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Filmtext & Video

14:53 min | So, 3.5.2020 | 19:40 Uhr | 3sat

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Anuradhapura, Sri Lanka, Folge 389

SWR

Die Heilige Stadt Anuradhapura - sie war von 250 v. Chr. - 1017 Hauptstadt des singalesischen Königreiches, dann "im Dschungel" vergessen, bis sie um 1820 durch eine britische Expedition wiederentdeckt wurde. Im vierten Jahrhundert vor Christus gegründet, entwickelte sie sich zum religiösen und politischen Zentrum, war mehr als tausend Jahre Königssitz der Insel Sri Lanka.

Filmtext

"Unbekannten Anfangs ist die Wanderung von Dasein zu Dasein. Wer geboren ist, dem ist das Sterben beschieden. Wer geboren ist, der schauet Leiden. Was vergänglich ist, das ist Leiden."

In bescheidenen Höhlenklöstern lebten die ersten, die sich Buddhas Lehre zu Herzen genommen haben. Asketisch, zurückgezogen und in Harmonie mit der Natur suchten Mönche im Norden Sri Lankas nach dem Pfad der vier edlen Wahrheiten. Frühe Anhänger der altbuddhistischen Religion, die sich hier lange vor Christi Geburt ausbreitet.

Noch ahnt damals niemand, dass sich in der Abgeschiedenheit der Wälder ein geistiges und kulturelles Zentrum entwickeln wird: Anuradhapura. Die Impulse für die neue Religion kamen aus Indien. Thera Sanghamitta, die Tochter des indischen Herrschers Ashoka, soll 236 vor Christus mit großem Gefolge über diese Steinbrücke nach Anuradhapura gekommen sein. Im Auftrag ihres Vaters wollte sie Sri Lanka missionieren. Mit sich trug Sanghamitta die Wurzeln des neuen Glaubens und einen kleinen Ableger vom heiligen Pappel-Feigen-Baum. Einen Zweig von jenem Bodhi-Baum, unter dem Siddhartha Gautama seine Erleuchtung erfahren hat. Und zu Buddha wurde.

Der Bodhi-Baum - gepflanzt vor mehr als 2000 Jahren. Das von Tempeln umgebene und gut beschützte nationale Heiligtum ist das Ziel der Pilger. Sie bitten um Buddhas Beistand für Gesundheit und Wohlergehen. Erlösung aus dem ewigen Kreislauf des Lebens, Erlösung vom Leiden.

Meditieren und Sich-Versenken führen zu Buddha, dem unvergleichlichen Licht. Es scheint etwas Magisches über diesem Ort zu liegen, der trotz des nicht abreißenden Stroms von Pilgern ein Gefühl der Kraft und Ruhe vermittelt, das die Erinnerung an Buddha bis heute wach hält. Vom heiligen Bodhi-Baum erzählen Legenden und Schriften. Er ist der älteste historisch dokumentierte Baum der Welt. Ein lebendiges Symbol Buddhas, Zentrum der Verehrung.

Die Mönche Anuradhapuras berufen sich auf die ursprünglichen Lehren des Erleuchteten, bekennen sich zum strengeren Theravada-Buddhismus, dessen Grundsätze schon im 1. Jahrhundert vor Christus aufgeschrieben wurden - auf Palmblättern.
Bis heute leben die Mönche nach den Regeln dieses altbuddhistischen Kanons. Um den ältesten Bezirk mit dem Bodhi-Baum wurden Klöster gebaut, um die Klöster Tempel und Wohngebäude errichtet. Allmählich wuchs eine steinerne Stadt. Eine Königsstadt, wohl geplant, weitläufig und hoch zivilisiert. König Devanampiya Tissa, der Herrscher über den Norden Sri Lankas, förderte den neuen buddhistischen Glauben. Schon in antiker Zeit entstand so eine enge Beziehung zwischen Königtum und Buddhismus.

"Catussala" - ein Speisesaal aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. In dem mehr als 13 Meter langen "Reisboot" servierte die gläubige Bevölkerung jeden Morgen ihre Essensgaben für mehr als 3000 Mönche. Die einzige Mahlzeit am Tag, bevor die Sonne im Zenith stand.

Die Klöster waren schlicht und zweckmäßig, hatten eine eigene Wasserversorgung, einfache, rechteckige Wohnquartiere mit Holzdächern, die sich um einen Innenhof mit einem zentralen Schrein gruppierten. Die Mönche lebten kontemplativ und bedürfnislos. Allein ihre Notdurft verrichteten sie auf reich verzierten Toiletten- so schenkten sie der Welt des Luxus ihre Verachtung.

