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Ein bundesweiter Zusammenschluss der deutschen Fanszenen hat scharfe Kritik an einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Profifußball geäußert. Dies sei "blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft".

Eine Fortsetzung mit Geisterspielen sei "nicht vertretbar - schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung", erklärten die Fans am Donnerstag in einer Stellungnahme: "Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft. Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne."

Die Stellungnahme wurde mit "Fanszenen Deutschlands im April 2020" unterschrieben. Sie erschien unter anderem auf den Websites der Ultra-Gruppierungen "Commando Cannstatt" (VfB Stuttgart), "Corrillo Ultras" (SC Freiburg), "ULTRA1894" (Karlsruher SC) und "Fanatico Boys" (1. FC Heidenheim).

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Die Ultra-Szene des Bundesligisten FSV Mainz 05 beteiligt sich nicht aktiv an dem Zusammenschluss, aber auch in Mainz gibt es viele Diskussionen, wie der Leiter der Fanabteilung, Alex Schulz, sagt. Er hatte in den letzten Wochen gerade aufgrund vieler sozialer Aktionen rund um Mainz 05 viel Kontakt mit Fans der Rheinhessen. „Alle sagen, dass so sehr sie den Fußball vermissen, so hoch hängen sie auch die Gesundheit aller Menschen. Es kann im Fußball erst weitergehen, wenn diese sichergestellt ist.“ Auch in Mainz wird es kritisch gesehen, wenn der Fußball eine Sonderposition in der Gesellschaft einnehmen sollte. Auch wenn alle großes Verständnis und Mitgefühl für die Mitarbeiter auf der 05er-Geschäftsstelle und die vielen, teils geringfügig Beschäftigten, rund um den Verein haben, so wissen auch alle, dass es viele andere Berufszweige gibt, in denen Menschen ebenfalls Existenzängste haben. „Solange es keine gesamtgesellschaftlichen Lösungen gibt, kann der Fußball da nicht vorausgehen“, so Schulz.

Markus Söder hält Fortsetzung ohne Zuschauer für denkbar

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) berät am 23. April erneut über mögliche Szenarien zur Wiederaufnahme der Saison. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Donnerstag bereits erklärt, dass er eine Fortsetzung ohne Zuschauer für denkbar hält. Da die öffentlichen Restriktionen vorerst bis zum 3. Mai verlängert wurden, könnte der Ball im besten Fall wohl ab dem 8. Mai wieder rollen.

Fanszenen: "Keine Lex Bundesliga"

Die Fanszenen sehen eine Sonderstellung des Fußballs in der Corona-Krise allerdings kritisch. "In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken", hieß es weiter in dem Statement. Eine Lex Bundesliga dürfe es nicht geben.

Im bundesweiten Fanszenen Deutschland-Zusammenschluss sind weite Teile der deutschen Ultraszene organisiert.

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