Enis Alushi (Foto: Imago, imago/Zink)

Fußball | Arbeitslosigkeit FC Arbeitslos - Wenn Spieler keinen Vertrag mehr erhalten

Die Liste der vertragslosen Fußballer ist länger als man denkt. Unter anderem wartet der frühere Kaiserslauterer Enis Alushi auf einen neuen Job

Köln, Wehen Wiesbaden, Paderborn, St. Pauli, Kaiserslautern, Nürnberg. Die Liste der Vereine von Enis Alushi ist bzw. war genauso lang wie prominent. Doch seit Ende Juni hat der 32-Jährige mehr Freizeit als ihm lieb ist. Der 1. FC Nürnberg hatte den Vertrag des Deutsch-Kosovaren nicht mehr verlängert und Anfragen anderer Klubs blieben aus. So kam für ihn plötzlich die Trainingsgruppe der "Vereinigung Deutscher Vertragsfußballer" ins Spiel.

Die VDV wurde 1987 gegründet, vertritt als Spielergewerkschaft die Interessen der Profis und unterstützt die über 1.400 Mitglieder unter anderem in den Bereichen Vorsorge, Absicherung und Arbeitsrecht. Daneben, und jetzt wird es interessant für Kicker ohne Job, wird in jedem Sommer ein Proficamp als Trainingslager für vertragsfreie Kollegen durchgeführt.

Prominenter Trainer Peter Neururer

In diesem Jahr war auch Enis Alushi mit dabei und war sofort begeistert vom hohen Niveau. "Ich finde das großartig, die Trainigspläne sind absolut vergleichbar mit denen in den Vereinen", so Alushi. Kein Wunder, denn mit Peter Neururer kann die VDV auf einen sehr erfahrenen Coach zurückgreifen. Der mittlerweile 63-Jährige, der 2004 den VfL Bochum in den UEFA Cup führte, seit 2014 aber ohne Vereinsengagement ist, ist froh, etwas von seiner Erfahrung an die zur Zeit arbeitslosen Fußballer zurückgeben zu können.

Die Arbeit macht Peter Neururer jede Menge Spaß - auch deshalb, weil die Kicker in der Warteschleife zum nächsten Klub voll bei der Sache sind: "Die Motivationsfrage wie in den Klubs, die gibt es bei uns nicht. Die Jungs sehen das hier als große, vielleicht schon letzte Chance, wieder in den Profifußball zurückzukehren", sagte der Coach in der SWR Sendung "Flutlicht".

Alushi noch hoffnungsvoll

Enis Alushi jedenfalls ist froh, mit Peter Neururer einen "sehr erfahrenen Trainer zu haben, der so viel erlebt hat und über ein großes Wissen verfügt". Die Hoffnung auf den nächsten Vetrag hat der frühere U19-Nationalspieler noch nicht aufgegeben. Natürlich macht sich die ganze Familie, Enis ist mit der früheren Nationalspielerin Fatmire Bajramaj verheiratet, Gedanken. Doch Enis relativiert: "Es gibt keine akuten Zukunftsängste, aber Fragen, die man sich stellt. In welche Richtung es gehen soll, wenn es nicht mehr klappt mit einem Vertrag."

Wichtige Tipps für die Zeit danach

Diese Sorge hat Peter Neururer nicht: "Enis kann auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Wenn er jetzt wieder zu 100 Prozent fit ist, wird er auch wieder einen Verein bekommen", meint Neururer, um dann den jungen Spielern, sozusagen als Tipp für die Zeit nach der Karriere, noch einen wichtigen Rat mit auf den Weg zu geben: "Egal wie gut ich als Profi arbeite, es bleibt immer noch genug Zeit um etwas für sich selbst zu tun."

Hier spricht Neururer vor allem die Tatsache an, dass 75 Prozent aller Profis in Europa keine Ausbildung haben. Der Coach sieht hier aber auch die Klubs in der Pflicht: "Wenn der Spieler sein Gehirn nicht eingeschaltet hat, muss der Verein ihm zur Seite treten."

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