Steinmetzarbeiten an der Basis oder den Pfeilern von Tempeln und Reliquienschreinen sind nicht nur Dekoration. Sie symbolisieren Erkenntnisstufen auf dem Pfad zur Erlösung. Die ältesten zeigen Lotospflanzen und Tierdarstellungen, aber auch Zwerge oder Schlangengottheiten.

Die Klöster waren eine eigene Welt. Vier große Anlagen verteilten sich über die antike Stadt, auf einer Fläche von über 40 Quadratkilometern. Waren die finanziellen Mittel vorhanden, ließen die Könige eine Dagoba bauen. Nichts ist geblieben von den Wohnungen der normalen Leute, denn ihre Behausungen waren aus vergänglichem Material, aus Lehm und Holz und nicht aus Stein, wie die Wahrzeichen des Buddhismus.

Mönche sind im Stadtbild selten. Das moderne Anuradhapura liegt östlich der antiken Königsstadt. Es wurde erst im 19. Jahrhundert gegründet und erholt sich heute vom fast 30-jährigen Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen.

Rund um die heilige Stadt liegen die Felder, damals wie heute sichert der Reisanbau das Überleben. Ohne künstliche Bewässerung gäbe es kein Auskommen, obwohl heute weitaus weniger Menschen hier wohnen. Das Leben in dieser trockenen Region im Norden Sri Lankas war niemals paradiesisch. In den Reissümpfen lauerte die Malaria, Singhalesen stritten mit Tamilen um fruchtbares Land.

Das Wasser, auf dem die Symbole Buddhas blühen, und das die Stadt am Leben hält, stammt nicht aus natürlichen Seen. Bereits 430 vor Christus wurden hier Wasserreservoire angelegt, eine frühe hydraulische Hochkultur. Es waren Zuwanderer aus Nordindien, die aus ihrer Heimat Kenntnisse in Bewässerungstechnik mitbrachten und die Trockenzone erblühen ließen. Bis heute erfüllen diese "Tanks", drei große künstliche Staubecken, die den Monsunregen auffangen und mehrere Monate speichern, ihren Zweck.

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Asien: Sri Lanka

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Um den ältesten Bezirk mit dem Bodhi-Baum wurden Klöster gebaut, um die Klöster Tempel und Wohngebäude errichtet. Allmählich wuchs eine steinerne Stadt.

Um den ältesten Bezirk mit dem Bodhi-Baum wurden Klöster gebaut, um die Klöster Tempel und Wohngebäude errichtet. Allmählich wuchs eine steinerne Stadt.

Die Mönche Anuradhapuras berufen sich auf die ursprünglichen Lehren des Erleuchteten, bekennen sich zum strengeren Theravada-Buddhismus, dessen Grundsätze schon im 1. Jahrhundert vor Christus aufgeschrieben wurden - auf Palmblättern.
Bis heute leben die Mönche nach den Regeln dieses altbuddhistischen Kanons.

Elefanten sind selten geworden in Sri Lanka.

Eine Dagoba ist Abbild des Kosmos, architektonisches Symbol für die Rückkehr der Seele zum Nirwana.

Elefant, Pferd, Löwe und Ochse. Gänse und Lotosblüten. Halbrunde verzierte Schwellensteine an Tempeleingängen, „Mondsteine“ genannt, versinnbildlichen den Lebensweg. Von der Geburt bis zur Wiedergeburt.

Bereits 430 vor Christus wurden Wasserreservoire angelegt, eine frühe hydraulische Hochkultur. Es waren Zuwanderer aus Nordindien, die aus ihrer Heimat Kenntnisse in Bewässerungstechnik mitbrachten und die Trockenzone erblühen ließen. Bis heute erfüllen diese "Tanks", drei große künstliche Staubecken, die den Monsunregen auffangen und mehrere Monate speichern, ihren Zweck.

Wächtersteine am Eingang bedeutender Monumente sollen das Böse fernhalten.

Die Mönche der Klöster lebten kontemplativ und bedürfnislos. Allein ihre Notdurft verrichteten sie auf reich verzierten Toiletten- so schenkten sie der Welt des Luxus ihre Verachtung.

Der Samadhi-Buddha aus dem 4. Jahrhundert ist eine der frühesten Statuen.

Der Bodhi-Baum - gepflanzt vor mehr als 2000 Jahren. Das von Tempeln umgebene und gut beschützte nationale Heiligtum ist ein Ableger des Baumes, unter dem Gautama Buddha seine Erleuchtung erlebte.

Die Klöster waren eine eigene Welt. Vier große Anlagen verteilten sich über die antike Stadt, auf einer Fläche von über 40 Quadratkilometern.

