Frauenfüße auf einem Schwebebalken (Foto: dpa Bildfunk, Hannibal)

Sport | Hintergrund Sexualisierte Gewalt im Sport: Nicht wegsehen - Hinschauen!

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Sexualisierte Gewalt im Sport - für viele Vereine nach wie vor ein Tabu-Thema. Doch die Bereitschaft, sich mit dem hochsensiblen Thema auseinanderzusetzen, steigt: Immer mehr Vereine schulen ihre Mitarbeiter. Und der Landessportbund Rheinland-Pfalz legt ein komplettes Präventions-Programm auf.

Ralf Seemann steht in der Turnhalle seines TV Heddesdorf und gibt unumwunden zu: "Wir haben festgestellt, dass wir nicht gut vorbereitet waren." Vorbereitet nämlich auf einen Fall, den niemand in seinem Verein haben möchte: den Verdacht, dass ein Übungsleiter übergriffig geworden sein soll.

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Fest installierte Vertrauenspersonen und eine Präventionsliste

Der Vorwurf hatte sich in diesem Fall zwar nicht bestätigt, aber der Vereinsvorsitzende reagierte trotzdem und kontaktierte den Sportbund Rheinland. Mittlerweile ist der TV Heddesdorf, ein Verein mit 874 Mitgliedern in Neuwied, bestens aufgestellt im Kampf gegen die Gefahr sexualisierter Gefahr im Sport. "Wir haben zuerst eine Analyse der Situation vorgenommen, dann entschieden, dass unsere Übungsleiter sowohl einen Ehrenkodex unterschreiben müssen als auch einen erweitertes Führungszeug vorzulegen haben", beschreibt Ralf Seemann die ersten Schritte. Hinzu kommen mittlerweile fest installierte Vertrauenspersonen und eine schriftliche Präventionsliste, die jedem Verantwortlichen Hilfestellung im Falle verdächtiger Vorkommnisse gibt.

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Unterstützung bekommen interessierte Vereine von den regionalen Sportbünden und vom Landessportbund Rheinland-Pfalz in Mainz. Susanne Weber, Ansprechpartnerin für das Präventionsprogramm beim Sportbund Rheinland, wird regelmäßig von besorgten Vereinsvertretern angerufen: "Dann versuchen wir erstmal zu ermitteln, wo ist denn Hilfsbedarf in den Vereinen. Wir versuchen, den Prozess so zu managen, dass der Verein mit einem Ergebnis herausgehen kann."

30 Vereine und Verbände haben mittlerweile am Kinderschutz-Projekt des LSB Rheinland-Pfalz teilgenommen. Doch es ist kein Geheimnis, dass viele Klubvorstände wenig anfangen können mit dem Thema "Sexualisierte Gewalt".

Keine Institution ist hundertprozentig sicher

Oliver Kalb, der zuständige Abteilungsleiter beim LSB in Mainz, findet klare Worte: "Ich erlebe das in vielen Beratungsgesprächen: da wird gerne mal argumentiert: das kommt bei uns nicht vor, wir kennen uns alle, wir sind über viele Jahrzehnte gewachsen."

Doch Fakt ist: kein Verein, keine Institution ist hundertprozentig sicher, dass nicht doch mal ein verbaler oder körperlicher Übergriff passiert. Und Fakt ist ebenfalls: Je mehr Sensibilität besteht bei den handelnden Personen, desto kleiner wird die Gefahr von Grenzverletzungen im Sport. Also: nicht wegsehen. Hinschauen!

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