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Bundesliga | FSV Mainz 05 Johannes Kaluza - 100 Tage im Amt

Johannes Kaluza wurde im Juni zum neuen Präsidenten von Mainz 05 gewählt. Damals bat er um 100 Tage Zeit, um sich einarbeiten zu können. Diese "Schonfrist" ist jetzt abgelaufen.

Johannes Kaluza, der Präsident des FSV Mainz 05

Der "unbekannte Präsident" hat sich eingearbeitet: Johannes Kaluza

Drei Kandidaten standen für die Mitglieder des 1. FSV Mainz 05 zur Wahl, als es am 25. Juni 2017 galt, einen Nachfolger für Harald Strutz zu finden. Nach 29 Jahren als Vereinsboss schied Strutz nicht ganz ohne Nebengeräusche aus dem Amt. Die Mitglieder wählten bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung Johannes Kaluza zum Nachfolger. Eine Wahl, die viele überraschte, denn der breiten Masse in Mainz war der Unternehmer bis dahin gänzlich unbekannt.

Kaluza erhielt bei der Abstimmung im zweiten Wahlgang 498 Stimmen und setzte sich gegen Jürgen Doetz, bis dahin 05-Vize-Präsident, durch. Von Anfang an sah sich Kaluza, weniger als sein Vorgänger, als Mann im Hintergrund. "Ich bin ein Diener des Vereins", sagte Kaluza einige Tage nach Amtsantritt im SWR-Interview.

Einarbeitungszeit ist vorbei

Für Kaluza war alles neu als Präsident von Mainz 05. Zwar war der Geschäftsführer eines bekannten Mainzer Essig-Herstellers in Unternehmerkreisen auch vor seiner Wahl zum 05-Chef kein Unbekannter, aber im schnelllebigen Fußballgeschäft konnte Kaluza keine Erfahrung vorweisen.

Der erfahrene Manager verschaffte sich nach eigener Aussage zuerst "einen Überblick über die Strukturen im Verein". Wer arbeitet wo? Was sind die Aufgaben jedes einzelnen Mitarbeiters auf der 05-Geschäftsstelle? Kaluza musste sich einarbeiten in den Job als 05-Boss: "Ich war bei der DFL und beim DFB in Frankfurt, habe Vorstandskollegen in Deutschland besucht und mich zum Beispiel mit Fritz Keller, dem Präsidenten des SC Freiburg, getroffen und ausgetauscht", so Kaluza.

Verständnis für Probleme der Fans

Auch die Basis musste Kaluza erst einmal kennen- und verstehen lernen. Er war bei vielen Fanclubs zu Gast um zu sehen, was die "normalen" Mainz-Fans beschäftigt. Auf den ersten Blick wirkt Kaluza zurückhaltend, er beobachtet, hält sich mit lauten Ansagen zurück.

Bei genauerem Hinsehen zeigt er aber durchaus Wärme und Humor im Umgang mit den Fans und hat für deren Anliegen ein offenes Ohr. So versprach er beispielsweise sofortige Hilfe bei Problemen mit den Shuttle-Bussen an Spieltagen oder kündigte an, mit dem Caterer in der Mainzer Arena zu sprechen, als es Beschwerden über den Geschmack der Bratwürste gab. Themen, die seinen Vorgänger Strutz eher weniger berührten.

Neuordnung des Vorstands

Kaluza wurde von den Vereinsmitgliedern zum ehrenamtlichen Präsidenten des Bundesligisten gewählt. Neben ihm gehört Rouven Schröder zum Vereinsvorstand. Der 41-Jährige ist "Vorstand Sport". Er wurde vom Aufsichtsrat berufen. Fest steht, dass das Vorstandsduo in naher Zukunft zum Trio erweitert wird. Der Aufsichtsrat hat bereits genehmigt, personell aufzustocken.

Das neue Mitglied soll den kaufmännischen Bereich des Vereins - Finanzen, Marketing, Organisation und Personal - verantworten. Die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit mit entsprechender Berufserfahrung hat begonnen. Das Auswahlverfahren wird von externen Experten professionell begleitet.


Auch für Schröder war die Zusammenarbeit mit Kaluza neu. Beide mussten sich erst einmal beschnuppern und Arbeitsfelder abstecken. "Es ist ein angenehmes Arbeiten, auch intern. Johannes Kaluza ist wirklich einer, der für die Sache arbeitet. Das Miteinander ist sehr, sehr positiv," sagte Schröder im SWR-Interview. In sportliche Belange mische sich der neue Präsident nicht ein: "Der sportliche Ablauf in der Hierarchie liegt klar bei mir und Sandro Schwarz", so Schröder weiter.

Ziele sind klar

Bereits bei Amtsantritt hatte Kaluza seine Ziele formuliert. Die haben sich auch nach 100 Tagen im Amt nicht geändert. Es sind die Mitgliederorientierung und die Identifikation des Vereins mit Stadt und Fans.

Zudem möchte der Präsident längerfristig, dass eine übermäßige Kommerzialisierung im Fußball nicht um sich greift. Dass dies eine mehr als schwierige Aufgabe ist, ist Kaluza bewusst. Die schon oft beschriebene Schere im Fußball zwischen Arm und Reich darf seiner Meinung nach nicht weiter auseinandergehen. Ob ausgerechnet der Präsident des 1. FSV Mainz 05 diese Entwicklung im Weltfußball aufhalten kann, scheint allerdings mehr als fraglich.