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Fan-Gewalt | Meinung Der Sicherheitsgipfel war kein großer Wurf

Mit viel Lärm hat Innenminister Thomas Strobl (CDU) seinen Sicherheitsgipfel gegen Fan-Gewalt angekündigt. Doch SWR-Sportreporter Martin Thiel hält die Ergebnisse für viel zu vage.

Fans des Karlsruher SC zünden Pyrotechnik im Fanblock vor Spielbeginn.

Die Derby-Krawalle einiger KSC-Fans waren Auslöser für für Strobls Sicherheitsgipfel

Ein großer Schritt gegen Gewalt und Ausschreitungen in Fußball-Stadien ist dieser Sicherheitsgipfel sicher nicht. Denn was vereinbart wurde, schreckt gewaltbereite Straftäter nicht ab: Lokale Stadionallianzen sollen helfen, erst gar keine Konflikt-Herde entstehen zu lassen. Die Allianzen aus Polizei, Vereinen und Fanvertretern sollen zukünftig enger zusammenarbeiten. Konflikt-Situationen sollen minimiert werden.

Das funktioniert bei Spielen, die nicht unter die Kategorie Hochrisikospiel fallen, auch jetzt schon. Bei Hochrisikospielen, wie das Baden-Württemberg-Derby VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC, die Auslöser für den Sicherheitsgipfel waren, greift der Schmusekurs der Stadionallianzen sicher nicht. Den Fans soll eine rote Linie gezogen werden, die nicht überschritten werden darf.

Das Problem sind die wenigen hundert Randalierer, die beim Baden-Württemberg-Derby fast für den Spiel-Abbruch sorgten, Polizisten verletzten und Züge demolierten. Denn diese Chaoten kommen ja genau, um diese rote Linie bewusst zu überschreiten. Die stoppt man nicht mit einer "Willkommenskultur", wie sie im Abschluss-Papier des Gipfels als wichtiger Punkt festgehalten wurde.

Harte Sanktionen sind schwierig umzusetzen

Martin Thiel

SWR-Sportreporter Martin Thiel

Im Schutz der Masse können vermummte Randalierer Böller zünden, Raketen auf Spieler schießen, Züge demolieren ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Da wird auch in Zukunft die Polizei mit Hundertschaften und Wasserwerfen bereit stehen müssen. Und was greifen würde, ist nur sehr schwierig umsetzbar. Melde-Auflagen, Anreise-Verbote und Platzverweise wurden bisher nur in kleiner Zahl ausgesprochen. Da will der Gipfel zwar nachbessern, wie die rechtlichten Grundlagen dafür vereinfacht werden sollen, bleibt aber vage.

So bleibt unterm Strich stehen, was Kritiker schon vorher vermutet hatten: Höchstwahrscheinlich wird sich der Stuttgarter Sicherheitsgipfel in die Reihe früherer Gipfel einordnen, die auch wenig bis gar nichts bewirkt haben.

Von Martin Thiel