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Eishockey | DEL Fliegen die Wild Wings in die Playoffs?

Die Schwenninger Wild Wings schicken sich an, das erste Mal seit 2003 wieder in die DEL-Playoffs zu kommen. Doch Trainer Pat Cortina ist mit dem Spiel seines Teams noch nicht zufrieden.

Die Schwenninger Wild Wings spielen bis jetzt eine bärenstarke Saison. Wer hätte schon gedacht, dass der Tabellenzwölfte der vergangenen Spielzeit nur ein Jahr später in die Playoff-Ränge springt? 21 Siege (davon vier nach Overtime und zwei nach Penalty-Schießen) bei 20 Niederlagen (davon jeweils eine nach Penalty-Schießen und Overtime) bedeuten 59 Punkte und Platz fünf. Wenn die Wild Wings diesen Platz bis zum Ende der Hauptrunde am 4. März behaupten können, gäbe es das erste Mal seit 2003 wieder DEL-Playoff-Eishockey im Schwarzwald.

Trainer Pat Cortina macht für die gute Saison im Wesentlichen den Teamgeist verantwortlich. Eishockey ist für ihn vor allem Kopfsache. Um seine Spieler regelmäßig daran zu erinnern, hängt im Kabinentrakt der Wild Wings ein Plakat: "10 Dinge, für die es kein Talent braucht". Dazu gehören Dinge wie gute Kommunikation auf dem Eis, Leidenschaft, ordentliche Vorbereitung sowie harte Arbeit.


Wild Wings haben in die Infrastruktur investiert

Doch es wäre zu einfach, die Leistungssteigerung nur auf ein besseres Miteinander zu schieben. In den letzten beiden Jahren haben die Wild Wings den Etat um etwa 500.000 Euro erhöht. Mit diesem Geld haben die Schwenninger beispielsweise Topscorer Will Acton im Schwarzwald halten können, der sich auch dieses Jahr wieder anschickt, sich in die Riege der zehn besten DEL-Scorer zu schießen. Doch es wurde auch anderweitig eingesetzt. "Wir haben das Geld auch in die Infrastruktur, zum Beispiel einen Torwart- und einen Athletiktrainer investiert. Dies macht sich ebenfalls bemerkbar", erläutert Teammanager Jürgen Rumrich. Zudem hat sich Dustin Strahlmeier nicht nur zur klaren Nummer eins im Schwenninger Tor, sondern auch gleich zu einem der besten Keeper der Liga gemausert.


Das Auf und Ab der Wild Wings

Doch Schwenningen hat ein Problem: An guten Tagen besiegen die Wild Wings die Spitzenteams aus Nürnberg und Wolfsburg, zerlegen den kurpfälzischen Rivalen Adler Mannheim oder kontern Titelverteidiger EHC München aus.


Doch wenn es darum geht, aus diesen Siegen Kapital zu schlagen und sich - womöglich entscheidend - von der Konkurrenz abzusetzen, verlieren die Wild Wings unter anderem gegen die Augsburger Panther und den Tabellen-Letzten Straubing Tigers.

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Dieses Auf und Ab zieht sich durch die Saison der Wild Wings. Das zeigt natürlich, dass in der aktuellen DEL-Saison jeder jeden schlagen kann. Das führt jedoch dazu, dass der Vorsprung auf die Pre-Playoff-Plätze aktuell nur zwei Punkte beträgt - und die härtesten Konkurrenten haben allesamt noch ein Spiel weniger absolviert. Dafür macht Trainer Pat Cortina in erster Linie die Einstellung seiner Spieler verantwortlich: "Wir haben häufig den Kampfgeist verloren, wenn uns eine Situation nicht gefallen hat."


Keine Zeit für detaillierte Analysen

Cortinas Problem: Die detaillierten Gründe kennt selbst der Trainer nicht. Der wegen der Olympia-Pause (2. bis 28. Februar) noch dichter getaktete Spielplan lässt dem Trainer-Team kaum Zeit zur Fehler-Analyse. "Wir haben viel gespielt und nicht so oft trainiert, wie wir es sollten. Und wir Trainer hatten nicht immer die Zeit, zurückzuschauen und unsere Spiele zu analysieren. Wir waren immer auf das nächste Spiel fokussiert und hatten keine Zeit, zwischendurch etwas zu korrigieren", sagte er vor dem richtungsweisenden Spiel gegen die Düsseldorfer EG. "Darum sind wir noch auf der Suche nach unserer Identität." Umso wichtiger sei, dass seine Spieler sich nicht an der Tabelle orientieren, sondern auf sich und ihre Leistung konzentrieren: "Wir müssen mental stark sein."


Die Saison hat gezeigt, dass die Schwenninger mit ihren schnellen, kompakten Spiel vor allem dann gut sind, wenn sie den Gegner das Spiel machen lassen und sie aus einer kompakten Defensive heraus kontern können. Wenn sie selbst das Spiel machen müssen, fehlen häufig die Ideen. Cortina sieht zudem Schwächen vor dem Tor. "Wenn der Torhüter freie Sicht hat, sind unsere Schüsse leicht auszurechnen. Darum müssen wir vor dem Tor noch mehr arbeiten." 

Auch am Wochenende zeigten die Wild Wings wieder beide Gesichter: Gegen den direkten Konkurrenten Düsseldorfer EG drehten die Schwenninger auf und holten sich einen wichtigen 4:2-Sieg. Gegen den Tabellen-Vorletzten Krefeld Pinguine passten die Wild Wings einmal in Unterzahl nicht auf und schafften es danach trotz einiger Chancen nicht, das Spiel zu drehen. Stattdessen spielte Krefeld das von Pat Cortina so geliebte Konter-Hockey, und Schwenningen verlor 0:4.

Schwerer Restprogramm für die Wild Wings

Am Mittwoch treffen die Wild Wings erneut auf die DEG. Danach hat das Team noch sieben Gelegenheiten, sich vor der Olympia-Pause von der Konkurrenz abzusetzen. Fünfmal geht es gegen direkte Kontrahenten. Bis dahin müssen sich die Wild Wings gefunden haben und zeigen, dass sie nicht nur gegen Spitzenteams gewinnen können, um diese starke Saison mit einem Playoff-Platz zu krönen.


Von Michael Richmann