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Fußball | 1. FC Kaiserslautern Die Gründe für die aktuelle FCK-Krise

Nach der verkorksten letzten Saison musste es beim 1. FC Kaiserslautern mal wieder einen großen Umbruch geben. 18 neue Spieler, darunter einige, die viel versprachen. Es sah so aus, als sollte der FCK eine bessere Saison spielen.

Die Spieler des 1. FC Kaiserslautern stellten sich nach der 0:5-Niederlage bei Union Berlin dem Ärger der Fans.

Nach dem 0:5 bei Union Berlin mussten sich die FCK-Spieler von den Fans einiges anhören

Neuer Angriff – gleiche Sorgen

Es klemmt beim 1. FC Kaiserslautern mittlerweile in allen Mannschaftsteilen. Sportdirektor Boris Notzon und Ex-Trainer Norbert Meier stellten sich vor der Saison eine neue Mannschaft zusammen. Hauptaugenmerk: die Offensive. Und auf allen Positionen wurde nachgebessert. Mit Baris Atik kam ein Pfälzer von 1899 Hoffenheim zurück in die Heimat. Spielmachertyp mit Abschlussqualitäten, das Zeug zum Publikumsliebling. Doch mit jedem Spiel mehr steigt seine Verunsicherung. Die Mannschaft zu führen, damit ist der junge Profi überfordert.

In der Spitze Vielversprechendes: Gervane Kastaneer, holländischer Junioren-Nationalstürmer, den Mainz ursprünglich für die erste Liga wollte, den Vertrag aber nach seiner Augenverletzung auflöste. Einer, der im Angriff alles spielen kann. Und Lukas Spalvis. Der litauische Nationalspieler, einst Torschützenkönig in Dänemark, kam aus Lissabon, hatte aber gerade zwei Kreuzbandrisse hinter sich: keine Spielpraxis. Jetzt gehören beide gar nicht mehr zum Kader. Spalvis fehlt es offenbar an Fitness und Einstellung: warum Kastaneer in den beiden letzten Spielen fehlte, ist unbekannt. Der Schwede Sebastian Andersson, ein klassischer Mittelstürmer, wurde im Sommer-Schlussverkauf geholt. Er traf gleich im ersten Spiel, wirkt trotzdem wie ein Fremdkörper.

Abwehrsorgen kommen dazu

In der vergangenen Saison profitierte der 1. FC Kaiserslautern von einer sehr starken Abwehr. Aber davon ist nur Rechtsverteidiger Philipp Mwene übrig geblieben. Marcel Gaus und Ewerton gingen, Julian Pollersbeck und Robin Koch mussten verkauft werden. Aber insbesondere der Transfer von Koch nach Freiburg, den Ex-Trainer Meier zuvor für unverkäuflich erklärt hatte, rächt sich jetzt bitter. Die Innenverteidigung des FCK wackelt bedenklich, egal, ob Giuliano Modica, Marcel Correia oder Stipe Vucur dort agieren. Modica und Correia sind bisher nicht in der Lage, jene Leistung zu zeigen, die sie bei ihren alten Vereinen auszeichnete. Lediglich Marius Müller erfüllt im Tor die Erwartungen. Sollte sich die Abwehrreihe nicht schnell stabilisieren, hat der FCK im Abstiegskampf keine Chance.

Der 1. FC Kaiserslautern hat in den letzten zehn Jahren ein deutliches Transferplus erwirtschaftet. In dieser Zeit verzeichnete der 1. FCK 196 Zugänge und 200 Abgänge. Insgesamt gab man 24,3 Millionen für Neuzugänge aus und nahm 37,82 Millionen durch Abgänge ein. Daraus ergab sich ein Plus von 13,52 Millionen. Tendenziell lässt sich erkennen, dass in den letzten Jahren durch Spielerverkäufe mehr Geld eingenommen als dafür ausgegeben wurde. Für die laufende Saison 17/18 verpflichtete die Mannschaft viele ablösefreie Spieler oder setzte auf Jugendspieler. Immerhin wurden 19 Spieler verpflichtetet und 14 abgegeben.

Hoffnung ruht auf erfahrenen Spielern

Der FCK kann nur hoffen, dass sich die Leistungsträger im Mittelfeld bald wieder stabilisieren. Aber Hoffnungsträger Mats Albaek fällt auf unbestimmte Zeit aus. Kapitän Daniel Halfar ist für viele Fans ein rotes Tuch, genauso wie Christoph Moritz. Aber nur diese beiden, zwei erstligaerfahrene Spieler, haben am ehesten die Fähigkeit Ruhe und Struktur ins Spiel zu bringen, den Ball zu kontrollieren, im richtigen Moment die öffnenden Pässe zu spielen. Das Problem: genau diese beiden Profis werden von Fans ständig unter der Gürtellinie attackiert.

Gleicher Fehler wie im vergangen Jahr

Eine Frage müssen sich die FCK-Verantwortlichen gefallen lassen. Warum wiederholen sie einen Fehler, der schon im vergangenen Jahr fast die Klasse gekostet hätte? Erneut wurden wichtige Positionen im Team mit mehreren Spielern besetzt, die gesundheitlich nicht auf der Höhe waren, deren Fitness in Frage stand. Die Begründung "sonst hätten wir sie gar nicht gekriegt" kann nicht die Erklärung dafür sein. Jetzt zeigt sich, dass diese Personalplanung möglicherweise ein fataler Fehler war.

Neuer Trainer neues Glück ?

Sportdirektor Boris Notzon hat nach eigenen Angaben noch drei Kandidaten im Blick. Ciriaco Sforza und Dirk Schuster scheinen zwei davon zu sein. Aber bis Freitag scheint es mit einer Vollzugsmeldung nicht mehr hinzuhauen. Holger Stanislawski hat nach SWR-Informationen abgesagt.

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Von Bernd Schmitt