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Bundesliga | SC Freiburg Niederlechner: Der Phönix aus Oberbayern

2011 kickte Florian Niederlechner noch in der 5. Liga. Bei Mainz 05 galt er schon als gescheitert. Seit der 26-Jährige an den SC Freiburg verliehen ist, steigen Selbstbewusstsein und Trefferquote.

Florian Niederlechner ist ein Erfolgsgarant beim SC Freiburg

Florian Niederlechner ist ein Erfolgsgarant beim SC Freiburg

Die Sportsprache neigt ja gerne mal zur menschlichen Überhöhung. Der Werdegang von Freiburg-Stürmer Florian Niederlechner scheint geradezu prädestiniert für eine Helden-Geschichte nach dem Motto "Phönix aus der Asche". Laut der Informationsplattform "Wikipedia" ist der Phönix ein mythischer Vogel, der "verbrennt oder stirbt, um aus dem verwesenden Leib oder aus seiner Asche wieder neu zu erstehen".

Einen 26-jährigen, aus Oberbayern stammenden Fußballer mit einem mythischen Vogel zu vergleichen, mag abwegig klingen, doch der steile Werdegang von Niederlechner ist im heutigen Fußball durchaus ungewöhnlich. Anfang 2016 galt der Angreifer als Bundesliga-Fußballer nämlich schon als gescheitert.

Sprung zurück nach vorne

Im Juli 2015 vom 1. FC Heidenheim in die Bundesliga nach Mainz gewechselt, traf er dort in der Bundesliga in zwölf Spielen kein einziges Mal. Nur sein erstes Spiel bestritt er von Beginn an, die restlichen Spiele wurde er oft spät eingewechselt. In der Winterpause also wählte Niederlechner den Schritt zurück, wurde an den SC Freiburg verliehen, Leihende Sommer 2017.

Gute Gespräche mit Trainer Christian Streich und den Klub-Verantwortlichen hätten laut Niederlechner damals den Ausschlag für den Wechsel gegeben. Das Resultat: Der Coach vertraute ihm, der Stürmer zahlte mit Toren zurück. Mit acht Treffern in 14 Spielen trug er maßgeblich zur Zweitliga-Meisterschaft und dem damit verbundenen Bundesliga-Aufstieg bei. Niederlechner war wieder zurück in der Liga, die er bisher vor allem als Bankdrücker kannte.

Matchwinner gegen Frankfurt

Der Neuanfang im Oberhaus verlief für Niederlechner bedeutend besser. Zwar traf er in den ersten zehn Spielen nur er ein Mal, nach 23 Spieltagen stehen aber sieben Tore zu Buche. Der 26-Jährige spielte in jeder Partie, 18 Mal von Anfang an.

Gemeinsam mit Maximilian Philipp hat er die meisten Tore beim Sportclub erzielt und sogar Knipser Nils Petersen auf die Bank verdrängt. Jüngst erzielte Niederlechner gegen Eintracht Frankfurt beide Tore beim 2:1-Auswärtssieg, auch wenn er beim zweiten Treffer im Abseits stand. Im Breisgau fühlt sich der robuste Stürmer sichtlich wohl.

Zu langsam für Nachwuchsleistungszentren

Freiburg steht mit 33 Punkten sensationell auf Platz acht, auch dank Niederlechner. Dass es bei ihm bis zur Leistungsexplosion länger gedauert hat, ist beim Oberbayer nichts Ungewöhnliches. 2011 spielte er beim FC Ismaning noch in der Bayernliga, der fünfthöchsten Spielklasse.

Nur weil die SpVgg Unterhaching ihren Hauptsponsor verlor, bekam der nahe der österreichischen Grenze aufgewachsene Stürmer überhaupt die Chance, sich in der 3. Liga zu beweisen. Ein Nachwuchsleistungszentrum hat er nie durchlaufen. Bei 1860 München, wohin er mit 12 Jahren wechselte, wurde er als zu langsam befunden und ging bis zur A-Jugend zurück in seine Heimat zum TSV Ebersberg.

Schnellste gelbe Karte der Bundesliga-Historie

Auch wenn Niederlechner meist ein wenig länger braucht - einen Rekord kann er für sich verbuchen: Ausgerechnet im Spiel gegen Mainz im November kassierte der Stürmer nach acht Sekunden die schnellste Karte der Bundesliga-Geschichte.

Überhaupt hat er heute, im Alter von 26 Jahren, für einen Spätzünder doch einiges erreicht: Niederlechner wurde Drittliga-Meister mit Heidenheim und Zweitliga-Meister mit dem SC Freiburg, bei dem er derzeit mit Toren für Aufsehen sorgt. Er scheint sowohl in der Bundesliga, als auch im Breisgau endgültig angekommen. Der Phönix aus Oberbayern.

Autor: Michael Bollenbacher