STAND
AUTOR/IN

Ganz Deutschland steht still - aufgrund der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns. Die verschärften Beschränkungen treffen auch die Fitnessstudios. Erneut bedeutet das Schließungen auf unbestimmte Zeit. Doch was konkret heißt das für die Studios?

Mehr Zeit mit der Familie, weniger Alkohol, regelmäßig pumpen gehen. Alles beliebte Neujahrsvorsätze - doch auch hier stellt sich Corona quer. Nicht alle Bestreben lassen sich so einfach in die Tat umsetzen. Beispiel Fitnessstudios. Die bleiben vorerst geschlossen, eine zeitnahe Öffnung ist nicht in Sicht.

Traingingspause versus Neujahrsvorsatz

Alex Stampoulidis nennt den Januar den "Monat der neuen Vorsätze". Die Motivation nach Weihnachten sei groß, die überschüssigen Pfunde der Feiertage wieder abzutrainieren. Für die Fitnessstudios bedeute das gewöhnlich "einen großen Zuwachs an neuen Mitgliedern", sagt der Betreiber aus Schorndorf im Gespräch mit SWR Sport. Auch Februar und März seien in der Fitnessbranche im Normalfall "durchaus starke Monate".

In Zeiten von Corona ist das anders. Bereits im vergangenen Frühjahr hatten die Fitnessstudios im Land für mehr als zwei Monate dichtmachen müssen. "Ich habe bereits von Betreibern gehört, die im vergangenen Jahr fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren haben", sagt Stampoulidis. Der 1. Vorsitzende des Fitnessverbandes Baden-Württemberg schätzt, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Einrichtungen im Land 2020 nicht überlebt hätten.

Wenige Paddelschläge bis zum Untergang

Auch den Jahresbeginn sieht der Schorndorfer wenig optimistisch. "Für Februar habe ich keine Hoffnung. Die Hoffnung liegt auf März. Es sei denn, es geschieht ein Wunder", sagt er im Interview mit SWR Sport. Sollten die Studios auch vor April nicht öffnen können, "dann ist die gute Jahreszeit für uns vorbei, dann wird es sehr viele Insolvenzen hageln", vermutet er. Stampoulidis befürchtet, dass unter diesen Umständen "ein Drittel komplett schließen muss oder nur mit einem erheblich großen Schaden weitermachen kann".

Der vergangene Sommer sei bereits "sehr mager" gewesen, was den Mitgliederzuwachs angeht. Nun stünden viele Studiobesitzer "mehr oder weniger kurz vor dem Untergehen. Es ist ein Zustand, in dem man versucht, sich über Wasser zu halten und die letzten Paddelzüge macht. Aber die Problematik ist auch, dass die Hilfen einfach nicht kommen".

"Es brodelt wie ein Vulkan"

Auf umfangreiche Staatshilfen warteten viele Studiobesitzer seit Wochen, denn Fixkosten wie Miete und Mitarbeiterzahlungen müssten gedeckt werden, auch wenn der Betrieb ruht. "Das ist ein großer Kostenblock jeden Monat", sagt Stampoulidis. Für November und Dezember seien den Studios in Baden-Württemberg Überbrückungshilfen in Höhe von 75 Prozent des Vorjahresumsatzes versprochen worden. Allerdings habe es bisher maximal eine Abschlagszahlung von 50 Prozent für den November gegeben, das Geld sei bisher zudem noch nicht bei allen angekommen.

Für viele Studiobesitzer ist es eine Zerreißprobe: "Sie müssen zwei Monate überbrücken, während die Fixkosten da sind. Viele haben keine Liquidität", sagt Stampoulidis. Der Vorsitzende des Fitnessverbandes befürchtet, dass unter diesen Umständen noch schneller weitere Insolvenzen drohen könnten. "Das ist wirklich eine Katastrophe. Es brodelt immer mehr, wie ein Vulkan. Hoffen wir, dass nichts Schlimmeres passiert", erzählt er.

"Ich bin enttäuscht von der Politik"

Nicht nur für die Studiobetreiber sei es eine knifflige Situation. "Ältere Leute rufen uns an, denen schmerzt alles. Denen geht es um Gesundheit. Und was machen wir? Wir schließen die Gesundheitszentren", so der Schorndorfer: "Ich bin enttäuscht von der Politik. Die Vorsichtsmaßnahmen rechne ich ihnen an. Menschenleben sind definitiv mehr wert als Geld. Aber das Problem ist aktuell nicht gelöst. Da hätte man mehr machen können.“

Ein Schritt Richtung Normalität

Die Fitnessstudios unter strengen Hygieneauflagen zu öffnen, sei für Stampoulidis durchaus vorstellbar. "Ohne Umkleideräume, ohne Duschen, ohne Sauna, und natürlich begrenzt an Leuten." Er glaubt, dass "dann der Betrieb relativ sicher ist in einem Fitnessstudio". So könne auch den älteren Menschen geholfen werden, die aufgrund der aktuellen Wetterbedingungen nicht die Möglichkeit hätten, nach draußen auszuweichen. "In den Studios wäre es sicherer. Da haben sie Anleitung, da ist es warm, da wissen sie genau, was sie machen können, um sich fitzuhalten", sagt er.

Stampoulidis ist der Meinung, dass sich viele Studios "extrem gut auf die Situation eingestellt haben". Filter- und Lüftungsanlagen nennt er als Beispiele, ausreichend Desinfektion, klare Abstandsregeln. "Natürlich gibt es immer schwarze Schafe. Aber man kann ja nicht wegen ein paar sehr wenigen Studiobesitzern, die gegen die Regeln verstoßen, alle bestrafen."

Die meistgeklickten Artikel auf swr.de/sport

Stuttgart

Fußball | Bundesliga VfB-Experte Marko Schumacher: Hitzlsperger erweckt "fatalen Eindruck"

Es gibt neue Entwicklungen in der mutmaßlichen Datenaffäre beim VfB Stuttgart. Marko Schumacher, Sportredakteur der "Stuttgarter Zeitung", spricht im SWR-Interview über den Stand der Ermittlungen und die Rolle des VfB-Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger.  mehr...

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Der VfB Stuttgart - eine schrecklich zerstrittene Familie

Der Machtkampf beim VfB Stuttgart zwischen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt spaltet den Verein in zwei Lager. Die Atmosphäre beim Fußball-Bundesligisten ist vergiftet, es herrscht ein Klima des Misstrauens. Eine Lösung ist nicht in Sicht.  mehr...

DFB | Integrationsbeauftragter Wegen Nebentätigkeit: DFB und Integrationsbeauftragter Cacau beenden Zusammenarbeit

Der Deutsche Fußball-Bund und sein Integrationsbeauftragter Cacau beenden die Zusammenarbeit. Dies teilte der DFB am Mittwoch mit.  mehr...

STAND
AUTOR/IN