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Auch die Musikbranche leidet unter den wieder steigenden Corona-Zahlen: keine Konzerte, kein Geld. Eine Reihe von Stars macht mit stummem Protest auf die Misere aufmerksam.

Das Bild zeigt Sängerin Sotiria in einem rotgetönten Bild. Ihr Mund kreuzt ein schwarzes "X", das für ihre Stummheit steht. (Foto: Ben Wolf)
Ben Wolf

Lange hat man aus der Musikszene nichts gehört. Jetzt aber geht es los. Nachdem der zweite Lockdown erneut sämtliche Kultureinrichtungen zum Schließen zwingt, demonstrieren Künstlerinnen und Künstler absichtlich in Stille. #SangUndKlanglos heißt die Aktion, bei der sich Sänger, Musiker und Orchester beteiligen. Der Aufruf: Stille gegen das Kultur-Aus in Deutschland. Darüber hinaus wurde eine weitere Aktion ins Leben gerufen: unter dem Hashtag #OhneKunstundKulturWirdsStill erhalten Betroffene erneut die Möglichkeit, auf die fehlende finanzielle Unterstützung der Kunst- und Kulturszene aufmerksam zu machen.

"AlarmstufeRot" zeigt mit #SangUndKlanglos den Unmut

Auf der Initiative der Münchner Philharmoniker plante das Bündnis #AlarmstufeRot diese Aktion, um "die Aufmerksamkeit von Regierung und Öffentlichkeit für die Not von Kulturschaffenden gewinnen".

Von großen Kulturinstitutionen bis zum Kleinkünstler sollen alle teilnehmen. "Je mehr mitmachen, desto lauter wird die Stille", so die Ansage für Montag, den 2. November. Um 20 Uhr sollten Künstler mit ihren Social-Media-Beiträgen unter den Hashtags #SangUndKlanglos sowie #AlarmstufeRot auf sich aufmerksam machen und "individuell dargestellte Stille" zeigen.

Kollektives Stillsein auf der "Wall of Silence"

Bei Instagram zählt man tausende Beiträge unter dem Hashtag #SangUndKlanglos. Auf der Website des Bündnisses #AlarmstufeRot gibt es eine gemeinsame Social Media Wall, die alle geposteten Beiträge abbildet. Darunter finden sich die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks und die Bayrische Staatsoper, die unter dem Titel "20 Minuten Stille“ ein zeitgleiches Konzert ankündigten, aber nicht um zu musizieren, sondern um nach 20 tonlosen Minuten die Bühne wieder zu verlassen.

"Ohne Kunst wird's still" - Betroffene setzen weiteres "stilles" Statement

Ob Kulturveranstalter, Sänger, Musiker, Caterer, Clubbetreiber, Eventmanager oder Event-Fotografen – auch unter #OhneKunstundKulturWirdsStill macht die Branche auf den Ernst der Lage aufmerksam. Vor allem in den sozialen Netzwerken posten Betroffene stille Videos oder Fotos – auch heute. Viele Künstler, unter anderem auch Beatrice Egli, Kerstin Ott oder voXXclub, haben sich an der Aktion beteiligt und ihren Beitrag zum Beispiel mit einem stillen Video geleistet, etwa auf ihren Youtube-Kanälen.

Anni Perka, Beatrice Egli, Alexander Klaws und Sotiria zeigen Stille im Schlager

Auch die Schlagerstars schließen sich dem stillen Protest an. Monatelang sei ihre Branche "hinter Gittern" gewesen. Wenn jetzt nichts passiere, hieße das Urteil "lebenslänglich", so Anni Perka.

Beatrice Egli postet eine Videosequenz, in der ihr ein grünes Tape mit den Großbuchstaben "STILL" den Mund abdeckt. Stumm sieht sie mit einem ernsten Blick in die Kamera. Die rote Beleuchtung untermalt die Bedrohlichkeit der Thematik.

Musikerkollege Alexander Klaws teilt ein Video, das sein Studio in 20-minütiger Stille zeigt.

Sotirias Bild-Post zufolge seien die 1,5 Millionen Veranstaltungsschaffenden vom Staat mehr oder weniger im Stich gelassen worden. Und das, obwohl doch vor allem in diesen Zeiten Musik besonders wichtig sei.

Beatrice Egli setzt unter anderem auch auf Youtube ein 2-minütiges stilles Statement.

voXXclub: Die Politik sei viel eher ein Kultur-Verhinderer als ein -Förderer

Im Namen der freischaffenden Humoristinnen und Humoristen sowie Musikerinnen und Musikern schreibt die Band voXXclub einen offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten.

Der Vorwurf: "In den letzten Monaten gaben Sie uns das Gefühl, weniger wert zu sein als Autos, Flugzeuge und Fußballspieler."

voXXclub kritisiert in diesem Brief, dass der "politische Dank" für all die harte Arbeit, die von Künstlern aufgebracht wurde, um Kulturerlebnisse Corona-konform möglich zu machen, "weitgehend ausbleibe". Die Forderung ist keine bloße Finanzhilfe, sondern vielmehr ein gemeinsames Entwickeln von Perspektiven für den künftigen Kulturbetrieb. Unterzeichnet wurde der Brief von Peter Maffay und vielen anderen namhaften Künstlern der Branche.

"Hiermit fordern wir (...) Sie dazu auf, endlich für die coronabedingten Schäden, beispielsweise durch die Stilllegung bzw. die drastischen Einschränkungen des Live-Betriebs, aufzukommen. Diese Forderung bezieht sich dabei ganz explizit nicht auf uns wenige Topverdiener der Branche, sondern auf die vielen finanziell angeschlagenen privatwirtschaftlichen Kulturstätten, denen die Schließung droht oder die bereits schließen mussten, was fast zwei Millionen Menschen auf, vor und hinter den Kulissen die berufliche Perspektive genommen hat."

voXXclub in ihrem offenen Brief auf Instagram

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