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SENDETERMIN Mo, 26.8.2019 | 12:45 Uhr | 3sat

Europa: Schweiz La Chaux-de-Fonds und Le Locle

Städte der Zeit

Auf den Höhenzügen des Schweizer Juras, 1000 Meter über dem Meer: Städte der Zeit - La Chaux de Fonds und Le Locle, die Wiege der Schweizer Uhrenindustrie.

Aus dem Dorf wurde eine Stadt.

Aus dem Dorf wurde eine Stadt.


Über Jahrhunderte wurde ihre Entwicklung bestimmt durch die Bedürfnisse des Uhrmacherhandwerks und der industriellen Produktion von Uhren. Dies zeigt sich bis heute in ihrer urbanen Gestalt. So reihen sich in La Chaux de Fonds - der größeren der beiden Uhrenstädte – in langen, geraden Straßen Gebäudeeinheiten an den Flanken des Tals. Immer nach dem gleichen Prinzip strukturiert: Straße, Gebäude, Garten, alles wurde konsequent ausgerichtet nach dem Licht. Denn ausreichendes Tageslicht war unverzichtbar für das Uhrmacher-Metier.

Ein Ort sozialer Gerechtigkeit und Harmonie sollte es sein.

Ein Ort sozialer Gerechtigkeit und Harmonie sollte es sein.

Vor allem im 19. Jahrhundert entstand ein urbanes Kleinod, eine menschliche Arbeiterstadt. Zeugnisse sind prächtige Häuser mit schönen Treppenhäusern und großräumigen, hellen Wohnungen. Hier lebten einst die Uhrmacher mit ihren Familien. Eine proletarische Aristokratie, offen für die neuen Ideen der Zeit. Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. Im Erdgeschoss wie auch über den Arbeiterwohnungen befanden sich die Werkstätten. Bis in alle Ecken der Stadt waren die Uhrenateliers zerstreut. Dort wurden die Hunderte an Einzelteilen hergestellt, die man für den Bau eines Zeitmessers braucht. La Chaux de Fonds sei eine „einzige Uhrenwerkstatt“, berichtete Karl Marx, die Stadt eine gewaltige Manufaktur, eine große Fabrik. Aus Kunsthandwerk wurde Industrie. Ein Strom von Zuwanderern aus der deutschen Schweiz, dem Tessin, Frankreich, Italien und Deutschland suchte im Jura sein Glück. La Chaux de Fonds bewältigte einen beeindruckenden demographischen Zuwachs.

Spitzenqualität statt Masse

Spitzenqualität statt Masse

Bis 1900 hatte sich das ehemalige Jura-Dorf zu einer Stadt mit 40.000 Einwohnern entwickelt – ein Ort mit moderner Infrastruktur und ungeheurer Produktivität. Mehr als die Hälfte der weltweiten Uhrenproduktion wurde damals alleine in La Chaux de Fonds hergestellt. Es entstanden Industriegebäude mit angebauten Fabrikantenvillen. Auch diese systematisch dem Licht zugewandt. Breite Fensterfronten für optimalen Lichteinfall strukturieren die Fassaden. Werkbänke reihen sich perfekt beleuchtet entlang der Fenster. Licht wie rationelles Kommen und Gehen in den Fabriken wurden zu wesentlichen Produktionsfaktoren. Später bauten die Fabrikanten ihre Villen nicht mehr direkt an die Fabrik, aber in unmittelbarer Nachbarschaft. Darunter architektonische Juwelen wie die Villa Turque, 1916 entworfen von einem jungen Architekten aus La Chaux de Fonds, der später als Le Corbusier weltberühmt werden sollte.

Kulturdenkmal
La-Chaux-de-Fonds und Le Locle, Schweiz

Unesco-Ernennung
2009

14.Jhd.
Urbarmachung und Besiedlung

1360
Le Locle und La Chaux-de-Fonds fallen unter die Herrschaft Valangin

1592
Valangin kommt unter die Oberhoheit der Grafschaft Neuenburg

1705
Daniel Jeanrichard siedelt von La Sagne nach Le Locle um, baute einen Uhrenfabrik auf und begründete damit diese traditionsreiche Schweizer Industrie

18.Jhd.
Rasanter Aufstieg beider Städte zu einer bedeutenden Industriegemeinde.

1815
Im Zuge des Wiener Kongresses wird die Grafschaft Neuenburg ein Teil der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

1833
Nach einem Brand wird Le Locle im Schachbrettgrundriss wieder aufgebaut. Die Neugestaltung wurde mit den Bedürfnissen der Uhrenindustrie abgestimmt: Nüchternheit, Wirtschaftlichkeit, Licht und sozialer Frieden

1835
Erweiterung der Stadt La Chaux-de-Fonds im strengen Schachbrettgrundriss

1970er Jahre
Schließung vieler Uhrfabriken und Bevölkerungsabwanderung in Folge der Wirtschaftskrise

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