In besonderen Vollmondnächten pilgern die Bewohner der modernen Stadt Anuradhapura zu den alten Kultstätten. Sie umrunden den Bodhi-Baum und ersteigen die Stufen zur großen Dagoba. Dann wird die Stadt des Glaubens wieder lebendig.

Steinmetzarbeiten an der Basis oder den Pfeilern von Tempeln und Reliquienschreinen sind nicht nur Dekoration. Sie symbolisieren Erkenntnisstufen auf dem Pfad zur Erlösung. Die ältesten zeigen Lotospflanzen und Tierdarstellungen, aber auch Zwerge oder Schlangengottheiten

Die Dagoba - Abbild des Kosmos, architektonisches Symbol für die Rückkehr der Seele zum Nirwana. Ein Ort der Versenkung und Andacht.

Die neuen, frisch gebrannten Mauerziegel für die Abhayagiri Dagoba werden mit einer speziellen Mörtelmischung verbaut. Sie entspricht der alten Rezeptur. Lange Zeit galt diese Dagoba als das zweithöchste Monument der Welt, massiv aus Ziegeln gebaut.
Niemand weiß heute mehr, welche heiligen Reliquien im Innern des Kultbaus aufbewahrt wurden.

Archäologen haben berechnet, dass das Wasser der damaligen Speicher für über 123 000 Bewohner ausreichte - und auch für den sogenannten "Elefantenteich" des antiken Anuradhapura. 150 Meter lang, 50 Meter breit, 10 Meter tief und ganz aus Steinquadern gebaut. Kein Luxusbad für Elefanten, sondern das Wasserreservoir des nahe gelegenen Klosters.

Anders dieses Zwillingsbad. In der Dämmerung des beginnenden Tages haben es die Mönche zum Waschen und Schwimmen benutzt.
Das antike Bad versprach Kühlung bei tropischer Hitze, die Becken wurden durch unterirdische Wasserleitungen gespeist.

Ruvanvelisaya, die große Dagoba. Weithin strahlt die Kuppel eines der wichtigsten Heiligtümer Sri Lankas. Abbild des Kosmos, architektonisches Symbol für die Rückkehr der Seele zum Nirwana. Ein Ort der Versenkung und Andacht.

Ein Elefantenfries ziert die Basis des Reliquienschreins. Diese Dagoba, das größte buddhistische Bauwerk der damaligen Welt, ließ indische Vorbilder weit hinter sich. Die aufwendige Kultstätte von fast 100 Metern Höhe wurde mit Erlösen aus einer Silbermine finanziert. Der Auftraggeber, König Dutthagamani, konnte Budhas Tempel nicht mehr umrunden. Er starb 137 vor Christus und hat die Fertigstellung der Dagoba nicht mehr erlebt.

Dhyana mudra...der Erleuchtete in tiefer Meditation. Damals kein üblicher Anblick, wurde doch Buddha als Person nicht plastisch dargestellt. Der Samadhi-Buddha aus dem 4. Jahrhundert ist eine der frühesten Statuen. Ein Vorbild für unzählige Plastiken.

Elefant, Pferd, Löwe und Ochse. Gänse und Lotosblüten. Halbrunde verzierte Schwellensteine an Tempeleingängen, „Mondsteine“ genannt, versinnbildlichen den Lebensweg. Von der Geburt bis zur Wiedergeburt. Wächtersteine am Eingang bedeutender Monumente sollen das Böse fernhalten – wie diese Schlangen-Steinfiguren.

Anfang des 11. Jahrhunderts wurde Anuradhapura aufgegeben und verlassen. Lag vom Dschungel überwachsen, von Erde begraben, von Räubern geplündert.

Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts suchen die Singhalesen wieder nach den Wurzeln ihrer Kultur. Eine der größten archäologischen Stätten der Welt wird erforscht, frei gelegt und restauriert. Stein für Stein.

Die neuen, frisch gebrannten Mauerziegel für die Abhayagiri Dagoba werden mit einer speziellen Mörtelmischung verbaut. Sie entspricht der alten Rezeptur. Lange Zeit galt diese Dagoba als das zweithöchste Monument der Welt, massiv aus Ziegeln gebaut. Niemand weiß heute mehr, welche heiligen Reliquien im Innern des Kultbaus aufbewahrt sind. Das antike Anuradhapura wird viele Geheimnisse nicht mehr preisgeben.

In besonderen Vollmondnächten pilgern die Bewohner zu den alten Kultstätten. Sie umrunden den Bodhi-Baum und ersteigen die Stufen zur großen Dagoba. Dann wird die Stadt des Glaubens wieder lebendig.

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Anuradhapura:
Stefan Eichinger, Steffen Neuert

Buch und Regie: Elke Werry
Kamera: Donald Saischowa

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