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Peyton Manning

American Football | Superbowl "Ein Spielzug kann das Spiel entscheiden"

Constantin Ritzmann war der erste deutsche Profi in der NFL. Vor dem Super Bowl hat sich der gebürtige Freiburger mit uns über seine Karriere, seine Heimat und die Faszination American Football unterhalten.

Constantin Ritzmann

Constantin Ritzmann war der erste deutsche Feldspieler in der NFL

Herr Ritzmann, wo schauen Sie den Super Bowl?

Mit Freunden, ich veranstalte eine kleine Party.

Wer gewinnt das Spiel der Spiele im American Football?

Die Denver Broncos. Peyton Manning war auf derselben Universität wie ich. Ich kenne ihn ein bisschen. Von daher wünsche ich mir, dass er gewinnt. 

Der Super Bowl ist eines der größten Sportereignisse weltweit. Vor allem in den USA sind die Straßen während dem Spiel wie leer gefegt. Was ist das Besondere am American Football?

American Football war einfach schon immer sehr groß hier in den Staaten. Durch das große Medieninteresse hat der Sport dann natürlich noch mehr Zuwachs bekommen.

Was fasziniert Sie an diesem Sport?

Die Vielseitigkeit auf höchstem Level. American Football beinhaltet Geschicklichkeit, Brutalität aber vor allem Cleverness. Athletisch ist American Football eine der größten Herausforderungen im Sport. Dazu kommt, dass man sich nie sicher sein kann, wer das Spiel gewinnt. Beide Teams haben eine Chance. Ein Spielzug kann das Spiel entscheiden.

American Football - worum geht's, was ist das Ziel des Spiels? Damit du heute Abend beim Super Bowl 50 mitreden kannst, gibt es hier noch einmal die Grundregeln in 80 Sekunden.

Posted by SWR Sport on Sunday, 7 February 2016

American Football löst in Deutschland gerade einen richtigen Hype aus. Wie sehen Sie die Entwicklung des Sports in Deutschland?

Das ist schwer zu sagen. Die Förderung der Talente wird immer besser. Das Problem ist aber, dass die besten Spieler einfach in die USA müssen. Nur da besteht eine realistische Chance, dass Colleges oder Teams auf dich aufmerksam werden.

Was trauen Sie dem American Football in Deutschland zu?

Ich glaube schon, dass die Athleten vorhanden sind. Das Problem ist aber immer noch wie vor 20 Jahren das fehlende Geld durch Sponsoren. Nur durch Geld kann dauerhaft gut gearbeitet werden und der Sport wachsen.

Wie sind Sie damals zum American Football gekommen?

Als ich 13 Jahre alt war hat mein Bruder in Donaueschingen bei den neu gegründeten Danube Hammers angefangen. Damals gab es noch keine Jugendmannschaft. Deshalb konnte ich nur mit den Aktiven trainieren. Es hat großen Spaß gemacht, auch weil es eine ganz neue Erfahrung war. 1996 ist mein Bruder für sein Studium nach Berlin gezogen und ich mit ihm. Dort habe ich dann meine ersten Spiele in den Jugendteams der Berlin Adler bestritten.

Wie kam dann der Schritt in die USA zustande?

Ich bin als Spieler für die Europa Auswahl drei Jahre in Folge zum MVP gewählt worden. Durch das NFL Austauschprogram "NFL futures" bin ich dann nach Amerika gekommen.

In ihrem dritten NFL-Jahr sind Sie dann zu ihrem Profidebüt gekommen. Was war das für ein Moment, in der NFL aufzulaufen?

Sehr aufregend, aber auch sehr stressig.

Constantin Ritzmann

Constantin Ritzmann spielte von 1999-2003 für die University of Tennessee

Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Das war an Heilig Abend. Mit den Atlanta Falcons habe ich gegen die Tampa Bay Buccaneers gespielt. Für die letzten acht Spielzüge kam ich rein. Es ging alles so schnell.

Haben Sie realisiert, dass sie der erste Deutsche Feldspieler der Geschichte waren?

Im ersten Moment nicht, später dann schon. Das ist mir aber wirklich nicht wichtig. Ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren immer mehr deutsche Spieler in der NFL werden.

Wieso hat es nach ihrem Debüt nicht geklappt, sich dauerhaft durchzusetzen?

Gute Frage. Die vielen Verletzungen haben auf jeden Fall nicht geholfen. Ein weiterer Grund war, dass ich bei meinem Debüt schon in meinem dritten NFL-Jahr war. Ich habe zwar wenig gespielt, durch den Vertrag wurde ich aber jedes Jahr teurer. Am Ende war ich einfach nie 100% gesund, um wirklich nochmal zeigen zu können, was ich kann.

Wann kam dann der Moment, wo sie dachten: "Okay, das war's."?

Nach meiner dritten Knie-OP im Jahr 2007. Da habe habe ich meine Karriere dann auch beendet.


Aktuell spielen vier Deutsche Spieler in der NFL. Was denken die Amerikaner über die Deutschen Spieler?

Für den Amerikaner ist es nicht wichtig, woher der Spieler kommt. Er muss spielen können. Alle haben ja auch im College gespielt und sind daher schon etwas amerikanisiert

Halten Sie es für möglich, dass es einmal einen deutschen Quarterback geben wird?

Möglich schon, aber wann ist eine gute Frage. Der Spieler müsste in den USA ausgebildet werden, um von Anfang an gegen hohe Qualität spielen zu können.

Was verbinden Sie mit ihrer Heimat im Schwarzwald?

Ich liebe das süddeutsche Essen. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit im Schwarzwald mit tollen Menschen. Die Landschaft ist auch sehr schön. Meine Familie lebt aber inzwischen in Berlin.


Die Fragen stellte Jakob Jung.


Zur Person:
Constantin Ritzmann ist am 20.Dezember 1979 in Freiburg geboren. Aufgewachsen in Pfaffenweiler im Schwarzwald, kam Ritzmann bei den Danube Hammers in Donaueschingen zum ersten Mal in den Kontakt mit American Football. Über die Berlin Adler und den Hamburg Blue Devils, mit denen er 1997 den Euro Bowl gewann, wechselte Ritzmann im Jahr 1998 an die North Florida Christian High School. Von 1999 bis 2003 spielte der Defensive End für die University of Tennessee. Nach seiner College-Zeit wurde Constantin Ritzmann von den Buffalo Bills unter Vertrag genommen, kam dort aber in zwei Spielzeiten nicht zum Einsatz. 2005 wechselte Ritzmann zu den Atlanta Falcons, für die er zu seinen insgesamt drei NFL-Einsätzen kam. Damit ist er der erste deutsche Feldspieler in der NFL. 2007 beendete Constantin Ritzmann seine aktive Karriere bei den Berlin Thunder.