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SENDETERMIN So, 10.8.2008 | 9:15 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Deutschland Zeche Zollverein

Von Kohle zu Kunst

Abreißen, Planieren, Neubebauen - das ist das übliche Schicksal von Industrielandschaften, wenn die Produktion nicht mehr lohnt. Stätten der Arbeit galten lange als unästhetisch und reizlos, und deshalb sind nur wenige historische Industrielandschaften heute noch intakt.

Zeche Zollverein: Fördergerüst

Zeche Zollverein: Fördergerüst

Zeche Zollverein in Essen ist die am vollständigsten erhaltene Zechenanlage in Europa. Sie wurde 1986 stillgelegt, aber schon lange vorher war geplant, die Zeche für künftige Generationen zu nutzen. Umwidmung und aufwendige Restauration sind die Stichwörter für einen neuen Umgang mit dem alten Industrierelikt: der Weg führt von der Kohle zur Kunst. Im Kesselhaus der Zeche, wo einst der Dampfdruck für die Bewetterungsanlagen des Untertageabbaus erzeugt wurde, ist heute das Designmuseum Nordrheinwestfalen. Im Turbinenhaus genießt man jetzt im Gourmetrestaurant "Casino Zollverein" exklusive Speisen zwischen Stahlträgern und alten Kesseln. Im Salzlager der Kokerei fand Kabakovs "Haus der Träume" Platz. In der großen Lesebandhalle wurden früher an vielen Bändern Gesteinsbrocken aus der Kohle gelesen - nun finden in ihr Konzerte statt.

Zeche Zollverein: Fördergerüst

Zeche Zollverein: Fördergerüst

Seit ihrer Planung 1928 war die Zeche Zollverein eine Attraktion für Architekten und Grubenbetreiber. Den Industriearchitekten Martin Schupp und Fritz Kremmer ist es gelungen, einen Gesamtentwurf zu konzipieren, in dem nicht wie bei den meisten Fabrikationsstätten einzelne Bauelemente aneinandergestückelt oder je nach Bedarf verändert wurden, sondern Funktion und Ästhetik eine Einheit bilden. Von Anfang an wurde Zeche Zollverein bei aller Zweckmäßigkeit auch als repräsentatives Symbol der Arbeit, als Denkmal der Industrialisierung geplant.

Mit der Aufnahme von Zeche Zollverein in die Welterbeliste der UNESCO 2001 bleibt ein einzigartiges Zeugnis der Industriearchitektur erhalten: der Weg der Kohle wird auch in Zukunft nacherlebbar sein.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Zeche Zollverein
UNESCO-Ernennung: 2001
1845/46
Mutung der zur Berechtsame gehörenden Einzelfelder
1847
Zusammenfassung der Einzelmutungen unter dem Namen Zollverein
1847/49
Schächte 1 und 2 werden abgeteuft. Konsolidation der Einzelfelder unter dem Namen Zollverein
1866
Bau der ersten Kokerei (30 Öfen)
1874
Die erste Kohlenwäsche wird gebaut
1880
Schacht 3 wird abgeteuft
1886/87
Erneuerung und Erweiterung der Tagesanlagen 1/2
1891
Schacht 4 wird abgeteuft
1894
Schacht 5 wird abgeteuft
1895
Bau einer Kokerei auf 4/5 Schacht 6 wird abgeteuft
1897
Schacht 7 wird abgeteuft, Teufbeginn Schacht 8
1901
Erweiterung der Kokerei 1/2 um 30 Öfen und Abbruch der Koksöfen aus dem Jahre 1866
1902
Tieferteufen Schacht 8
1903
Schacht 9 wird abgeteuft
1903/04
Erweiterung der Kokerei um 60 Öfen
1908
Erneuerung von 30 Koksöfen auf 1/2, Abbruch der 60 Koksöfen aus dem Jahre 1869
1911
Schacht 10 wird abgeteuft
1914
Inbetriebnahme von 60 Koksöfen auf 1/2, Bau einer Kokerei mit 120 Öfen auf 3/7/10
1920
Interessengemeinschaft zwischen der Gewerkschaft Zollverein und der Phönix AG
1922
Schacht 11 wird abgeteuft
1926
Gründung der Vereinigten Stahlwerke AG in die Zollverein und Phönix aufgingen
1926/28
Stilllegung der Kokerei 4/5
1928/32
Errichtung der Tagesanlagen Schacht 12
1929
Einstellung der Schachtförderung 6/9, Schacht 12 wird abgeteuft
1932
Aufnahme der Förderung Schacht 12 unter gleichzeitiger Einstellung der Schachtförderung auf 1/2, 3/7/10 und 4/11, Schacht 5 wird verfüllt
1934
Bildung der Gelsenkirchener Bergwerks AG
1941
Schlagwetterexplosion auf 6/9, 29 Tote (26. Febr.)
1946
12. Sohle ist Hauptfördersohle (610 m Teufe)
1952/57
Ausrichtung der 13. Sohle (756 m Teufe)
1956
Verlängerung des Schachtes 12 von der 12. zur 13. Sohle
1957
Schacht 12 fördert von der 13. Sohle, Beginn der Gefäßförderung
1959
13. Sohle wird Hauptfördersohle (750 m Sohle)
1963
Die Schachtanlage 1/2 wird als eigenständige Betriebsführerabteilung aufgeteilt in die Bereiche 3/10 und 6/9
1967
Stilllegung des Baufeldes 4/11
1966/72
Ausrichtung der 14. Sohle (1000 m Teufe)
1974
Durchschlag der Verbindungsstrecke 14. Sohle Zollverein mit der 10. Sohle Holland. Übernahme der Förderung Holland
1975
Schächte Zollverein 6, Rheinelbe 4 und 6, sowie Bonifacius 2 werden verfüllt
1976
Einrichtung einer Zentralwasserhaltung auf der 10. Sohle für die stillgelegten Anlagen Katharina, Joachim, Victoria-Mathias, Ernestine und Dahlbusch, sowie für die noch im Abbau befindlichen Baufelder Bonifacius und Holland, Schacht Holland 6 wird verfüllt
1977
Ausrichtung der 15. Sohle im Baufeld 3/10 (1150 m Teufe)
1979
Stilllegung des Baufeldes 6/9 und des östlichen Hollandfeldes, Schacht Alma 5 wird verfüllt
1980
Verfüllung der Schächte Zollverein 3 und 7
1982
Schacht 9 wird verfüllt, Durchschlag eines 4,8 km langen Verbindungsquerschlages
1983
Verbundwerk Nordstern - Zollverein
1986
Einstellung der Kohleförderung im Baufeld Zollverein. Beendigung des Bergbaus in Essen am 23. Dezember 1986
1987
Weiterbetrieb der Schächte 12 und 2 für die zentrale Wasserhaltung auf der 14. Sohle mit dem Bergwerk Nordstern
23. Dezember 1986
Letzte Schicht auf Schacht 12

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