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Confed Cup 2017 | Pressefreiheit Radio-Teamchef Frick: "Sehe keine Probleme"

Knapp 50 Tage vor dem Beginn des FIFA Confederations Cups in Russland kommen die Meldungen auf, dass vor Ort die Pressefreiheit während des Turniers für Medienvertreter aus aller Welt eingeschränkt sein soll.

Enthüllung des Confed-Cup-Pokals

Der Confed Cup in Russland findet vom 17. Juni bis 2. Juli 2017 statt

Kurz vor dem Fußball-Highlight des Jahres, dem Confed Cup in Russland, sorgt sich der Deutsche Fußball-Bund um die Pressefreiheit. Denn offenbar dürfen Journalisten, die in Russland über das Vorbereitungsturnier der WM 2018 berichten wollen, nur über das Sportliche und über nichts anderes berichten. Also nicht über mögliche Missstände oder Proteste im Land.

Oliver Frick, ARD-Teamchef für den Hörfunk beim Confed Cup, ist gerade erst zurück von einer Dienstreise aus Russland. Dort ging es um die Planung des Confed Cups und der Fußball-WM im kommenden Jahr. Im Interview schildert er seine Eindrücke.

SWR Sport: Herr Frick, Sie waren jetzt gerade in Russland. Sind Sie dabei von irgendwem beobachtet worden oder hat Sie irgendjemand bei der Arbeit behindert?
Oliver Frick: "Ich war zum Beispiel in Rostow am Don, das ist eine Industriestadt in Süd-Russland, morgens um sieben Uhr joggen. Neugierig bin ich zum Stadionneubau gelaufen, im Matsch zwischen den Bauarbeitern rum. Das wäre woanders nicht möglich. Dort in Russland aber überhaupt kein Problem. Die Bauarbeiter haben noch freundlich gewunken. Wir sind mit dem Auto acht Stunden nach Wolgograd gefahren. Dem früheren Stalingrad. Wir haben uns dort das Stadion angeguckt, direkt neben dem großen Denkmal, das an den schrecklichen Zweiten Weltkrieg erinnert. Wir waren an vielen heiklen Orten. Wir waren bis vor 14 Tagen unter anderem noch in Sotschi und haben dort Vertreter des DFB getroffen und das Camp der Nationalmannschaft mit ihnen besprochen. Dort wird auch unser eigenes Quartier sein. Wir waren in Moskau mit allen journalistischen Team-Leadern aus der ganzen Welt. Also, wirklich kritische, erfahrene Köpfe, die sich nicht scheuen, irgendeine Frage zu stellen. Ganz ehrlich: Es gab keine einzige blöde Situation in diesen drei Wochen."

Hintergrund
Die "Bild"-Zeitung hatte die Diskussion um eine mögliche Einschränkung der Pressefreiheit in Russland ins Rollen gebracht. Das Medium verwies auf Passagen in den Akkreditierungs-Unterlagen für Journalisten, in denen auf mögliche Einschränkungen bei der Berichterstattung hingewiesen wird. So heißt es darin unter anderem, dass Medienvertreter "ausschließlich über den Confed Cup und damit verbundene Ereignisse" berichten dürfen. Zudem dürften Medienvertreter "nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahe gelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein." Die Einschränkung "nur" existiert in der deutschen Fassung, in der englischen Version fehlt ein entsprechendes Wort.

Stichwort Sotschi. Beim letzten sportlichen Großereignis in Russland, den Olympischen Winterspielen 2014, waren Sie auch dabei. Haben Sie damals irgendetwas von Zensur oder Manipulationen mitbekommen?
"Mir ist aufgefallen, dass die deutschen Medien im Vorfeld sehr schlecht über Sotschi und auch die Russen berichtet haben. Vor Ort stellte sich das dann ganz anders da. Auch da gab es keine blöde Situation. Wir durften überall hin. Ich kann mich erinnern, dass wir bei der Eröffnungsfeier waren, weil wir am nächsten Morgen für die ARD-Sender berichten mussten. Wir hatten einfach zwei Bierdosen mitgenommen. Die Soldaten haben uns nur angegrinst und weitergewinkt. Und so könnte ich noch unzählige Anekdoten erzählen. Also, mir ist überhaupt nichts negativ aufgefallen. Das waren professionelle Spiele. Salt Lake City im Jahr 2002 habe ich da völlig anders in Erinnerung. Oder Peking 2008, oder ich denke da an Formel-1-Rennen in Bahrain. Aber Sotschi 2014 war von der Organisation her einwandfrei."

Wir sind aber auch nicht naiv. Wir wissen ja, wie in Russland mit Regierungskritikern umgegangen wird. Aber ist das, was die russischen Behörden jetzt im Vorfeld des Confed Cups von den internationalen Journalisten verlangen, unüblich?
"Ich habe meinen Bogen vor mir liegen. Da steht: Oliver Uwe Frick, ARD-Radio Deutschland, Management, wir freuen uns Sie akkreditieren zu dürfen. Hiermit wird die Akkreditierung erteilt. Ich habe auch ein Visum bekommen bis Dezember 2018 über die FIFA und die lokalen Organisationen. Das war überhaupt kein Problem. Ich habe sogar eine Berechtigung zu filmen vom 17. Mai bis zum 10. Juli. Die Basecamps der Teams, irgendwelche Denkmäler, kulturelle Stätten, alle Städte in Russland. Und ich habe nachgeschaut: genau dieses Formular habe ich schon 2009 vor Südafrika bekommen und auch 2013 vor Brasilien. Das ist einfach ein Standardschriftsatz der FIFA. Ich will nicht in Abrede stellen, dass dieses Land riesige Probleme hat. Die Bestechung, wie es zu dieser WM kam. Das Dopingproblem im russischen Sport. Dann natürlich die Politik, die man hinterfragen muss. Was momentan passiert mit den jungen Leuten, die auf die Straße gehen und zurecht demonstrieren. Die Ungerechtigkeit in diesem Land. Das erinnert mich an Brasilien. Manche Menschen bereichern sich mit Milliarden und der Rest der Bevölkerung hat nichts. Also, das ist gar nicht in Ordnung. Dieses Land hat massive Probleme. Aber, dass die armen deutschen Sportjournalisten nicht so berichten dürfen, wie sie das gerne wollen - dieses Problem kann ich momentan noch nicht sehen."

Das heißt, Sie werden, wenn es mögliche Proteste geben wird, auch über Proteste abseits des Platzes berichten - ohne Probleme, ohne Bedenken?
"Aber selbstverständlich. Das ist der große Vorteil am Radio. Wenn wir in der Nachmittagssendung oder in der Frühsendung auch aus Sotschi miteinander reden werden, dann werde ich selbstverständlich erzählen, was mir im Stadion in Sotschi, Kasan oder Sankt Petersburg aufgefallen ist. Und das ohne irgendeine Beschönigung, sondern ganz genau so, wie es war. Genauso wie in den letzten 25 Jahren."