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Der Weltrekord im Streckentauchen ist zum zweiten Mal zwischen Baden und Württemberg hin und her gewechselt. Die beiden Kontrahenten verbindet aber vor allem der Respekt vor der Leistung des anderen.

Anfang Oktober war es wieder soweit: André Grabs aus Gundelfingen hat dem Reutlinger Thomas Plum den inoffiziellen Weltrekord im Streckentauchen "weggeschnappt". In 2:54 Minuten ist Grabs im Moosweiher im Freiburger Stadtteil Landwasser bei strömendem Regen 135 Meter getaucht. Das ist eigentlich schlechtes Wetter für das Freitauchen, trotzdem hat es geklappt.

Dabei hatte Plum erst im August 2018 die Bestweite von Grabs im Freiwasser um einen Meter auf 131 Meter verbessert. Das hat André Grabs angespornt: "Wären es jetzt zehn Meter gewesen, hätte ich mich damit zufrieden gegeben und hätte vielleicht nicht nochmal einen Angriff gewagt", hat Grabs nach seinem Rekord in der SWR Landesschau erzählt.

Im Frühjahr kam aber nochmal der Entschluss anzugreifen: Wegen der Corona-Pandemie konnte Grabs sowieso nur im See trainieren und dann sei die Idee geboren worden, berichtet der Gundelfinger. Thomas Plum hatte in Reutlingen auch schon geahnt, dass aus Gundelfingen eine gewisse Gefahr für seinen Rekord droht. "Ich hatte damit gerechnet, dass er es macht", so Plum.

Plum: "Unter den Freitauchern gibt es einen besonderen Respekt"

Die beiden Weltrekordler haben sich 2019 bei einem Wettbewerb in Innsbruck kennengelernt. "Es war ein freundschaftliches, nettes Gespräch in Innsbruck, obwohl wir ja Konkurrenten sind. Unter den Freitauchern gibt es aber einen besonderen Respekt", sagt Plum. Schließlich wisse jeder auf diesem hohe Niveau um die Herausforderung.

Das Training im sogenannten Apnoetauchen ist komplex: Neben einer guten Ausdauer und Schwimmtechnik ist auch die Atemtechnik und sogenannte Apnoefähigkeit wichtig. "Im CO2-Training geht es darum, dass man den Trigger im Kopf, dass man atmen muss, besser aushält", sagt Plum. Man müsse eine gewisse Ruhe und Gelassenheit beim Atemreiz unter Wasser finden. "Wenn ich richtig trainiere, bin ich vier Mal pro Woche im Wasser. Man braucht schon den Willen aus der Komfortzone zu gehen wie in anderen Sportarten auch."

Gefährliche Sportart

Apnoetauchen ist sehr anspruchsvoll: Auch André Grabs berichtet davon, dass immer die Gefahr einer Hypoxie mitschwingt - eine Mangelversorgung mit Sauerstoff, die bis zur Ohnmacht führen kann. "Nur sehr erfahrene Apnoetaucher spüren, wenn sie in eine Hypoxie reinrutschen", sagt Grabs. Deshalb sollte man in einem Grenzbereich oder als Anfänger*in nicht alleine trainieren.

Trotz des harten Trainings gibt es Menschen, die besser für Apnoetauchen geeignet sind als andere, berichtet Thomas Plum. "Die Lungengröße spielt auf absoluten Top-Niveau sicherlich eine Rolle. Wir lernen aber auch durch Training unsere Lunge voll auszuschöpfen."

Thomas Plum ist erst seit gut fünf Jahren Freitaucher

Thomas Plum ist 51 Jahre alt und arbeitet als Führungskraft in der Automobilbranche. Er kam erst Anfang 2015 zum Freitauchen. "Ich habe einen Bericht im Fernsehen zum Weltrekord im Untereistauchen gesehen. Das war so elegant, so schwerelos, so mühelos. Ich habe dann ein bisschen recherchiert, ein Buch gelesen und anschließend einen Selbstversuch gemacht, obwohl man es so eigentlich nicht machen sollte", lacht Plum im Nachhinein. "Und habe dann mit wenig Wissen direkt eine 50-Meter-Bahn geschafft."

Mittlerweile hat er fünf deutsche Meistertitel gewonnen. In der Jugend habe Plum immer den Wunsch gehabt, Volleyball-Profi zu werden. Das habe wegen einer Knieverletzung nicht geklappt. "Aber ich habe mir jetzt meinen Kindheitstraum erfüllt, auf hohem Niveau Apnoetauchen zu machen."

Plum kann sich vorstellen, den einen oder anderen Rekord anzugreifen

Im Juni hat ein Leistenbruch Plum zwar etwas zurückgeworfen, aber er versucht wieder in Form zu kommen. Auch wenn wegen der Corona-Pandemie aktuell der Zugang zu den Schwimmbädern eingeschränkt ist. "Wir hoffen, dass im Frühjahr der ein oder andere Wettkampf möglich ist. Das hängt aber von Corona ab", sagt Plum.

Im Sommer soll außerdem eigentlich entweder die Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft stattfinden, sagt Plum. "Die Motivation ist auf jeden Fall da. Ich kann mir vorstellen, dass ich im nächsten Jahr den einen oder anderen Rekord angreifen werde."

André Grabs nach seinem erfolgreichen Weltrekordversuch im Freiburger Moosweiher. (Foto: privat)
André Grabs nach seinem erfolgreichen Weltrekordversuch im Freiburger Moosweiher Anfang Oktober. privat

André Grabs: "Rekorde sind dafür da, dass sie gebrochen werden"

Über die Möglichkeit, dass Thomas Plum ihm eventuell zum zweiten Mal den Rekord wegschnappen könnte, reagiert André Grabs aber ganz entspannt: "Dafür sind Rekorde da, dass sie gebrochen werden." Die Freitauchszene in Deutschland sei nicht groß, deshalb freue man sich auch mit den anderen, sagt er. Diese beschränke sich aber auch nicht nur auf Baden-Württemberg. "Wichtig ist es eine gute Trainingsgruppe zu haben, wo man sich gegenseitig motiviert."

Weltrekordler André Grabs in der Landesschau

André Grabs schaffte den Weltrekord im Apnoe-Streckentauchen

Keiner beherrscht das Streckentauchen im Freien so gut wie er: Mit nur einmal tief Luft holen und ohne technische Hilfsmittel schwamm André Grabs im Freiburger Moosweiher stolze 135 Meter weit unter Wasser. Weltrekord! Der Natur nahe zu sein fasziniert den 48jährigen Heilpädagogen: die Unterwasserwelt, die er beim Tauchen ohne Geräte besonders intensiv erlebt oder auch die Welt der Schmetterlinge, für deren Schutz er sich seit vielen Jahren einsetzt. Im Studio erzählt André Grabs, wie Natur und Freitauchen sein Leben bereichern und wie er es schafft, fast drei Minuten ohne Luft zu holen im Wasser Strecke zu machen.  mehr...

Landesschau Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

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