Bitte warten...

1. FC Kaiserslautern | 90. Geburtstag Werner Liebrich - "Der Fahrer" aus der Pfalz

Werner Liebrich vom 1. FC Kaiserslautern war einer der Helden von Bern. Der Abwehrspieler war auf dem Rasen ein Hitzkopf, der viele seiner Gegenspieler zur Verzweiflung brachte. Am Mittwoch wäre er 90 Jahre alt geworden.

Liebrich zu Hause in seinem Garten

Werner Liebrich starb 1995 in seiner Heimatstadt Kaiserslautern

Werner Liebrich nannten sie "den Löwen von Wembley". Er war derjenige, der den "Major" Ferenc Puskás im WM-Finale 1954 kaltstellte. Er war kein Schönspieler, kein Dribbler. Liebrich lässt sich am besten mit Spielertypen wie Pepe von Real Madrid oder dem Italiener Gennaro Gattuso vergleichen. Spieler, die ihre Gegner mit allen erlaubten Mitteln - und darüber hinaus - versuchen zu stoppen.

Kein leichtfüßiger Techniker

Der 1,76 Meter große Abwehrspieler vom 1. FC Kaiserslautern hatte seine Stärken im Zweikampf: Kompromisslos und hartnäckig wie eine Klette bewachte Liebrich seine Gegenspieler. Gegen den "Fahrer" wollte niemand gerne spielen. So wurde er in der Pfalz genannt. Dieser Spitzname soll von Fritz Walter kommen, der Liebrich aufgefordert haben soll, beim Gegenspieler "dazwischenzufahren". Liebrich spielte in der Nationalmannschaft auf der Position des "Stopper". Er sollte das Spiel des Gegners zerstören.

1/1

Bildergalerie | 90. Geburtstag von Werner Liebrich

Eine Lauterer Legende

In Detailansicht öffnen

Am 18. Januar wäre Werner Liebrich (6.v.l.), Rekordspieler beim 1. FC Kaiserslautern, 90 Jahre alt geworden. Seinen größten Triumph feierte er mit dem WM-Titel 1954 in Bern.

Am 18. Januar wäre Werner Liebrich (6.v.l.), Rekordspieler beim 1. FC Kaiserslautern, 90 Jahre alt geworden. Seinen größten Triumph feierte er mit dem WM-Titel 1954 in Bern.

Liebrich soll im Vorrundenspiel der WM 1954 Ferenc Puskás bewachen. Der "Major", wie Puskás genannt wurde, gilt bis heute als einer der besten Fußballspieler aller Zeiten und war auf dem Platz der Anführer der Ungarn. Nach einem Foul von Liebrich an Puskás verletzt sich der Ungar unglücklich. Werner Liebrich entschuldigt sich nach dem Spiel in der Umkleidekabine bei ihm. Puskás kann erst im Finale wieder spielen, wird aber von Liebrich durch Manndeckung über weite Strecken aus dem Spiel genommen.

Werner Liebrich (stehend, 4.v.r.) posiert nach dem sensationellen WM-Gewinn mit seinen Mannschaftskollegen und Trainer Sepp Herberger.

Für den 1. FC Kaiserslautern absolvierte Liebrich (Mi.) über 350 Pflichtspiele und ist damit einer der Rekordspieler für die Roten Teufel. Mit dem FCK wurde er 1951 und 1953 deutscher Meister.

Viele der Weltmeister von 1954 mussten nach ihrer Karriere wieder "normale" Jobs annehmen. Die Bezahlung war mit den heutigen hohen Rekordablösen und Gehältern nicht zu vergleichen. Nach seiner Fußball-Karriere machte sich Liebrich selbstständig: Er arbeitete in einem Schuhladen und gründete ein Zeitschriftengeschäft in der Eisenbahnstraße 48 in Kaiserslautern.

Nach seiner aktiven Zeit sprang Liebrich von Februar 1965 bis zum Saisonende als Trainer beim 1. FC Kaiserslautern ein und bewahrte den Verein vor dem Abstieg. Danach spielte er regelmäßig in der FCK-Traditionsmannschaft.

Werner Liebrich hatte auf dem Platz einen Ruf als Heißsporn und kompromissloser Zweikämpfer. Privat, hier mit seiner Frau Annemarie, galt der Pfälzer als sensibel.

Liebrich (Mi.) war regelmäßig Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion: Hier zusammen mit den WM-Helden von 1954 Horst Eckel (li.) und Ottmar Walter. Am 20. März 1995 verstarb Werner Liebrich im Alter von nur 68 Jahren. Die Straße am FCK-Nachwuchsleistungszentrum wurde nach ihm benannt.

Und Liebrich fuhr gerne ordentlich dazwischen. Obwohl er versuchte, nie mit übertriebener Härte zu spielen, verletzte sich sein Gegenspieler Ferenc Puskás bei der WM 1954 im Vorrundenspiel. Der Star der Ungarn stürzte nach einem Zweikampf mit Liebrich unglücklich zu Boden. Im Finale gegen Deutschland konnte Puskás zwar wieder spielen, doch Liebrich nahm ihn über weite Strecken vollkommen aus dem Spiel. Damit leistete der Lauterer einen entscheidenden Beitrag zum "Wunder von Bern".

Liebrich wird "Der Löwe von Wembley"

Selbst von der englischen Presse wurde Liebrich nach einem Freundschaftsspiel gegen England im Wembley-Stadion als "Löwe von Wembley" gefeiert. Als einer der ersten Deutschen beherrschte Liebrich das seitliche Hineingrätschen in den Gegner perfekt. Bei dem von den Engländern übernommenen "sliding tackle" wurde der Ball per Grätsche erobert ohne den Gegenspieler zu foulen.

4:47 min

Mehr Info

Landesschau von 1995: Werner Liebrich ist tot

Christopher Drose

Am 20. März 1995 starb Werner Liebrich im Alter von nur 68 Jahren in Kaiserslautern.

Liebrich scheute auch nach dem WM-Titel von 1954 Interviews und Auftritte in der Öffentlichkeit. Er war keiner, der das Rampenlicht und großen Ruhm suchte. "Was wir in unserer aktiven Zeit erlebt haben, hat uns geformt - dieses Erlebnis kann uns niemand nehmen, während heute doch vieles vom Geld diktiert wird", sagte Liebrich später. Nach seiner aktiven Zeit arbeitete er in einem Schuhladen und machte sich mit einem Zeitungsgeschäft selbstständig. Am 18. Januar wäre Werner Liebrich 90 Jahre alt geworden. Er starb 1995 in seiner Heimatstadt Kaiserslautern.