Bitte warten...

Bundesliga | Ringen Konflikt bei den Ringern - noch lösbar?

Der Streit im deutschen Ringersport zwischen dem Verband und den Top-Vereinen scheint kaum noch zu schlichten zu sein. Der Deutsche Ringer-Bund hat ein Vermittlungsangebot des früheren Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, abgelehnt.

Zwei Ringer im Gefecht

Miteinander gerungen wird derzeit nicht nur auf der Matte (Archivbild)

Fünf Bundesliga-Vereine, darunter die aktuellen Finalisten SV Germania Weingarten und KSV Ispringen oder der ASV Nendingen (Meister der vergangenen drei Jahre), fordern vom Verband profihaftere Bedingungen und haben eine eigene Deutsche Ringerliga gegründet. Der Vorstand des Deutschen Ringer-Bundes hat daraufhin den ersten Finalkampf um die Deutsche Meisterschaft am vergangenen Wochenende in Weingarten boykottiert.

Am kommenden Samstag entscheidet sich, wer Deutscher Meister in der Ringer-Bundesliga wird: der SV Germania Weingarten oder der KSV Ispringen. Die beiden Nachbar-Vereine treffen sich in Pforzheim zum Final-Rückkampf. Weingarten geht mit einem 13:9-Vorsprung in dieses Aufeinandertreffen. Wie es aber nach dem Finale mit der Bundesliga weitergehen wird, ist völlig unklar. Seit Monaten liegen die Bundesliga-Vereine mit dem Deutschen Ringer-Bund im Clinch.

Streit eskaliert

Es ist ein Streit, den auch andere Sportarten wie Eishockey oder Fußball bereits ausgefochten haben. Auf der einen Seite ein Sport-Verband, bei dem überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind. Auf der anderen Seite die Vereine, die ihren Sport professionalisieren wollen. Die Klubs beanspruchen möglichst viele Freiheiten, um ihren Sport attraktiver darstellen wollen. Die Verbände allerdings wollen möglichst keinen Einfluss abgeben. In der Ringer-Bundesliga ist dieser Konflikt jetzt eskaliert. Sechs Vereine, darunter auch Weingarten, Ispringen oder Nendingen, haben sich jetzt mit dem Deutschen Ringer-Bund angelegt und die selbständige Deutsche Ringer-Liga gegründet. Eigentlich habe man gemeinsam mit dem Verband über eine neue Liga unter besseren Bedingungen reden wollen, sagt Weingartens Vorsitzender Ralph Oberacker. Man sei aber nicht angehört worden. Zuletzt hatte der Verband den ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz, Kurt Beck, als Vermittler abgelehnt.

"Kein schlüssiges Konzept"

Zu vermitteln gebe es nichts, sagt der Deutsche Ringer-Bund. Dort sieht man zwar auch, dass die Bundesliga in der Krise steckt, eine Grundlage für ein Gespräch mit den abtrünnigen Vereinen sehe man derzeit aber nicht, meint Vizepräsident Daniel Wozniak. Er sieht die Deutsche Ringer-Liga in der Bringschuld und will erst einmal ein schlüssiges Konzept sehen, über das man beraten könne. Der Deutsche Ringer-Bund dagegen habe ein Konzept, sagt Wozniak. Tenor: zurück zu den Wurzeln. Die Bundesliga soll viergeteilt werden in regionale Gruppen. Ein Heer von Zweitligisten soll aufsteigen, die Anzahl der ausländischen Ringer soll verringert werden, und die Klubs sollen dazu verpflichtet werden, nicht mehr als 150.000 Euro pro Saison auszugeben. So will man die Bundesliga, die zuletzt immer kleiner geworden war, wieder für mehr Vereine attraktiv machen.

Vereine uneinig

Die Klubs reagieren unterschiedlich auf dieses Konzept. Weingarten, Ispringen, Nendingen oder Aalen machen das nicht mit; auch viele Zweitligisten wollen erst gar nicht aufsteigen. Sicher ist nur, dass Spitzensport - wie ihn zum Beispiel Weingarten und Ispringen gerade im Finale bieten - mit einem Jahresetat von 150.000 Euro nicht möglich wäre. Alles, was man in Weingarten aufgebaut habe, sei damit in Gefahr, sagt Germania-Trainer Frank Heinzelbecker. Er wünscht sich eine in einigen Bereichen selbstständige Profi-Liga mit eigener Vermarktung, aber auch unter bestimmten Regeln und unter der Kontrolle des Verbandes.

Zurzeit ist nicht absehbar, wie es mit der Ringer-Bundesliga weitergeht. Eine eigene Liga aus dem Boden zu stampfen, dürfte für Weingarten, Ispringen und die anderen Vereine ebenso schwierig werden, wie die Aufstellung einer neuen vierteiligen Bundesliga, die der Verband im Auge hat. Zumal diese ohne ihre Zugpferde Weingarten, Aalen, Nendingen und Schifferstadt wenig attraktiv wäre.

Am Ende dieses Streites könnte es nur Verlierer geben.