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1. FC Kaiserslautern | Kommentar Aufwachen, Lautern!

Der 1. FC Kaiserslautern steckt in der Krise. Als die Situation 2008 ähnlich prekär war, ging ein Ruck durch den Verein und die Region. Davon ist diesmal nichts zu spüren, meint SWR-Sportreporter Bernd Schmitt.

Marius Müller vom 1. FC Kaiserslautern verkroch sich nach dem 0:5 gegen Union Berlin in seinem Trikot

Marius Müller wollte sich nach dem 0:5 gegen Union Berlin am liebsten verkriechen

Am Freitag ist Endspiel: Letzter gegen Vorletzter oder 1. FC Kaiserslautern gegen Greuther Fürth. Geht es verloren, droht der Super-GAU, der Abstieg, vielleicht sogar die Regionalliga. Es geht um die Existenz. Und wo ist der neue Trainer? Wo ist der Vorstand? Wo ist der Aufsichtsratsvorsitzende?

Der neue Trainer soll also erst nach dem Spiel gegen Fürth kommen, um dann die zweiwöchige Länderspielpause nutzen zu können? Unglaublich! Will sich den FCK keiner mehr antun, finden Vorstand und Sportdirektor schon gar keinen mehr? Hat die 0:5-Klatsche in Berlin aussichtsreiche Kandidaten verprellt?

Der neue Trainer müsste schon heute auf dem Platz stehen, jeden einzelnen Spieler scannen, seine Psyche durchleuchten, mit tiefen Blicken in die Augen herausfinden, ob das Feuer noch lodert. Alles zu geben für den FCK, den Abstiegskampf anzunehmen. Aber so geht die Mannschaft mit zwei Interimstrainern in dieses richtungsweisende Spiel, die – bei aller Wertschätzung ihres Engagements – gerade eine 0:5-Klatsche kassiert haben. Psychologisch ungünstig, um es vorsichtig zu sagen. Noch eine Niederlage gegen Fürth, dann müsste die Mannschaft aus 25 verbleibenden Spielen noch mindestens 38 Punkte holen. Schwer vorstellbar. Auch wenn der Neue dann zwei Wochen Zeit hat, um seine Schäfchen kennenzulernen.

Führungslos ins Desaster

SWR-Sportreporter Bernd Schmitt

SWR-Sportreporter Bernd Schmitt

Ohnehin hat es in diesen Tagen den Anschein, als drifte der FCK führungslos ins Desaster. Einzig Finanzvorstand Michael Klatt stellte sich kritischen Fragen. Alle anderen sind abgetaucht, U-Boote irgendwo auf Schleichfahrt. Jetzt in der Krise zeigt sich Führungsqualität. Jetzt, wenn er noch irgendetwas retten will, muss sich der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries öffentlich positionieren. Sich öffentlich vor die Mannschaft stellen, vor seine Interimstrainer, und sie nicht alleine im Kritik-Hagel stehen lassen. Denn die beiden können am wenigsten dafür.

Er muss alle Kräfte für dieses Spiel gegen Fürth mobilisieren, er muss Marketing-Aktionen starten, die Menschen sensibilisieren für diese kritische Situation, an Schulen Freikarten verteilen, die ganze Region aufwecken und einschwören, davon überzeugen, am Freitagabend ins Stadion zu kommen. Nur für diesen einen, so wichtigen Moment. Der Kapitän muss das Ruder selbst übernehmen. Aber was passiert? Bisher nichts!

Und der Aufsichtsrat? Der hat natürlich nur Aufsicht zu führen; dennoch könnte sich auch dessen Vorsitzender Nicolai Riesenkampff mal öffentlich klar positionieren und nicht nur Plattitüden verkünden. Dass er es nicht tut, ist nur ein weiterer Beleg für die Entfremdung zwischen Verein und Fans, die in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Viele Anhänger haben sich vom 1. FC Kaiserslautern entfernt, Gleichgültigkeit und Lethargie haben sich breit gemacht. Offensichtlich lässt der Aufsichtsrat, der es nicht geschafft hat, einen dringend notwendigen Sportvorstand zu installieren, den frisch gebackenen Sportdirektor Boris Notzon die Trainersuche ganz alleine machen - (Ausnahme: Matthias Abel). Ebenso scheint der Aufsichtsrat vom nicht wirklich fußballerfahrenen Vorstand noch nicht mal regelmäßig über den Stand der Dinge informiert zu werden.

Der Vorstand bleibt lieber daheim

"Nur zusammen sind wir Lautern", so prangt es in dicken Lettern vom Mannschaftsbus. Aber wenn die Vorstände bei Auswärtsspielen nicht mal mehr mitfahren, und das ist in dieser Saison schon häufig passiert, wie wollen sie dann ihren Spielern vorleben und vermitteln, dass es eine besondere Ehre und gleichermaßen Verpflichtung ist, für einen Verein wie den 1. FC Kaiserslautern zu spielen? Am Mittwoch ist Aufsichtsratssitzung beim FCK, vielleicht doch noch ein Moment, bei dem irgendwelche Ideen zünden. Noch ist es nicht zu spät.

Von Bernd Schmitt