Davor war es oft so, dass wir sehr viele Ab- und Neuzugänge hatten. Jetzt sind wir mit der Stammelf zusammen geblieben und haben sogar noch ein paar Verstärkungen dazu bekommen. Das merkt man in der Vorbereitung. Wenn sich die Mannschaft schon kennt, kann man von Anfang an ganz anders arbeiten.

Sie spielen schon seit 2008 für den SC Freiburg, sind also fast ein SC-Urgestein. Warum hat es Sie nie zu einem der sogenannten großen Verein im Frauenfußball gezogen?
Ich bin in Freiburg geboren, meine Familie ist hier, ich kann hier spielen und konnte mich hier bisher immer gut entwickeln. Deswegen gab es für mich nie einen Grund zu wechseln. Ich fühle mich hier sehr wohl. Außerdem nimmt der Verein auch eine gute Entwicklung. Das sieht man am Saisonstart, auch wenn die Saison noch lange ist. Aber man merkt, wie sich die Mannschaft weiterentwickelt und das macht einfach Spaß.

Am Samstag spielt der SC Freiburg gegen den 1. FFC Frankfurt, ein klangvoller Name im deutschen Frauenfußball. Wie zuversichtlich sind Sie, den guten Saisonstart fortsetzen zu können?
Wir sind guter Dinge. Wir denken immer von Spiel zu Spiel und wollen natürlich jedes gewinnen. Auch wenn Frankfurt ein paar Abgänge hatte, haben sie immer noch eine super Mannschaft, wenn man sich die erste Elf anguckt. Deswegen wird es auf jeden Fall ein schweres Spiel. Wenn wir aber wieder unsere Leistung zeigen können, spricht nichts dagegen, dass wir die Punkte in Freiburg behalten können.

Auch Ihre männlichen Kollegen des SC Freiburg spielen am Samstag gegen Frankfurt. Wie intensiv ist eigentlich der Kontakt zwischen den SC-Frauen und SC-Männern?
Zwischen den zwei Mannschaften besteht kein Kontakt.

Woran liegt das?
Das weiß ich nicht genau. Wir gucken natürlich ab und zu bei deren Spielen zu, und da ich Freiburgerin bin, ist der SC natürlich auch mein Verein. Dass wir keinen Kontakt mit den Männern haben, liegt vielleicht daran, dass wir räumlich getrennt sind. Die Männer sind im Schwarzwaldstadion, wir dagegen im Schönberg- oder Möslestadion. Deswegen läuft man sich nicht einfach mal über den Weg.

Das Interview führte Sven Hauser.

TV-Tipp: Ausschnitte von der Partie SC Freiburg - 1. FFC Frankfurt gibt's am Samstag, 1.10., in "Landesschau Aktuell" ab 19.45 Uhr im SWR Fernsehen BW.