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Boxen | Hintergrund Der geflohene Boxer

Yassine La Gmiri ist Boxer. Sein Profi-Debut in Karlsruhe hat er souverän gewonnen. Doch der größte Kampf steht dem Flüchtling aus Casablanca noch bevor - und der wird nicht im Ring ausgeboxt.

2:43 min

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Yassine La Gmiri - Vom Flüchtling zum Profiboxer

Pirmin Styrnol

Vor rund einem halben Jahr kam Yassine La Gmiri als Flüchtling über das Mittelmeer. Heute ist er Profiboxer und trainiert im Karlsruher Bulldog Gym.

Als Yassine La Gmiri Mitte April durch die Katakomben in der Karlsruher Rheinstrandhalle zu seinem Profi-Debut schreitet, ist es um ihn herum dunkel. Er ist allein mit seinen Gedanken und fokussiert auf sein Ziel - er hat es in der Hand.

Als Yassine La Gmiri einige Monate vor seinem ersten Profi-Kampf nach Deutschland fuhr, war es auch dunkel. Auch damals war er mit seinen Gedanken allein. Auch da war er total auf sein Ziel fokussiert. Aber er hatte gar nichts in der Hand; er war völlig ausgeliefert - erst den Naturgewalten, als er in einem Boot von der Türkei nach Griechenland übersetzte. Und dann den Schleppern, die ihn in einem LKW versteckt hatten und den jungen Flüchtling über die Balkanroute, durch Osteuropa nach Deutschland schmuggelten.

Islamisten wollten La Gmiri ködern

Boxender Flüchtling

Yassine La Gmiri und sein Kumpel Kamal Boukhriss

Doch diese Geschichte hat er hinter sich gelassen. Abgehakt hat er sie nicht, aber ausgeblendet. Für den Marokkaner zählt nur dieser Kampf. Er denkt nicht darüber nach, dass Islamisten ihn in Marokko immer wieder ansprachen, um ihn für ihre Sache zu gewinnen. Sie wollten den jungen Boxer für die Öffentlichkeit instrumentalisieren - einen kräftigen jungen Kerl wie ihn könnten sie in den eigenen Reihen gut gebrauchen, sagten sie. Obwohl Yassine daran kein Interesse hatte, fragten immer wieder fremde Männer vor seiner Wohnung nach ihm. Er fühlte sich bedroht und floh. Doch an diesem Abend darf das keine Rolle spielen - an diesem Abend zählt nur dieser eine Kampf.

Er denkt auch nicht an die Flüchtlingsunterkunft in Calw, in der gewohnt hat, bis sein Kumpel Kamal Boukhriss in Karlsruhe-Daxlanden eine Wohnung fand und Yassine bei ihm einziehen konnte. Kamal kam bereits vor drei Jahren nach Deutschland - ebenfalls als Flüchtling. Heute hat er einen deutschen Hauptschulabschluss und befindet sich in einer Ausbildung zum Metallbauer. Ob er in Deutschland bleiben darf, weiß er trotzdem noch nicht.

Yassine und Kamal wuchsen als Nachbarn in Casablanca auf, kennen sich bereits seit ihrer Jugend. Schon damals war Yassine begeisterter Boxer und Vizelandesmeister in der Amateurklasse.

Der Flüchtling kommt ins Bulldog-Gym

Nachdem Yassine es nach Deutschland geschafft hatte, kam er über Umwege ins Bulldog-Gym. Gebracht wurde er von einem syrischen Autohändler, ein dubioser Mann, wie Manager Rainer Gottwald erzählt. Trotzdem geben Gottwald und sein Team dem jungen Marokkaner eine Chance. Zurecht, wie sich schnell herausstellt.

Wie stark La Gmiri ist, weiß auch sein neuer Trainer Jürgen Lutz. Seit einem halben Jahr trainiert er mit dem 23-Jährigen auf den Abend des Profi-Debuts hin. Das gemeinsame Ziel: ein Titelkampf – und – fast noch wichtiger - eine Aufenthaltserlaubnis: "Wir werden’s versuchen im Lauf der Zeit. Ich meine, man kann ja Fakten schaffen", hofft Lutz, "wenn der sich mit der Zeit wirklich für einen Titelkampf qualifiziert, dann ist das ja Fakt genug."

6:31 min

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Boxen | Live

Yassine La Gmiri gegen Kristof Mate - Der Kampf in voller Länge

Pirmin Styrnol

Der erste Profikampf des Flüchtlings Yassine "Refugee" La Gmiri in Karlsruhe - hier in voller Länge.

La Gmiri steigt in den Ring und ist auf sich allein gestellt. Für die Anweisungen aus der Ring-Ecke hat er jetzt keinen Kopf. Er hat es in der Hand. Linker Jab, rechter Haken, Uppercut. In der zweiten Runde geht sein Gegner zu Boden - La Gmiri gewinnt durch technischen K.O. Der erste Sieg für den Boxer Yassine La Gmiri.